Sonntag, 12. Mai 2024

Umbruch

 Gewissheit

Jetzt, da beim HSV das siebte Jahr zweite Bundesliga final gebucht ist, legt sich wie in jedem Sommer ein Schatten über den Verein. Analysen, Aufarbeitung und zwar schonungslos. Diese Sprüche kommen mir murmeltiermäßig bekannt vor.

 

Ein Umbruch muss her.

Neue Spieler, schließlich kam der Auftritt von Paderborn und nicht nur dieser, einem Totalversagen gleich.

Neuer Trainer, schließlich hat sich wohl jeder, der es ansatzweise mit dem HSV hält mehr von Steffen Baumgart erwartet. Nicht wenige sagen, dass es auch mit Tim Walter nicht schlechter gelaufen wäre. Neuer (Sport-) Vorstand, schließlich hat Jonas Boldt fünf Jahre Zeit gehabt den Aufstiegskader zu formen, wieso sollte es ihm im sechsten Anlauf gelingen?

 

Ein Umbruch muss her!

Alle drei Thesen sind nicht zu widerlegen. Seit Jahren stellt der Sportvorstand mit seinem Team und dem jeweiligen Trainer einen für Zweitligaverhältnisse extrem qualifizierten und teuren Kader zusammen, der die Erwartungen letztlich nicht erfüllt. Egal welche Spieler, Trainer oder Sportvorstände daran beteiligt sind.

Seit nunmehr 15 Jahren und fast ebenso vielen Umbrüchen.

 

Ein Umbruch muss her?

Natürlich kann man diesen erneuten Misserfolg nicht einfach durchwinken, doch wo will man ansetzen und wer soll das tun?

Über die Besetzung des Vorstands der AG befindet der Aufsichtsrat. Fußballdeutschland lehnt sich mal wieder mit einer Tüte Popcorn entspannt im Sessel zurück und staunt welche Säue beim HSV durchs Dorf getrieben werden, weil die Entscheidungsfindung mal wieder so öffentlich läuft, dass die Kandidaten schon absagen, bevor sie kontaktiert wurden.

Einigkeit besteht in diesem Gremium nur darin, dass man die Interessen jener wahrt, aus dessen Gnaden man im Aufsichtsrat sitzt.

 

Ein Umbruch muss her!

Wir leisten uns einen Vereinspräsidenten, der nur Dank eines dünnen Vorsprungs ein Misstrauensantrag abwehren konnte und kurz danach total isoliert aus dem Aufsichtsrat zurücktrat. Der vielleicht nur im Amt ist, weil seine Gegenkandidaten vom Beirat nicht zur Wahl zugelassen wurden. Von dem Beirat, der für die Zusammenstellung des Aufsichtsrats zuständig ist und peinlich genau darauf achtet, dass jeder, der im Hintergrund die Fäden ziehen will seine Marionette in diesem Gremium sitzen hat. Sportliche Kompetenz sucht man hingegen vergebens im Aufsichtsrat.

 

Ein Umdenken muss her!

Unserem HSV ist jegliche Siegermentalität abhandengekommen.

Seit nunmehr fünfzehn Jahren entwickelt sich der HSV sportlich nur noch in eine Richtung. Von dem Versuch in ein europäisches Finale einzuziehen, über die Unabsteigbarkeit, bis hin zum Zweitligadino. Dieser Misserfolg wird von oben vorgelebt, von ganz oben.

Der Streit zwischen Bernd Hoffmann und Didi Beiersdorfer, die Rückholaktion von van der Vaart über den Kopf des damaligen Sportdirektors hinweg, die von Missmanagement begleitete Ausgliederung, die dem Verein die Seele nahm sollen nur als Beispiele dienen.

Unabhängig von der jeweiligen sportlichen Leitung wurde von oben eine Gemengelage aus Inkompetenz und Klüngelei vorgelebt, wurden Ansprüche, die sich allein aus der Historie ergaben angestrebt, wurde von jedem alles hinterfragt, nur nicht sich selbst.

 

Ein Umdenken fand statt.

In den vergangenen Jahren hat sich der HSV zu einem Verein gewandelt, der gesellschaftliche Werte vertritt und kommuniziert mit denen ich mich Identifizieren kann. Dies wurde von unten nach oben vorgelebt (ich möchte hier unser Fanprojekt hervorheben), dann aber aufgenommen und klar nach außen transportiert.

Wirtschaftlich ist man auf einem Konsolidierungskurs, der natürlich auch von Einmaleffekten unterstützt wurde. Immerhin in dieser Beziehung hat sich der HSV positiv gewandelt. Natürlich kann man dem Sportvorstand vorwerfen, dass er den Kader im Winter nicht verstärkt hat, man kann ihm aber auch zugutehalten nichts gemacht zu haben, wovon er nicht überzeugt war.

In wie weit dies für ein Verbleib des Vorstandes langt gilt es zu analysieren.

 

Sinnbild!

Wenn jemand ein Sinnbild für die Situation des HSV sucht, bedarf es nur einen Blick in die Gesichter der Spieler die nach Abpfiff in Paderborn vor der Kurve standen, die „Mein Hamburg lieb ich sehr“ gesungen hat. Wie belämmert standen sie da, wie die sprichwörtlich geprügelten Hunde.

Aber haben sie wirklich immer alles für den Erfolg getan?

Fehlten nur die Mittel?

Wurden sie falsch zusammen- ein- oder aufgestellt?

Der Versuch von Steffen Baumgart sich vor seine Mannschaft zu stellen mag ja ehrenwert sein, aber letztlich waren das nur die Phrasen, die wir uns Jahr für Jahr anhören.

 

Umbruch.

Es wird einen Umbruch geben. Auf welcher Ebene auch immer.

Begleitet von größtmöglicher sportlicher Inkompetenz im Aufsichtsrat fehlt mir jeglicher Glaube an eine wirkliche Verbesserung der Situation.

Es wird den Aufschwung im Spätsommer und den Absturz im Frühjahr geben, vollmundige Ankündigungen und schmallippige Erklärungen.

Wir werden in der besten Zweiten Liga aller Zeiten vor vollem Haus gegen die Traditionsvereine gewinnen, um dann gegen die Ulms, Elversbergs und Münsters (nicht despektierlich gemeint) der Liga zu versagen.

Am Ende der Saison, vielleicht auch schon im Winter, werden wir dann den nächsten Umbruch fordern, vom gleichen Aufsichtsrat, mit der gleichen sportlichen Inkompetenz.

nurderHSV!

 

 

 

Freitag, 23. Dezember 2022

Rückblick nach vorne

 Heute hatte ich, wie viele andere auch meinen letzten Arbeitstag des Jahres und das ist für mich immer die Zeit auf das Jahr zurückzublicken. Heute schreibe ich mal ein paar Gedanken auf.


In erster Linie bin ich dankbar. Mir, uns geht es wirklich gut. Gesundheitlich, wirtschaftlich, gesellschaftlich.  Zukunftsängste sind eher abstrakt, weil sie mich nur indirekt betreffen. Stand heute gehe ich davon aus mein Leben in relativer Sicherheit leben zu dürfen. Wie gesagt, ich bin sehr dankbar dafür. Trotzdem mache ich mir natürlich Sorgen über das, was wir unserem Planeten antun und bestimmt unternehme auch ich noch nicht genug dagegen.


In diesem Jahr bin ich dankbarer denn je dafür, dass ich hier in Frieden leben darf, weit weg vom Krieg, der trotzdem näher als je zuvor in meinem Leben ist. Selbst der geografisch dichtere Krieg in Ex-Jugoslawien schien mir weiter entfernt zu sein.

Es gibt Lichtblicke von Mitgefühl und Hilfsbereitschaft in unserer Gesellschaft und doch nehme ich in diesen Krisenzeiten viel zu viel Egoismen wahr. Wer am lautesten schreit bekommt auch etwas. Längst ist anerkannt, dass der Lobbyismus der größte Parasit unserer Gesellschaft ist, doch leider geht der leer aus, der keine Lobby hat. Wir leben in einer Zeit, in der auch bei uns staatliche Hilfen notwendig sind, doch kommt davon zu wenig dort an, wo es wirklich und dringend benötigt wird. Mich zähle ich übrigens nicht zu den Bedürftigen, manche meiner Kollegen, die als ungelernte Arbeiter knapp über dem Mindestlohn bekommen (das Wort „verdienen“ verbietet sich hier) und die Inflation voll zu spüren bekommen aber sehr wohl.


Eine seit Jahrzehnten verfehlte Energie- und Klimapolitik, immer der Automobil- und Energielobby und deren Totschlagargument „Arbeitsplätze“ folgend hat uns in die Abhängigkeit getrieben, unter der wir jetzt leiden. Aktionistisch wird jetzt versucht die Lücken in der Energieversorgung zu schließen, wobei die Nachhaltigkeit mal wieder hinten anstehen muss.

Neulich hatte nahm ich an einer Ausschusssitzung im Amt bei Raumtemperaturen um 16° C  teil, während zeitgleich SUVs mit 220 km/h über unsere Autobahnen fahren. Übrigens hatten zwei ehrenamtliche Ausschussmitglieder nach dieser Sitzung eine Erkältung. Immerhin wurden sie nicht überfahren. Vielleicht sollte man die ehrenamtliche Arbeit verbieten, denn die scheint gefährlich zu sein.


Ja, das Ehrenamt bereitet mir wirklich viel Freude. Urdemokratisch, ohne jeglichen Fraktionszwang über Sachfragen zu entscheiden, Projekte gezielt und so unbürokratisch wie möglich voran zu bringen empfinde ich als sehr befriedigend und ich engagiere mich so gut es die Zeit zulässt. Ja, ich bin sehr dankbar, dass ich diesem Hobby in einem tollen Team nachgehen kann.


Dankbar bin ich auch für meine Familie. Wir haben einen Weg gefunden uns bei allem Zusammenhalt in jeder Lebenslage auch die Freiheiten zu geben uns persönlich entfalten zu können. Ich weiß wie wenig selbstverständlich das ist.


Beruflich übernehme ich mehr und mehr Verantwortung und entwickle mich auch in meinem hohen Alter weiter. Eigentlich wollte ich diese Verantwortung nach meiner Selbstständigkeit gar nicht mehr und ich habe nicht darum gebettelt. Schließlich bewegte ich mich vor sieben Jahren am Rande der Arbeitsunfähigkeit und hätte bei weiterem Zögern mehr als nur die Selbstständigkeit verloren. Noch jetzt spüre ich die Dämonen, die es mir zeitweise unmöglich machten auch nur die leichtesten Tätigkeiten auszuführen und mir ist klar, dass ich sie nie ganz loswerden kann. Nur gelingt es mir mittlerweile sehr gut sie in Schach zu halten. Dies verdanke ich meinem großartigen Umfeld und (ja ich bin stolz darauf) auch mir selbst.


Dieses Umfeld bestehend aus Familie, Arbeitskollegen, Fraktionskollegen, Freunden aus nah und fern prägt mich und manchmal gelingt es mir zu erkennen, wie sehr ich mich entwickle und manchmal habe ich sogar das Gefühl auch positiv auf dieses Umfeld einwirken zu können.

Ein Nachteil daran ein großes Umfeld zu haben ist, den ganzen Menschen nicht gerecht werden zu können. Manchmal bekommt man mit dem Hammer zu spüren, dass die auch nicht mehr möglich sein wird. Wie bei Hassan, Jörg, oder jetzt bei Thomas.


Als mir nach Hassans Tod die Bilder in die Timeline gespült wurden, auf denen auch ich zu sehen war ist mir erst so richtig klar geworden wie wenige Fotos dieser Art es mit Hassan gegeben hat, wie viel Glück ich hatte ihn zweimal in der Verfassung antreffen zu dürfen, die ihm unseren Besuch erlaubt hat und wie wenig ich bemüht war weitere Besuche folgen zu lassen. Schließlich hat man ja noch so viel Zeit, oder wie bei Hassan, Jörg und Thomas eben nicht.


Trotzdem ist es mir wichtiger die Begegnungen mit all den großartigen Menschen da draußen zu feiern, als verpassten Treffen hinterher zu trauern und so bin ich dankbar für die Möglichkeiten, die mir mein privilegiertes Leben einräumt.


Ja, ich gehe optimistisch ins nächste Jahr und das nicht nur, weil ich mit meiner Stadioncrew den Aufstieg unseres HSV feiern können werde, sondern weil ich davon überzeugt bin mit der Hilfe meines Umfeldes die anstehenden Herausforderungen meistern zu können.


Danke dafür.


Mittwoch, 5. Januar 2022

Rochade

Dr Thomas Wüstefeld übernimmt ab sofort die Aufgaben von Frank Wettstein. 
Nüchtern betrachtet vollzieht der HSV damit einen fälligen bis überfälligen Schritt, schließlich will und muss man über die kommenden sechs Monate hinausschauen und das traut man dem auf eigenen Wunsch ausscheidenden Wettstein nicht mehr zu. 
Dr Wüstefeld scheint in der Stadt und auch in der Finanzwelt gut vernetzt und dadurch als Kandidat durchaus geeignet zu sein. 

So weit so gut, doch wäre es nicht unser HSV, wenn es nicht ein Aber gäbe. 
Innerhalb eines Vierteljahres wurde Wüstefeld Anteilseigner, dann Aufsichtsratschef und jetzt schließlich Finanzvorstand der Fußball AG. Ein Ablauf der an Bernd Hoffmanns (Um-)Weg an die Spitze der Fußball AG erinnert. 
Zeitgleich zu Wüstenfelds Einstieg beim HSV kündigte Frank Wettstein an seinen Vertrag nicht verlängern zu wollen. 
Ein Zufall? 
Wohl eher nicht. 

Spätestens seit der Absetzung Hoffmanns im Frühjahr 2020 ist im HSV ein Kampf um Posten und Macht entstanden, der an die Zeit nach dem Aus von Dietmar Beiersdorf als Sportvorstand von 2009 erinnert. Denken wir nur an den Streit des EV-Vorstands über die Nachbesetzung vakanter Aufsichtsratsposten, der über den Misstrauensantrag aller Gremien gegen Thomas Schulz zum Rücktritt des gesamten Vorstands führte, oder die Nichtzulassung des Teams Bester/Müller/Wenzel zur Vorstandswahl im vergangenen August. 

Als Gewinner dieser Hamburg Edition von Game of Thrones kristallisiert sich Marcel Jansen heraus, der wie berichtet wird alle Posten nach seinen Wünschen besetzt hat und jetzt, sechs Wochen nach seinem Rückzug, wieder den Vorsitz des Aufsichtsrats übernimmt. 
Selbstverständlich nur kommissarisch, ebenso wie Dr Wüstefeld den Posten als Vorstand. 

Auf hsv.de ist zu lesen: „Uns ist bewusst, dass wir aufgrund der aktuellen Corona-Welle und ihrer Folgen erneut vor einer großen Herausforderung stehen. Die Konsequenzen werden weit in die Zukunft Auswirkungen haben, darum wollen und müssen wir den Club über den Sommer hinaus stabilisieren und die nächsten Entwicklungsstufen anpeilen“, sagt Dr. Thomas Wüstefeld. 
Hohe Ziele für ein Jahr kommissarischer Arbeit, wie ich finde. 

Ich möchte klarstellen, dass mir die internen Einblicke fehlen, um irgendjemanden etwas vorzuwerfen, das bisher Geschriebene gibt nur das wieder, was ich in den freizugänglichen Medien gelesen habe. Allerdings hätte ich mir gewünscht, dass die Vereinspolitik in den letzten zwei Jahren transparenter und nachvollziehbarer abgelaufen wäre. 
Ich hätte mir gewünscht, dass man den Mut hat im Aufsichtsrat eine konstruktive Opposition zuzulassen, um in einem demokratischen Prozess zum Wohle des Vereins zu entscheiden. 
Zum Wohle des Vereins… Das klingt wieder hoffnungslos naiv, doch wenn ich nicht mehr hoffen darf kann ich meine Mitgliedschaft auch gleich kündigen und dazu bin ich (immer) noch nicht bereit. 
So wünsche ich mir, dass meine Bedenken und Befürchtungen sich als falsch und überflüssig herausstellen werden und sich unser Verein durch die umsichtige Arbeit aller Verantwortlichen endlich in ruhigeres Fahrwasser begibt.


Apropos naiv: 
Herr Wüstefeld falls sie das hier lesen möchte ich ihnen anbieten ihr Stimmrecht als Anteilseigner im Hauptausschuss für sie zu übernehmen, falls sie ob ihrer Ansammlung von Ämtern im HSV mal der eine oder andere Gewissenskonflikt belasten sollte. Ich würde zwar nicht immer in ihrem Sinne, dafür aber nach Wissen und Gewissen in dem der AG abstimmen.
 

Nur der HSV

Freitag, 25. Dezember 2020

#HSVentskalender 2020

 Ach war das schön.

Zusammen mit Tanja und 24 Gästen durfte ich 24 HSV-Momente durchleben. Natürlich könnt ihr das alles auf meinsportpodcast.de nachhören. Wenn ihr dort nach dem HSVTalk sucht findet ihr auch viele weitere Episoden, bei denen sich das Nachhören eventuell lohnt.

Hier ist für den diesjährigen #HSVentskalender eine kleine Übersicht falls ihr eine Folge verpasst habt. Tür, Vorname Twitterhandle und Thema. Ich denke ihr kommt klar.

Auch hier möchte ich mich bei allen Gästen, die ihren HSV-Moment mit uns geteilt haben ganz herzlich bedanken. Natürlich gilt dieser Dank auch für alle Gäste der „normalen“ HSVTalks und ganz besonders für Tanja, ohne die es diesen Podcast gar nicht mehr geben würde.


Tür 1 Alex          @TrapperSeitenb      Hermann Rieger

Tür 2   Lars     @Herr Eberhardt     Kopenhagen

Tür 3   Nils     @Husmannismus     Mannheim

Tür 4   Ivo     @braze77             Skopje und München

Tür 5  Jörg     @tierimtor             Huub Stevens

Tür 6  Rollo     @Hallo_Rollo     Wolfsburg

Tür 7 Lars     @magicpogo     München 91

Tür 8  Nando     @fsantossilva     Gladbach 90

Tür 9 Henning     @henningknop             Man City 

Tür 10 Daniel     @JovanovDaniel     Zu Besuch bei Hrubesch

Tür 11 Sven     @Sky_SvenT     1860

Tür 12 Miguel     @MiKaguera     1. Relgation

Tür 13 Sven     @SveEhr             Uli Stein

Tür 14 Matthias     @yellowled             Montpellier

Tür 15 Sebastian     @wollfseb             Fürth

Tür 16 Lasse     @gestoertebecker     Magdeburg

Tür 17 Andreas     @sport_thies     van Nistelrooy

Tür 18 Sascha     @HerrMoosbach     Mannheim 84

Tür 19 Marcus     @scholle_1887             Real Madrid 80

Tür 20 Kai     @abknicker             Pagelsdorf

Tür 21 Tobias     @Yesrocks             Kaiserslautern 79

Tür 22 Tanja     @kuehles_Blondes     Frauenfußball

Tür 23 Timo     @moinmointimo             Abstieg

Tür 24 Florian     @nedfuller             Abschied


Viel Spaß beim Hören!

Sonntag, 5. Juli 2020

Fear of the dark

Genau vor einer Woche saß ich nach dem Frühstück auf der Terrasse und ließ meine Gedanken in Richtung des letzten Spieltags der Saison schweifen. Dachte an die Chancen, die eine erfolgreiche Relegation gegen grünweiß Weser böten, malte mir aber auch Szenarien des Scheiterns aus, dazu hörte ich etwas Musik und gerade als ich den Thread auf Twitter beenden wollte erklang aus der Bluetoothbox „Fear oft he dark“ von Iron Maiden. Die perfekte Untermalung für meine Gedanken.

Ein 1:5 gegen Sandhausen kam in meinen Gedanken jedoch nicht vor (ein Tor von Dennis Diekmeier dagegen schon). Natürlich kann man die zwei letzten Gegentore der Saison als Freakshow abtun, für den HSV waren sie typisch, führten sie doch auch dem letzten Betrachter die Hilflosigkeit von Mannschaft und Trainer vor Augen.

Hilflos war auch ich, sah mit zunehmenden Entsetzen dem Spielfilm #HSVSVS zu, die frühen Verletzungen, die Gegentore, der fulminant verwandelte Elfmeter, der doch ein Weckruf hätte sein müssen, dieser blieb aus, dann die erneute Verletzung, die Umstellung, der Elfmeter, die Freakshow, die Wut, die Leere, die Angst um den Verein, dazu die Schadenfreude, aber auch der Trost…

Drei Tage später nahmen Tanja und ich mit unserem Gast Sven Ehrich den HSVTalk Nachspielzeit auf und ich war selbst überrascht, wie gefasst wir waren, kaum Wut, die Enttäuschung zwischen den Sätzen versteckt und kaum Angst um den Verein. Zumindest kam diese nicht über unsere Lippen.
Und doch war, doch ist sie zumindest bei mir da.

Ich gehe den Weg des Vereins seit Jahren mit, auch wenn er mir oft nicht gefällt.
Ich spüre den Schatten der uns verfolgt, der uns vor sich hintreibt. Der uns auf dem unebenen Weg immer wieder straucheln lässt, die Hosen an den Knien längst zerrissen, den Blick viel zu oft nach hinten gerichtet, um den Hindernissen auszuweichen, die sich scheinbar von selbst vor uns errichten. Jedes Fünkchen Licht lässt uns den Kurs ändern, um ihm näher zu kommen, um den Schatten loszuwerden, der doch durch unseren Zickzackkurs immer schneller aufzuholen scheint.

Fear of the dark
Fear of the dark
I have a constant fear that something's always near
Fear of the dark
Fear of the dark
I have a phobia that someone's always there

„Da ist nichts!“ sagen wir immer wieder laut, auch wenn wir die Gegenwart des Schattens spüren, als könnten wir ihn durch einfaches Verleugnen loswerden, doch auch wenn wir es manchmal ganz nah an die Helligkeit heranschaffen, wird seine Präsenz dort, gleich einem Traum kurz vor dem Aufwachen, nur umso stärker. Und der Reflex ist immer der Gleiche. Wir blicken zurück, viel zu oft, wir lassen die Hindernisse vor uns aus den Augen, wir straucheln und bis wir uns wieder hochrappeln ist von dem Licht vor uns nur noch ein schwacher Schimmer zu erkennen.

Fear of the dark
Fear of the dark
I have a constant fear that something's always near
Fear of the dark
Fear of the dark
I have a phobia that someone's always there

Doch wir stehen noch, wir gehen weiter, wir folgen dem Licht, wir nehmen uns auch ganz fest vor, dass uns diesmal nichts und niemand von unserem Weg abbringt. Da ist nichts was uns verfolgt. Auch wenn wir glauben etwas zu spüren, Schritte zu hören, die uns eine Gänsehaut bereiten, die uns erschaudern lassen.
Da ist nichts, wenn wir nur fest genug an uns und unseren Weg glauben, wenn wir uns an den Händen halten und gegenseitig auf einander aufpassen, wenn wir die Hindernisse gemeinsam erkennen und aus dem Weg räumen.
Da ist nichts!

Fear of the dark
Fear of the dark
I have a constant fear that something's always near
Fear of the dark
Fear of the dark
I have a phobia that someone's always there

Dienstag, 21. April 2020

Footballfans at home


So manchmal überkommt es mich und dann muss ich mich einem Thema musikalisch nähern.
Als ich hörte, dass es eventuell schon ab Anfang Mai Geisterspiele geben sollte schoß mir die Zeile Footballfans at home durch den Kopf und von da bis zu dem Klassiker "Football's comming home" von Baddiel, Skinner & Lightning Seeds ist es nur ein kleiner Schritt.
Da ich nun leider nicht singen kann läuft das hier so: Ihr hört den Song und lest meinen Text dazu.
Viel Spaß






We stay at home
We stay at home
We are the
Footballfans at home
We stay at home
We stay at home
We are the
Footballfans at home
We stay at home
We stay at home
We are the
Footballfans at home
We stay at home
We stay at home
We are the
Footballfans at home

Die Liga legt einfach wieder los
Die DFL findet's gro-o-oß
Wirklich toll
Echt famos

Denn Hauptsache der Rubel der rollt
So hat's der Sponsor gewollt
Dem Respekt wird gezollt
Denn so gehört das

Geisterspiel auf Sky
Scheiß was auf Corona
Alle sind dabei
Shirts und Schienbeinschoner

So viele Tests für den Verein
Natürlich muss das sein
Alles klar
Alles fein

Denn schließlich regiert Geld diese Welt
Und die Welt braucht nen Held
Und der steht auf dem Feld
Und auch im Fersehn

Geisterspiel auf Sky
Scheiß was auf Corona
Alle sind dabei
Shirts und Schienbeinschoner

Sonntag, 1. März 2020

Trainer raus? Nein danke!


Was will man noch zu diesem HSV sagen?
Eigentlich ist jedes Wort eins zu viel und doch möchte ich zwei, drei Sachen anmerken.
Ich bin nach wie vor der Meinung, dass Dieter Hecking der richtige Trainer für den HSV ist und auch der Vorstand sollte das so sehen. Ob man dort allerdings stark genug ist, um erneut an einem öffentlich angezählten Trainer festzuhalten ist eine ganz andere Frage.
Ich habe tatsächlich geglaubt man hätte es geschafft dem HSV das Phlegma auszutreiben, das die Mannschaft(en) regelmäßig nach Scheinerfolgen, wie einem Derbysieg im letzten Jahr oder drei Siegen in Folge wie am Anfang von diesem, befällt zu befreien.
Da habe ich mich wohl getäuscht.

Es ist wieder sehr leicht geworden gegen den hochgelobten HSV zu spielen, Hannover hat es vorgemacht. Hart, konsequent und mutig zu spielen langt um den Rothosen den Schneid abzukaufen, es scheint sowohl an körperlicher als auch an mentaler Stärke zu fehlen um einen Kampf anzunehmen, einzig der Wille ist dem Team nicht abzusprechen, die Möglichkeit zur Umsetzung sucht man jedoch vergebens. Auf die Blaupause des Hannoverspiels griffen auch Pauli und Aue zu. Erschreckend, dass der HSV aus diesem Spiel nichts gelernt hat. Gegen Pauli kam man noch stark ins Spiel bevor man den Zugriff auf dieses verlor, in Aue langte es nur noch zu brotlosem Ballbesitz.
Wie schon im Herbst werden kaum noch Chancen herausgespielt und die wenigen Möglichkeiten werden meist kläglich vergeben. Hinzu kommen zunehmende Unzulänglichkeit im Aufbauspiel und haarsträubende Fehler im Defensivverhalten. Kurz gesagt, es passt hinten und vorne nicht mehr.

Eigentlich spricht die Entwicklung für einen Trainerwechsel, nur fehlt mir der Glaube an einen positiven Effekt dieser Maßnahme. Auch würde ich es begrüßen die kontinuierliche Entwicklung eines Kaders zu verfolgen, selbst wenn das ein weiteres Jahr 2.Liga bedeuten würde.
Man darf nicht vergessen, dass das ewige Versuchen kurzfristige Ziele zu erreichen uns in die Lage gebracht hat, in der wir uns befinden. Sportlich und wirtschaftlich.
Allerdings müsste man das Vorhaben der kontinuierlichen Entwicklung offensiv kommunizieren, kein sprichwörtliches Blatt Papier dürfte zwischen die handelnden Personen passen, auch wenn die von außen hereingetragene Unruhe größer werden sollte. Das wäre dann der Moment der Reifeprüfung für Hoffmann und Boldt, der Moment wo sie zeigen können, dass ihre Pläne mehr als Lippenbekenntnisse sind.

Es bleibt spannend beim HSV!

Mittwoch, 29. Januar 2020

Der Glücksjäger

Ich habe mich vor einigen Jahren (es sind fast zehn!) mal daran versucht klassische Gedichte auf den Fußball umzuschreiben. Auf eines dieser (Zwergen-) Werke bin ich gerade gestoßen und fand es zum Löschen zu schade, darum stelle ich es in den Blog und damit euch zur Verfügung.

Für den Glücksjäger diente Goethes Der Schatzgräber als Vorlage.
Übrigens habe ich damals keine bestimmte Person als Vorlage genommen.



Der Glücksjäger

Arm am Beutel, krank am Herzen
Nur Durchschnitt die Karriere war
Kennt mich kein Mensch mehr, die Gefahr
Weg vom Fenster sein ist groß
Wahrlich würd dies Schicksal schmerzen
Ging ich Trainerschein zu machen
Niemals macht ich halbe Sachen
Nie froh mit der Hälfte bloß

Und so zog nach Köln am Rheine
Vom DFB ins Institute.
Wo mein Wissen kommt zu gute
Mir und noch mehr beigebracht
Auf die harte und gemeine
Angebrachte Art und Weise
Meistens laut und selten leise
Gelernt gebüffelt Tag und Nacht

Geprüft, bestanden, wieder frei
Motiviert voll Tatendrange
Sucht ich eine Stelle lange
Bis das Glück kam doch zu mir
Es war wie des Kolumbus` Ei
Als der Posten zugetragen
Braucht man mich nicht lange fragen
Unterschrieb ich das Papier

Alte satte Spielerbeine
Auf Trab zu bringen ist das Ziel
Drum ran ans Werk, will schaffen viel
Anwenden das Wissen neu
Wohl von Stadt und von Vereine
Denen ich hab zu verdanken
Viel, drum weis ich in die Schranken
Jene deren Herz nicht treu

Doch Spieler die ich aussortiert
Haben Lobby im Vereine
Von hinten rum, auf gemeine
Art sie bringen Misskredit
Feixen gänzlich ungeniert
Über Kollegen Niederlage
Das man mich zu Grabe trage
Nur noch als Verlierer sieht

Samstag, 20. Juli 2019

Saisonstart 2019

Es war einmal ein großer Verein, vielleicht sogar ein reiner Weltverein, der sich nach vielen Erfolgen einer großen Ära zu einem solchen ausgerufen hat. Als sich dieser Verein über10 Jahre nach dem letzten wichtigen Erfolg eine neue Spielstätte erschaffen hat schien es, wie zuvor auch, nur eine Frage der Zeit zu sein, bis man an die Erfolge des goldenen Zeitalters anknüpfen würde und entsprechend selbstbewusst stattete man das neue Stadion aus.
Da war die einmalige Stadionuhr, die jedem der es wissen wollte, aber vor allem auch all denen die es nicht wissen wollten unter die Nase rieb, dass man das einzige Gründungsmitglied der Bundesliga war, das nie abgestiegen ist. Unterstrichen wurde dieses Novum mit dem neuen Maskottchen. Die Hummel (die nie wirklich angekommen ist) wurde kurzer Hand durch den Dino Hermann abgelöst, welcher bei den jungen, aber auch bei vielen älteren Fans sehr beliebt ist.
So ernannte man sich selbst zum Dinosaurier, dem letzten Überlebenden der Vorbundesligazeit ungeachtet des Schicksals welches  die Dinos in freier Wildbahn ereilte.
Als Vereinshymne diente Hamburg meine Perle von Lotto King Karl, einem echten Fan (das meine ich wörtlich), der beim Wechsel des Medienpartners von Radio Hamburg zum NDR auch Stadionsprecher wurde und der mit seiner Perle zum Stadionerlebnis des Dinos gehörte und dessen Stadionhymne zu den bedeutendsten des Kontinents gezählt wurde.

Alles war auf eine Rückkehr an die Spitze der Liga oder gar des Kontinents ausgerichtet, jedoch wurden wie so oft die größten Fehler beim Erreichen des Teilerfolgs gemacht. Fehler, die ebenso wenig korrigiert wurden wie das Selbstbildnis. Der letzte Dinosaurier war immer noch ein schlafender Riese, der darauf wartete wachgeküsst zu werden und geküsst wurde er von Präsidenten, Managern, Trainern, Spielern und Förderern, die sich auf dem Weg zum Kusse die Klinke des Volksparks in die Hand gaben, der erst zur Intensivstation und schließlich zum Hospiz für das dahinsiechende Urzeittier wurde.
Aus den Titelambitionen von einst wurde die Unabsteigbarkeit zur neuen Tradition auserkoren in jedem Spiel klang „Sechsmal deutscher Meister, dreimal Pokalsieger, immer erste Liga, HSV“ durch das stets gut gefüllte Rund im Volkspark. Das Dinotum wurde zum Heiligtum. Die Uhr zur Reliquie und die Hymne wollte irgendwie nicht mehr passen. Mitgesungen wurde nach wie vor, doch suchten sich die Fans mit „Mein Hamburg lieb ich sehr“ einen Song aus, der ihre Stimmung so viel besser wiedergab.

Es kam so wie es kommen musste, nach langen Jahren des Überwasserhaltens war es aus mit der Unabsteigbarkeit, die Uhr verlor ihre Daseinsberechtigung und Lottos Perle wirkte vom Text her wie ein Fremdkörper im tristen Unterhausdasein, nur Hermann, der letzte Dino erfreute sich weiterhin seiner Beliebtheit bei jung und alt.
Trotzdem ließ man (abgesehen von einer kosmetischen Korrektur beim Zeiteisen) alles beim Alten, schließlich, so dachte man, war man einem Betriebsunfall zum Opfer gefallen und nach Behebung dieses Unfalls würde man auf dem Weg zu alter Bedeutung auf die Utensilien zurückgreifen wollen.

Nur hatte man es nicht mit einem Betriebsunfall zu tun.
Die Situation des Sommers 2018 hat man sich über eine Dekade hinweg hart erarbeitet. Selbstüberschätzung, mangelnde Kompetenz, Überheblichkeit und Fehlentscheidungen auf allen Ebenen ebneten den Weg ins Unterhaus und auch dort angekommen war man nicht in der Lage gegenzusteuern.
Man ging mit einem Trainer in die Saison, an dem man nicht glaubte, weil man niemanden die Entlassung des Sympathieträgers hätte verkaufen können. Dann gab man diesem den jüngsten Profikader der aktuellen Saison an die Hand und wartete ab, bis man die Saisonziele als gefährdet einstufen konnte, um den Trainer entlassen zu können, ohne selbst Schaden zu nehmen.

Der neue Besen, jung aber aufstiegserfahren, bekannt als Experte im TV übernahm den Kader, änderte Kleinigkeiten und holte Punkte, ohne gut spielen zu lassen. Die Leistungssteigerung sollte nach der Wintervorbereitung erfolgen und die Ausgangsposition war so gut, dass man den Kader unverändert ließ.
Aus der Leistungssteigerung wurde nichts und trotzdem ließ man sich vom Erreichen des Pokalhalbfinales und vor allem vom Derbysieg blenden. Es wurden Spieler ins Schaufenster gestellt, die verkauft werden sollten und damit in das Leistungsprinzip eingegriffen, dazu kamen die Verletzungen des Kapitäns, der allerdings schon seit Jahren als wandelnde Belastungssteuerung bekannt war. Kurz gesagt das Mannschaftsgefüge brach auseinander, dies war für jeden ersichtlich, nur die handelnden Personen handelten eben nicht.
Ach ja, das Saisonziel wurde verfehlt.

Im Sommer 2019 ging nun die Angst um, dass aus „Unabsteigbar“ binnen zwei Jahren „Unaufsteigbar“ die neue Tradition des großen Vereins mit der Raute werden könnte und man tat, was man halt tut, wenn den Verantwortlichen beim HSV die Muffe geht:
Man wechselt das Personal aus!
Da die Idee aus jungen Spielern mit Steigerungspotential eine schlagfertige Truppe zu schaffen offensichtlich nicht zum Erfolg führte, setzte man in Sachen Trainer und Kader jetzt auf Erfahrung. Umgesetzt wird der Umbau vom letztjährigen Wunschkandidaten des Vorstandsvorsitzenden, dem es seiner umstrittenen Ernennung zur Nummer Eins im Verein zum Trotz gelingt seine Hausmacht immer weiter auszubauen. So wurde für seinen ehemaligen Vize ein weiterer Posten im Aufsichtsrat geschaffen, der eigentlich nicht vorgesehen war.

Dennoch galt es Zeichen zu setzen. Es gab ein Statement der Numero Uno, dass die Situation angenommen werden müsse und das Gestern egal sei, passend dazu wurde die Uhr abmontiert und als sich die kritischen Stimmen zur Stadionhymne mehrten, wurde auch diese abgesetzt, natürlich nicht ohne streuen zu lassen, dass diese ein Teil der Stadionshow des Medienpartners sei, schließlich will man ja niemanden verprellen.
Außer halt Lotto und Pape, mit denen man sich bestimmt auf einen angemessenen Abgang hätte einigen können, wenn man es denn versucht hätte…

Ich habe die Befürchtung, dass die gesetzten Zeichen Muster ohne Wert sind, zu viele Kurse hat man in der letzten Dekade eingeschlagen, ohne das zu ändern worauf es ankommt: Die eigene Denkweise.
Noch immer glaubt man hohe Saisonziele ausgeben zu müssen, weil man dem zahlenden Publikum halt nichts anderes verkaufen kann und trifft Entscheidungen aus dem selben Grund. Man verpflichtet neue Spieler, obwohl ihre Vorgänger noch da sind. Man entlässt kritisch denkende Mitarbeiter und schafft Posten für Buddies. Man freut sich über den Andrang auf Dauerkarten, hat es aber nicht nötig auf Änderungswünsche von Fans zu reagieren.

Ja, die Zeichen zu setzen ist wichtig und ich halte diese Entscheidungen auch grundsätzlich für richtig, nur würde ich sie gerne als Boten einer Veränderung, einer längst fälligen Erneuerung sehen, nur vermag ich diese nicht einmal am fernen Horizont zu erblicken. Darauf den Kindern den geliebten Dino zu nehmen hat man mit Recht verzichtet, aber aus den Köpfen der Verantwortlichen muss der Dino endlich raus!

PS: Auch ich lag mit vielen Einschätzungen falsch, habe Hoffnungen in Personen gesetzt, die dann Enttäuschten, habe mich blenden und hinters Licht führen lassen und vielleicht haben mich diese Erfahrungen überskeptisch, oder gar zynisch werden lassen. Nur zu gerne würde (und werde) ich meinen Irrtum eingestehen, wenn sich meine Einschätzungen denn als falsch herausstellen würden, ich hoffe sogar das tun zu müssen, daran glauben mag ich nicht.

Donnerstag, 13. Juni 2019

Auf ein Neues, auf ein Altes


Vor vier Wochen zog ich mit einem Moin HSV und jeder Menge guter Ratschläge in den Volkspark und tatsächlich ist seit dem viel passiert. Einiges war vorhersehbar, einiges neu und vieles halt so wie immer.
Vor dem Saisonabschlussspiel gegen Duisburg sagte mir ein befreundeter Ex-Profi ich solle mal aufpassen, wer sich bei dem Spiel alles verpissen würde. Als ich die Aufstellung sah, habe ich mir meinen Teil gedacht, möchte aber diese Gedanken nicht laut aussprechen, da ich mich damit auf das dünne Eis des Spekulierens begeben würde.

Dreinull war das Ergebnis der Abschlusspartie welche von den Duisburgern nur zu leicht hergeschenkt wurde. Trotzdem war es angenehm sich so einen Sommerkick anzusehen.
Für manche Zuschauer führte die Aufstellung zu einem Problem, denn nur zu gerne hätte man die Spieler ausgepfiffen, doch waren die, die da unten spielten nicht die, die die Pfiffe verdienten,
Für mich war das der Hauptgrund warum Gotoku Sakai die Wut der „Fans“ zu spüren bekam, steht er doch als ehemaliger Kapitän und erhoffter Leistungsträger sinnbildlich für den Niedergang des HSV.
Natürlich ist mir klar, dass man Sakai, der immer vorbildlich gekämpft hat schlechtesten Falls eine Mittäterschaft vorwerfen kann und dass vor ihm noch ganz andere zur Verantwortung gezogen werden müssten. Nur mussten sich diese nicht dieser Überflüssigen Einwechselung aussetzen.

Trainer raus, Manager raus – Alles wie immer halt und wie fast immer haben diejenigen, die sich für den Verbleib der beiden ausgesprochen haben die schlechteren Argumente. Zu eklatant war die Fehleinschätzung bei der Beurteilung der Hinserie, zu offensichtlich die Hilflosigkeit in der Rückrunde. Wieder einmal waren zwei absolute Fachleute am HSV gescheitert.

Geblieben ist Finanzchef, der einmal mehr das kleine Wunder Lizenz ohne Auflagen vollbracht hat und geblieben ist auch Bernd Hoffmann, dieser sitzt dank der Aufstockung des Aufsichtsrats auf sieben Personen und damit der Berufung seines einstigen Vizes Thomas Schulz fester denn je im Sattel, was seine Anhänger erfreut, mich aber fassungslos zurück lässt, ist der kontinuierliche Ausbau einer Hausmacht doch ganz bestimmt nicht das Zeichen einer Erneuerung im Verein. Habe ich noch Verständnis dafür, dass der zweitgrößte Anteilseigner seinen Mann im AR bekommt, kapiere ich nicht warum das auch für den Vorstandsvorsitzenden der AG so umgesetzt und vom Beirat durchgewunken wird.

Wenn Bernd Hoffmann von einer Erneuerung des HSV spricht, predigt er meiner Meinung nach Wasser, während er Wein trinkt. Wenn als Zeichen nach außen die Uhr abgebaut wird kommt es mir vor als würde Hoffmann „Mein Hamburg wie lieb ich dich“ singen.
Ich nehme ihm schlicht und ergreifend nicht ab, dass er alles dafür tut um den Verein neu aufzustellen, vor allem nicht wenn das Alles mit seinen eigenen Interessen zu kollidieren droht.
So, wie die Spitze des Vereins momentan aufgestellt ist wird es keine grundlegende Erneuerung des HSV geben. Traurig aber wahr.
-        Der HSV verpflichtet seinen Wunschkandidaten Jonas Boldt als Sportdirektor
-        Der HSV verpflichtet einen sehr geerdet wirkenden Dieter Hecking als Trainer
-        Über 21.000 HSVer haben ihre Dauerkarten verlängert
Nein, nicht alles ist schlecht beim HSV!


Bitte hört mal in das Gespräch von Daniel Jovanov mit Horst Hrubesch und Holger Hieronymus rein,
da wird vieles klar, was ich hier nur andeute.

Sonntag, 19. Mai 2019

Moin HSV

Moin HSV,
wir haben Sonntag, den 19.5.2019 10.30 Uhr und ich bereite mich gerade darauf vor in zwei Stunden in Richtung Volkspark zu fahren, um mir das Spiel gegen Duisburg anzusehen.
Du wirst mir nachsehen, dass sich meine Vorfreude auf ein Minimum reduziert hat, aber dafür hast du ja in den letzten Jahren selbst gesorgt, obwohl du das ja nicht warst, schließlich kann man der Titanic auch keinen Vorwurf machen, dass sie den Eisberg gerammt hat. Dieser Fakt ist auch der, der mich weiter in den Volkspark pilgern lässt, überhöhten Eintrittspreisen, überzogenen Erwartungen und untauglichen Leistungen zum Trotz.
Du, lieber HSV bist halt größer, als die, die dich in Richtung Eisberg steuern.

Ich frage mich seit Jahren schon wer was machen kann, damit es dir wieder besser geht, ich war sogar bereit meinen eigenen Einfluss zu begrenzen, damit du gesunden kannst. Im Nachhinein war dies eine Fehleinschätzung, da die neuen Kapitäne vielleicht ein Segelboot, oder einen Fischkutter, aber auf jeden Fall keinen Luxusliner steuern konnten.
So kollidierte man wie eh und je mit jedem Hindernis, das auf dem weiten Ozean zu finden war und holte sich Beule um Beule ab. Für viele kam der Abstieg vor einem Jahr dem Anlaufen eines Trockendocks gleich, wo es eine Grundüberholung unserer MS Dino geben könnte.
Weit gefehlt. Der Dino ist über dem Stand an dem er zu heilen gewesen ist längst hinaus und die Maßnahmen, die ergriffen wurden waren lebensverlängernd, trugen aber nichts zur Gesundung bei.

Und jetzt?
Jetzt könnten wir alle, die dich seit Jahren oder gar Jahrzehnten begleiten Trauer tragen und dich zu Grabe tragen, oder du nimmst deine letzte Kraft zusammen und schüttelst dich so kräftig, dass all das, was dich ein Dino sein ließ von dir abfällt.
Ja, ein Lotto King Karl ist ein wahrer Fan. Doch wie will man einem Verein abnehmen, dass er die zweite Liga ernst nimmt, wenn dort vor jedem Spiel davon gesungen wird, wie man den Bayern die Lederhosen ausziehen will?
Ja, Tradition ist wichtig und ein wesentlicher Teil von dir, schließlich hat man ihr zu Ehren ein Museum im Stadion eingerichtet, warum zur Raute hat man dann die vermaledeite Dinouhr nicht einfach abgebaut und eben dorthin verfrachtet? Wenn das Museum zu klein ist wird sich schon ein passender Platz finden.
Ja, das Dinodasein ist beendet und wird so lange nicht wiederkommen bis Zombies Realität werden, aber einen Zombiedino will hier doch nun wirklich auch niemand sehen.

Notgedrungen müssen neue Wege beschritten werden, um dich mein HSV (nicht den Dino) retten zu können. Jetzt ist es allerhöchste Zeit auch zu zeigen, dass man diese mit aller Konsequenz  verfolgt und zwar zeigen nach innen und nach außen!
Von mir aus kann für den Umbau des Museums noch einmal kräftig Geld in die Hand genommen werde, damit man auch wirklich alle Reliquien der Dinozeit dort unterbringen kann, denn:

Der Dino ist tot, lang lebe der HSV!

Samstag, 13. April 2019

Tschüß HSVTalk

Seit ich nicht mehr podcaste und auch kaum noch blogge hat sich mein Verhältnis zum HSV schon ziemlich verändert, oder vielleicht podcaste und blogge ich nicht mehr, weil sich mein Verhältnis zum HSV geändert hat.
Wenn ich mal ehrlich bin, wäre der Zeitaufwand für einen HSVTalk durchaus überschaubar, egal oder dieser monatlich, oder auch wöchentlich erscheinen würde und wenn es denn wirklich mal knapp würde könnte ich mir auch jemanden ins Boot holen, um mich zu entlasten.
Nein, den Zeitaufwand habe ich nur als nachvollziehbares Argument vorgeschoben, auch wenn es teilweise nicht leicht war den inneren Schweinehund zu überwinden.

Jahrelang habe ich mich auf jede Neuigkeit, jede Randnotiz und jedes Gerücht gestürzt, schließlich hielt ich es für meine Pflicht immer auf einem aktuellen Stand zu sein, wenn eine weitere Sendung aufgenommen wurde. Wurde ich während eines Talks mal von News überrascht, war es mir sehr unangenehm. Pflicht und so…
Gerade im Off, nach den Sendungen plauderten viele Gäste aus dem Nähkästchen und so erfuhr ich Dinge über den Verein, die ich als Fan eigentlich gar nicht wissen wollte. Natürlich war es auch faszinierend einen Blick in den Kaninchenbau zu riskieren, doch hat dieser Blick auch viel von der Leidenschaft und Freude den Verein als Fan zu begleiten genommen.

Ich war davon überzeugt, dass die Ausgliederung 2014 die einzige Chance zur Erneuerung des Vereins war, der Weg aus Filz, Muff und Vereinsmeierei. Auch heute noch bin ich davon überzeugt, nur weiß ich jetzt, dass sie vertan, oder besser verschleudert wurde.
Im Prinzip war es wie immer. Personen, die an chronischer Selbstüberschätzung litten fuhren den Wagen mit Vollgas Richtung Wand, nur das diesmal neben den altbekannten „vereinsnahen Kreisen“ auch noch der Geldgeber versuchte den Kurs zu beeinflussen.
Das Ergebnis ist bekannt.

Die Art und Weise, wie sich Bernd Hoffmann an die Spitze der AG manövriert hat machte bei mir den Rest Hoffnung auf Veränderung kaputt. Ich weiß nicht zu hundert Prozent, ob er vor seiner Wahl zum Präsidenten des eV das Amt des Vorstandsvorsitzenden der AG angestrebt hat, bin mir aber sicher, dass er den maximalen Einfluss auf das Profigeschäft wollte und diesen hat er jetzt.
Daher ist und bleibt er für mich auch der Lügenbernd. Der Umgang mit den Anteilen des eV und deren weiteren Veräußerung bestätigte mich in meiner Einschätzng. (Nein, ich traue Thomas Schulz keine eigene Meinung zu)
Natürlich finde ich auch richtig, dass momentan Schritte in Richtung wirtschaftlicher Vernunft bei Verträgen und Ablösen gegangen werden, nur muss mir niemand erzählen, dass dies freiwillig, oder gar aus Überzeugung getan würde. Es gibt einfach keine andere Möglichkeit mehr und es wird auch auf absehbare Zeit keine mehr geben.

Wenn die Mannschaft, wie in den letzten Ligaspielen hinter jeglichen Erwartungen zurückbleibt denke ich reflexartig an die Treuebekenntnisse von Hoffmann und Becker in Richtung Trainer, der es meiner Meinung nach in keinster Weise geschafft hat seine Spieler weiter zu entwickeln und von dieser Einschätzung bringen mich auch die guten Spiele gegen Pauli und Paderborn nicht ab.
Dieser ganze Stadtmeisterquatsch erinnert mich eh nur an die Unabsteigbarfarce.
Man sucht sich irgendetwas um dies abfeiern zu können und reduziert damit die Kraft und Fokussierung auf die anstehenden Ziele.

Lese ich wie heute in der Mopo eine Aussage von Mangala:
„Ich denke, dass wir uns zuletzt zu sehr das Spiel des Gegners haben aufdrängen lassen. Wir müssen wieder mehr unser eigenes Spiel durchdrücken, denn wir sind stark. Wir brauchen wieder eine breitere Brust.“
Denke ich, dass sich da auch der Trainer nicht aus der Verantwortung ausschließen kann, ausschließen darf. Auch wenn letztlich die Spieler liefern müssen, ist es am Trainer durch Aufstellung und Auswechselungen Einfluss auf das Geschehen auf dem Platz zu nehmen.
Damit sage ich nicht, dass es unter Christian Titz oder Markus Gisdol besser stünde, Kritik am Trainer des Rückrunden elften darf aber wohl erlaubt sein. Auch von einem Fan.

Vielleicht kann der Leser erkennen, dass mir der HSV noch lange nicht egal ist, ich gehe nach wie vor ins Stadion und bin am nächsten Tag mit angeschlagenen Stimmbändern wieder auf der Arbeit. Dies übrigens vom Unterstützen und nicht vom Meckern.
Ich befasse mich auch weiterhin gedanklich mit meinem Verein, dies allerdings nicht aus Pflichtgefühl, sondern nur noch weil und wann ich  es will. Auch war ich bei der HSV-MV und werde wahrscheinlich auch beim nächsten Mal dort sein.
Nur will ich nicht mehr darüber reden. Zumindest nicht in meinem eigenen Podcast.

Ich werde in Kürze  die HSVTalk Accounts bei Twitter und Facebook löschen und möchte mich heute noch einmal bedanken.
Bei den 70 Gästen, die die 145 HSVTalks ermöglicht haben und die mir technische Pannen und moderative Unzulänglichkeiten verziehen haben. Die Gespräche mit euch habe ich immer genossen, sie waren mein eigentlicher Antrieb und haben mir den Entschluss aufzuhören so schwer wie möglich gemacht.
Bei meinen/unseren Hörern für die Treue und auch für das Feedback, das ich bekommen habe. Ich hätte gerne mehr von euch persönlich kennengelernt.
Beim Team von meinsportpodcast.de, bei Thomas der mir das Pocasten zugetraut und ermöglicht hat, bei Robert der mir durch manchem technischen Engpass geholfen hat, bei Malte und Andreas für ihren stets geduldigen Support, bei den ganzen Podcastkollegen, die viel mehr als nur Kollegen für mich sind. Danke auch dafür, dass ihr mir die Tür so lange offen gelassen habt. Ich freue mich darauf euch hoffentlich bald einmal wieder zu sehen.
Last but not least einen herzlichen Dank an meine Familie, die mich nicht nur machen ließ, sondern mich bei meinem Tun auch immer unterstützt hat.

Tschüß und
Nur der HSV!

Samstag, 27. Oktober 2018

Ausgetitzt

Anfang dieses Jahres hatte der HSV ein ganz anderes Gesicht als heute. Jens Meier war Präsident des eV, Heribert Bruchhagen Vorstandsvorsitzender der AG, Karl Gernandt stand dem Aufsichtsrat vor, Todt war Sportchef, Peters Direktor Sport und und und. Seit dem blieb mal wieder kein Stein auf dem Anderen. Halt: Frank Wettstein ist noch Finanzvorstand. Warum auch immer.
Auf der denkwürdigen MV wählte die hauchdünne Mehrheit der anwesenden Mitglieder Bernd Hoffmann zum neuen Präsidenten des eV. Die Zerrissenheit der Mitgliedschaft drückt sich in armseligen Kundgebungen beider Lager aus und der Zustand des Vereins spiegelte sich in den uninspirierten Auftritten der Hollerbachelf auf dem Rasen wieder und auch die treuesten der Fans hatten ob der Performance von denen da oben und da unten die Schnauze voll.
Mal wieder!

Die Ablösung von Bruchhagen und Todt, die schon lange resigniert hatten und diese Resignation deutlich sichtbar mit sich herum trugen war so folgerichtig, wie die von Siebenspielebernd. Das Zeichen war klar. Bernd Hoffmann, dem der eV weitestgehend egal war und der zum neuen starken Mann im Aufsichtsrat aufgestiegen war wollte und würde handeln. Da er schon das Heft des Handelns in der Hand hielt, machte man ihn erst zum provisorischen und alsbald zum bestellten Vorstandschef der AG. Wozu er sich notgerungen auf Grund mangelnder Alternativen bereit erklärte, denn angestrebt hatte er diesen Posten ja nie.

Doch ich schweife ab. Eigentlich wollte ich doch nur die Situation schildern, in der Christian Titz die Chance bekam die Profimannschaft zu übernehmen. Ein Pulverfass, Sekunden vor der Explosion ist das Bild, welches den Zustand meines Vereins im Frühjahr am besten beschreibt.
Titz war kein Feuerwehrmann, sondern das Bombenräumkommando und ich mag mir bis heute noch nicht ausmalen, was aus dem HSV in den Folgemonaten geworden wäre, wenn Titz dem Dino nicht dieses Facelifting verpasst hätte, auf das wir Fans (oder zumindest ich) doch schon so lange gewartet haben.

Auf dem Feld eine eigene Spielidee, mutig und gegen jeglichen Trend auf Ballbesitz und nicht auf Spielzerstörung setzend, der Einsatz von jungen Spielern, nicht aus der Not geboren, sondern als bewusst gewähltes Stilmittel, Aussortierung derjenigen, die nicht mitgehen wollten ohne Rücksicht auf Namen und rasche Begnadigung derjenigen, die sich überzeugen ließen.
Neben dem Platz ein offener Umgang mit Medien und Fans, sowie ein sympathisches Auftreten in der Öffentlichkeit.
Und dann war auch noch erfolgreich. Mehrmals fragte ich mich, ob das denn noch mein HSV sei…

Es war mein HSV. Schon früh beschlich mich das Gefühl, dass Bernd Hoffmann und später auch Ralf Becker nicht von Christian Titz und seiner Art Fußball zu spielen überzeugt waren. Bernhard Peters, der große Fürsprecher von Titz hat sich mit seiner öffentlichen Bewerbung für den Posten des Sportdirektors zur Persona non grata gemacht, wobei ich der unbewiesenen Überzeugung bin, dass ganz andere Beweggründe hinter seiner Entlassung standen. Sei es wie es ist, Titz fehlte die Rückendeckung im Verein und schnell kehrt die wohlbekannte Unruhe in den Volkspark zurück.

Wenn Entscheidungsträger zu der Überzeugung gelangt sind, dass die Zusammenarbeit mit bestimmten Personen nicht länger zielführend ist haben sie die Pflicht sich von diesen zu trennen!
Ralf Becker war dieser Überzeugung und hat entsprechend gehandelt.
Ob man Bernhard Peters vorzeitig entlassen musste (jaja einvernehmliche Trennung…) und ihm das fürstliche Gehalt weiterzahlt ohne dafür eine Gegenleistung zu bekommen vermag ich nicht zu beurteilen und doch habe ich das Gefühl man hätte im Sinne des Vereins auch anders entscheiden können.
Bernhard Peters hat sich in seinen vier Jahren beim HSV oft unbeliebt gemacht, sein stringentes Auftreten hat so manchen Kollegen vor den Kopf gestoßen und zu einigen Trennungen geführt, doch hatte ich (aus großer Entfernung) immer das Gefühl, Peters würde ein Ziel verfolgen konsequent und ohne die Angst anzuecken. Und genau das war seine Aufgabe und genau die hat er erfüllt. Hätte ein Beiersdorfer nur etwas mehr von diesem Auftreten und dieser Geradlinigkeit gehabt würde es um unseren Verein ganz anders stehen.

Christian Titz hat es nicht geschafft die richtige Mischung zwischen Offensive und Defensive herzustellen. Ob er es noch hinbekommen hätte werden wir jetzt nicht mehr erfahren. Tatsache ist, dass Ralf Becker es ihm nicht mehr zugetraut hat.

Ich wollte, dass er es schafft.
Nicht in dem Sinne, dass mein Verein Erfolge feiert und aufsteigt, sondern dass mein Verein mutig bleibt, auf junge Spieler setzt, gemeinsam Krisen übersteht und etwas entwickelt das Bestand hat.
Ja, Titz hatte nach Regensburg vier Spiele Zeit die Balance zu finden, während dieser Zeit wurde Peters entlassen und mit dem Nachfolger von Titz verhandelt.
Natürlich hat die Vereinsführung die Pflicht einen Plan B in der Tasche zu haben, falls gewisse Entwicklungen ausbleiben, doch hätte Hoffmann mit der gleichen Intensität einen Nachfolger für Bruchhagen gesucht, wäre er heute noch Aufsichtsratschef und Vereinspräsident.

Ich habe gehofft, dass mich mein Gefühl trügen würde und mancher HSV-Fan sagte mir, dass Becker doch eigentlich Titz-Fan sei und diesen schon nach Kiel holen wollte.
Leider behielt ich recht. Titz hatte nur die Chance als Solist (mit dem Trainerteam) Erfolg zu haben. Eine denkbar schlechte Voraussetzung. Auch habe ich das Gefühl(!), dass unser zurückgekehrter Heiland es nicht ganz so gern hat, wenn sein Licht überstrahlt wird.

Auf jeden Fall habe ich Freitag den Siegtreffer in Magdeburg emotionslos erlebt, auch schon unter der Woche habe ich entgegen meiner sonstigen Gewohnheit Unterhaltungen über den HSV abgewürgt, bevor ich Stellung beziehen musste.
Ja, irgendwas ist in mir erloschen, wie ich damit umgehe und ob das nur vorübergehend ist weiß ich selbst noch nicht. Rückblickend denke ich, dass die Situation um Titz auch dazu geführt hat, dass es in letzter Zeit kaum einen HSVTalk gab.
Mein Vertrauen in die Führung der AG ist jedenfalls komplett erloschen und Hannes Wolf ist für mich ein guter Trainer, der vielleicht einen Tick zu oft lächelt um authentisch zu wirken, doch vor allem ist er eines: Austauschbar.

Christian Titz hingegen hat für den HSV mehr getan, als jeder Trainer, jede Einzelperson vor ihm. Er hat ihn gerettet. Nicht vor dem Abstieg, aber vor der Selbstzerfleischung und dafür werde ich ihm ewig dankbar sein!

Donnerstag, 4. Oktober 2018

Götterdämmerung?

Ich kann kaum in Worte fassen, wie dankbar ich Christian Titz dafür bin, dass er wesentlich dazu beigetragen hat den HSV in Würde absteigen zu lassen!
Bis heute mag ich mir nicht vorstellen, was im und um den Volkspark herum passiert wäre, wenn Hollerbach oder ein anderer Verwalter des Missstands die letzte Saison zu Ende trainiert hätte. So habe ich die -vorerst- letzten Erstligaspiele sogar genießen können.
Was haben wir gestaunt, wie die Mannschaft gegen Hertha in der ersten Halbzeit aufgetreten ist, wie laut haben wir „Immer wieder HSV“ und „Mein Hamburg lieb ich sehr“ gesungen, als der Abstieg dann besiegelt war. Undenkbar, dass wir dies hätten erleben dürfen, wenn die Konstellation auf der Bank eine andere gewesen wäre.

Es folgte eine Sommerpause, in der mit Augenmaß am Kader gearbeitet wurde. Soweit es möglich war wurden Spitzenverdiener abgegeben, oder blieben zu niedrigeren Bezügen, um als Stützen für die jüngste deutsche Profimannschaft zu dienen. Aufgefüllt wurde der Kader mit jungen Spielern, die bis auf Narey ablösefrei kamen, oder ausgeliehen wurden.
Und ganz wichtig: Herr Kühne konnte seine Schatulle geschlossen lassen.
Manch einer rieb sich die Augen und fragte sich: „Ist das noch mein HSV?“

Selbst nach dem gewohnt mäßigen Auftritt im Pokal und der Heimklatsche zum Auftakt blieb es ruhig und fast folgerichtig wurden vier Siege in Folge eingefahren und die Tabellenspitze erklommen.
Was dann passierte war hingegen wieder typisch HSV.
Den tabellarischen Rückenwind nutzend wurde der befristete Vertrag Bernd Hoffmanns um drei Jahre bis 2021 verlängert und somit war das was jeder außer „Lügen-Bernd“ (Kurveninfo v.30.9.18) ahnte vollzogen und Hoffmann hat den Triathlon aus Vorstand des eV, Aufsichtsratsvorsitz und schließlich Vorstandsvorsitz der AG mit Bravour hinter sich gebracht.
Wie sehr tatsächlich nach Alternativen gesucht wurde entzieht sich meiner Kenntnis.

Typisch HSV war auch der Verlust der Leichtigkeit. Schon gegen Heidenheim und Dresden hätten die Spiele andersrum ausgehen können, gegen Regensburg war es dann so weit.
Der „langersehnte“ Patzer im Torwartspiel stellte sich ein und die Mannschaft war nicht in der Lage das Spiel gegen starke Jahner bei denen (typisch, typisch) Sargis Adamyan das Spiel seines Lebens machte zu drehen. Titz zog seine Lehren aus der Niederlage, verstärkte die defensive Ordnung, was das Angriffsspiel fast zum Erliegen brachte. Zwei 0:0 gegen Fürth und die Stadtteiler waren die Folge.

Die typisch hamburgische Trainerdiskussion spaltet die HSV-Anhänger.
Dabei lautet die Frage aber nicht, ob Titz gehen oder bleiben soll, dafür genießt Christian Titz viel zu viel Anerkennung (siehe oben), die Tabellensituation ist mit Platz 4 und 14 Punkten aus 8 Spielen alles andere als dramatisch und die Rückschläge die den jungen Kader heimsuchen waren zu erwarten.
Die Frage lautet also wer ist schuld an dieser unsäglichen Diskussion? Sind es die Medien, wegen abgelehnter Exklusivinterviewanfragen, oder traut der Vorstand der AG Titz die Aufgabe Wiederaufstieg nicht zu?
Ich tendiere (natürlich ohne es beweisen zu können) zur zweiten Variante.
Es wird schon länger gemunkelt, dass Bernd Hoffmann von Titz als Cheftrainer nicht überzeugt ist und auch Bernhard Peters, des Trainer größter Fürsprecher, steht nach seiner misslungenen Bewerbung zum Sportdirektor nicht übermäßig hoch im Kurs.

Ich würde gerne den Weg mit Titz und Peters weiter gehen. Ich will einfach nicht glauben, dass unser Spielsystem nicht in die zweite Liga passt. Mit etwas mehr Variabilität im Mittelfeld, Positionswechsel, kreuzende Laufwege usw muss es doch möglich sein hinter des Gegners Linien zu kommen und wenn all die Spieler, die ihren Trainer brav loben einen Tick mehr aus ihren Freiheiten auf dem Platz machen würden, sollte es auch wieder mit dem Siegen klappen.
Auch möchte ich nicht, dass vom verordneten Spielsystem des HSV beim ersten Gegenwind wieder abgewichen wird und der Nullachtfuffzehnkram gespielt wird, der uns letztlich zum Abstieg geführt hat.
Die ohnehin knappen finanziellen Möglichkeiten des Vereins würde ich auch lieber in die Mannschaft, als in Trainer investiert wissen. Wenn man schon den Schritt zurück machen will kann man dies auch gleich mit dem Duo Gisdol/Hollerbach tun, die noch unter Vertrag stehen…

Wie wichtig wäre morgen ein Sieg in Darmstadt, um wenigstens für die Länderspielpause Dampf vom Kessel zu nehmen. Traurig, dass wir schon wieder so weit sind.
Nur der HSV!

Sonntag, 22. Juli 2018

Fehler aus der Vergangeheit

Der Sonntag macht seinem Namen alle Ehre und so sitze ich leichtbekleidet auf der Terrasse, neben mir eine Kühltasche mit einer Flasche Weißwein und auf dem Schoß den Laptop, um mir mal wieder ein paar Gedanken zum HSV von der Seele zu schreiben.
Sollte sich die geneigte Leserin jetzt fragen, ob der der Kerl denn nichts Besseres zu tun hätte, sei ihr versichert, dass dies nicht der Fall ist, da seine Familie arbeitet, um ihm diesen oben beschriebenen Luxus zu ermöglichen.

Auch beim HSV ist Sommer und so verwundert es nicht wirklich, dass ein Interview mit Klaus Michael Kühne erscheint, in dem er sein Engagement beim HSV als „Total in die Hose gegangen“ bezeichnet. Nur gut, dass sonst nichts in der Welt passiert und diese Aussage eine Meldung wert ist. Auch die Bild musste in die Tiefen des Archivs hinabsteigen, um aus Rucksackaffaire und Gehältern beim ehemaligen Dino eine Geschichte zu basteln.
Dem HSV-Fan suggerieren solche Meldungen nur, dass momentan anscheinend viel richtig gemacht wird, denn sonst würden uns diese „ollen Kamellen“ nicht wieder aufgetischt werden.

Tatsächlich macht der Verein meines Herzens momentan den Eindruck, als würden nicht nur alle Verantwortlichen rudern, sondern sogar alle den Kahn in die gleiche Richtung bewegen zu wollen. Darüber, dass manchmal jemand etwas stärker pullt und das Dinoboot(HiHi) dadurch etwas schlingert kann man getrost hinwegsehen.
Die Fans, nein sogar der Großteil der Stadt scheint mit einer positiven Grundstimmung in die erste Zweitligasaison des HSV zu gehen und nicht wie sonst üblich auf den nächsten Verriss der Lachnummer aus dem Norden zu warten.

Natürlich muss das Ziel zur kommenden Saison direkter Wiederaufstieg heißen, daran führt kein Weg  vorbei, wie will man auch weniger verkaufen? Trotzdem muss man die Spielzeit mit Ernsthaftigkeit und Demut angehen, man darf nichts als selbstverständlich, oder gottgegeben hinnehmen, wie es in den letzten Jahren so oft der Fall war. Man muss auch (gerade wenn es einmal nicht rund laufen sollte) dazu bereit sein einen Strich unter die Vergangenheit zu ziehen und lediglich dafür Sorge zu tragen, dass sich die Fehler des letzten Jahrzehnts nicht wiederholen und das ist Aufgabe genug.

Ich habe Bernd Hoffmann im Winter nicht gewählt. Mittlerweile bin ich aber davon überzeugt, dass es richtig war ihn über den Umweg Vereinsvorsitz und Aufsichtsrat zum Vorstandsvorsitzenden zu machen. Die Entlassung von Bruchhagen, Todt und auch Hollerbach war notwendig und die seit dem getroffenen Entscheidungen größtenteils richtig. Offen bleibt nur die Frage, ob und wenn ja wie Hoffmann den dauerhaften Vorsitz der AG herbeiführen will, ohne für neue Streitigkeiten im Verein zu sorgen, denn seien wir ehrlich, seine Amtszeit begann mit einer Lüge und diese sollte mit größtmöglicher Offenheit aufgearbeitet werden. Siehe Fehler aus der Vergangenheit.

Bei Ralf Becker Habe ich erstmals seit langer Zeit das Gefühl, er sei der richtige Mann auf dem Posten des „Vorstand Sport“, wie man heute den Manager nennt. Zuletzt hatte ich dieses Gefühl bei Frank Arnesen, der am HSV-Umfeld gescheitert ist. (Siehe Fehler aus der Vergangenheit)
Trotz Beckers überschaubarer Vita (oder gerade deswegen?) traue ich ihm zu die richtige Entscheidungen zu treffen und diese auch konsequent umzusetzen.
Die Worte „Gefühl“ und „traue ihm zu“ habe ich bewusst gewählt, da er zu kurz im Amt ist, um daraus eine Gewissheit zu machen.

Ganz ähnlich sieht es bei Christian Titz aus, der mich seit seiner Amtsübernahme begeistert.
Doch jetzt steht Titz vor einer ganz neuen Herausforderung. In der kommenden Saison ist der HSV der Gejagte und zwar ganz egal, wo er sich tabellarisch befindet. Tiefstehende Gegner werden auf Fehler lauern, versuchen die Taktgeber zu neutralisieren und die hochstehende Abwehrreihe zu überspielen. Das weiß ich, das weiß jeder und erst recht weiß das Christian Titz. Die Frage wird sein, ob er es schafft die Spielgestaltung auf mehrere Schultern zu verteilen, Überraschungsmomente einzubauen ohne defensive Stabilität zu verlieren.
Schafft er es an talentierten, jungen Spielern festzuhalten wenn es über drei oder vier Spiele nicht läuft? (Siehe Fehler aus der Vergangenheit)

Dem Kader traue ich zu, um den Aufstieg mitzuspielen. Sakai, Moritz, Holtby und Hunt, vielleicht auch Lasogga sollten unterstützt von Pollersbeck, Jung und Santos über genug Erfahrung  verfügen, um die Itos, Arps, Steinmanns und Wintzheimers zu führen. Auch wenn der Knorpelschaden von Gideon Jung (Komm schnell zurück! zeigt, dass das Gebilde nicht so fest steht, wie man es gerne hätte.
Die Vertragsverlängerungen von Sakai, Holtby und Hunt, sowie von Arp sind dabei wesentlich mehr als nur ein gutes Zeichen. Die drei Erstgenannten müssen den Rest führen und sich vor die jüngeren Kollegen stellen, wenn es mal haken sollte. Arp muss man auch ein Bisschen vor sich selbst schützen, auf keinen Fall darf man erwarten, dass „Uns Fiete“ den HSV im Alleingang zurück in die Bundesliga bombt. Als Zeichen für die Öffentlichkeit ist sein Vertrag bis 2020 jedoch Gold wert, auch wenn er für Fiete zur Last werden kann. Kommt der Kader über die Saison ohne der Selbstüberschätzung (siehe Fehler aus der Vergangenheit) zu verfallen, ist er in der Lage das Saisonziel zu erreichen.

Und sonst? Ja, ich habe Bock auf die kommende Saison, ich bin neugierig auf die zweite Liga und vielen geht es wie mir. Natürlich erwarte ich eine bessere Punktausbeute als zuletzt, doch bin ich mir auch bewusst, dass  der angepeilte Aufstieg schwer zu erreichen sein wird und ich bin mir sicher, dass es falsch wäre (siehe Fehler aus der Vergangenheit) jetzt schon davon zu reden.
Auf die Saisoneröffnung gegen Kiel im ausverkauften Volksparkstadion mit Tanja, Kai und Tom an meiner Seite freue ich mich zu einhundert Prozent und das ist auch gut so und bestimmt kein Fehler aus der Vergangenheit.
Nur der HSV!

Sonntag, 27. Mai 2018

Hoffmann, Holtby und der HSV

Selbst der Abstieg kann der Aufbruchsstimmung beim HSV nichts anhaben. Unvergessen ist der Tag an dem der Abstieg endgültig Realität wurde, unvergessen die Reaktion der Fans, die Unterstützung der Mannschaft, die Liebe zum Verein.
Mehr als 4.000 Menschen haben sich dazu entschlossen Mitglied beim HSV zu werden, um ihren Verein gerade jetzt zu unterstützen, aber auch um ein Zeichen zu setzen:
Wir mögen abgestiegen sein, aber wir leben noch!

Mit dieser Reaktion Hamburgs war zwei Monate vor dem letzten Spieltag nicht zu rechnen. Seit Monaten brodelt es bei Heimspielen, man hörte schon bei den ersten Fehlern im Spiel Pfiffe und als sich der HSV, begleitet von medialer Häme, die obligatorische Klatsche in München abgeholt hat tauchte auf dem Trainingsplatz das unsägliche Plakat: „Eure Zeit ist abgelaufen, wir kriegen euch alle!“ auf und die elf Kreuze wurden aufgestellt.
Die Enttäuschung wurde zur Wut und bei einigen Verblendeten gar zum Hass. Ich mag mir gar nicht vorstellen, wozu es noch gekommen wäre, wenn sich das Spiel der Mannschaft nicht grundlegend geändert hätte.

Dafür, dass ich die erwartete Selbstzerfleischung meines Vereins nicht erleben musste, hat vor allen anderen Christian Titz gesorgt. Mit dem veränderten Auftreten der Mannschaft unter seiner Führung, dem konsequenten Einbau junger Spieler, denen auch mal ein schlechter Auftritt (zB. Steinmann in Hoffenheim) verziehen wurde, ohne sie aus der Startelf zu verbannen, wandelte sich auch die Stimmung im Verein. Wenn es einen Beleg bräuchte, dass Fans ein Gespür für Leistungen ihres Vereins haben, muss man sich nur die Bilder von Frankfurt vor Augen führen, als nach der 0:3 Niederlage mit Tränen in den Augen applaudiert wurde.

Drei Wochen vor dem Auftritt in München wurde Bernd Hoffmann mit 51,09% der anwesenden Mitglieder zum Präsidenten des HSV eV gewählt. Es wurde "Gebuht, gebrüllt, gewählt" und hätten ein paar Mannschaften die Versammlung nicht vor der Wahl verlassen müssen…
Hätte, hätte Fahrradkette.
Am 18.Februar wurde Hoffmann gewählt, am 7.März übernahm er den Vorsitz des Aufsichtsrates um am Tag darauf Heribert Bruchhagen freizustellen und auch Jens Todt (via Wettstein) zu entlassen. Vier Tage und ein Auswärtsspiel in München später folgte die Trennung von Bernd Hollerbach.

Unter Christian Titz, der von Bernhard Peters, Johannes Spors und Frank Wettstein als Trainer installiert wurde bekam der HSV erstmals seit langer Zeit so etwas wie Glaubwürdigkeit im Handeln zurück. Nicht nur ich rieb mir ob des Auftritts gegen die Hertha verwundert die Augen. Kaum zu glauben, dass die Spieler, die vor Wochenfrist kaum einen Ball stoppen konnten auf einmal Fußball spielten. Ja spielten und nicht nur arbeiteten. Stützen der Nachwuchsmannschaft funktionierten auch bei den Profis und als Fan mochte man sich wieder mit dem was da auf dem Platz passierte identifizieren. Man glaubte ein Konzept erkennen zu können. Man ging wieder wegen und nicht trotz des Fußballs ins Stadion.

Hinter den Kulissen arbeitete der Aufsichtsrat daran die Lücken in der Vorstandsetage zu schließen. Während Frank Wettstein dadurch punktete, dass die Lizenzen für beide Ligen ohne Auflagen erteilt wurden, geisterten erste Namen von Sportvorständen durch die Medien. Die Suche nach einem/ einer Vorstandsvorsitzenden verlief wesentlich ruhiger. Gegen Ende der Saison kristallisierte sich heraus, dass der neue Sportchef wohl noch unter Vertrag stehen müsse und die Namen Becker und Krösche wurden, oder  besser werden als heißeste Eisen gehandelt.

Die Suche nach einem Vorstandsvorsitzenden wurde gestern bis auf weiteres unterbrochen, oder gar eingestellt. Bernd „Ich strebe kein Amt im Vorstand an“ Hoffmann hat jetzt seinen dritten leitenden Posten beim HSV inne. Mehr davon sind meines Wissens nach auch nicht zu vergeben.
Nüchtern betrachtet hat der Aufsichtsrat keinen besser geeigneten Kandidaten gefunden und die Position intern besetzt. An der fachlichen Eignung Hoffmanns besteht wohl selbst bei dessen Kritikern kein Zweifel, doch was wird aus der gerade eingekehrten Glaubwürdigkeit im Handeln, was mit der einheitlichen Unterstützung?

„Momentan macht der HSV vieles richtig“ war eine sehr gebräuchliche Redewendung in den letzten Wochen, die Hoffmannentscheidung ist zumindest als unglücklich zu bezeichnen.
Einige unterstellen Hoffmann, dass er ganz gezielt auf den gestrigen Tag hingearbeitet hat und bezichtigen ihn der Lüge, da er sein neuestes Amt im Vorwege ausgeschlossen hat. Andere sehen in Hoffmann den Heilsbringer, da sich seit seiner Rückkehr doch so vieles im Verein gebessert hat. Manche mögen in ihm auch ein momentan notwendiges Übel sehen, da halt kein besserer Kandidat zur Verfügung stand.

Mir selbst missfällt die gestrige Entscheidung aus mehreren Gründen.
Ohne Hoffmann etwas unterstellen zu wollen mag ich auch nicht ausschließen, dass eine Rückkehr ins operative Geschäft sein Wunsch oder gar Ziel war. Ich habe ihn nie für den Typ Vereinspräsident gehalten und habe seine Wahl stets als Mittel zum Zweck empfunden. Das hat er ja auch selbst so gesagt. Selbstverständlich wird sein Amt als Vereinspräsident von seinen Vertretern übernommen werden, doch waren diese bei der Wahl im Februar bestenfalls Beiwerk zu Hoffmann.
Thomas „So wahr mir Gott helfe“ Schulz steigt in den AR auf und wird selbstverständlich grundkritisch verfolgen, was sein ehemaliger Kollege so anstellt.
Am meisten stört mich aber der Verlust der Glaubwürdigkeit. Hoffmanns Ernennung ist zweifelsfrei legitim, doch sie geschieht halt durch die Hintertür. Derjenige, der niemanden für den Posten gefunden hat besetzt ihn eben selbst. Ein Schelm der Böses dabei denkt.
Auch die positive öffentliche Wahrnehmung wird durch diese Entscheidung torpediert und der HSV gibt nach außen hin mal wieder das Bild des Karnickelzüchtervereins ab.

Wie intensiv die Suche nach einem Vorstandsvorsitzenden gewesen ist vermag ich nicht zu beurteilen und auch ob mein Kandidat (Holger Hieronymus) überhaupt gefragt wurde weiß ich nicht. Auf keinem Fall möchte ich Bernd Hoffmann die Qualifikation absprechen, doch wenn ich nur überlege, dass er gestern am Tisch saß als über den neuen Sportchef/vorstand gesprochen wurde drängt sich mir das Bild der Einmannkapelle auf. Ein Model aus vergangenen Zeiten.

Zum Abschluss sei mir noch ein Wort zu Lewis Holtby und dessen Vertragsverlängerung gestattet.
Hört doch bitte mit dem Stuss auf  den Spielern ihren Gehaltscheck vorzuwerfen. Da verzichtet ein Spieler auf Geld um mit unserem Verein in die zweite Liga zu gehen und die Konsequenzen seines Scheiterns mit zu tragen und ihm wird vorgeworfen nicht in die Systeme mehrerer Trainer gepasst zu haben und zu viel zu verdienen. Das leuchtet mir nicht ein.
Noch absurder wird es, wenn ich überlege, dass Titz von allen gefeiert wird und Holtby einer seiner Eckpfeiler sein soll. Ja was denn nun, vertrauen wir Titz oder nicht.
Wenn ich dann noch überlege, was ein Ersatz für Holtby mit Ablöse, Beraterkosten usw. kosten würde fehlt mir jegliches Verständnis für die Kritiker dieser Vertragsverlängerung.
Und ja, auch eine Vertragsverlängerung von Hunt würde ich befürworten. (Er muss ja nicht jeden Standard schießen).
Nur der HSV!

Sonntag, 13. Mai 2018

Erhobenen Hauptes

Irgendwie wollte die gestrige Szenerie rund um den Volkspark so gar nicht zu einem Abstieg passen. Pfiffe und Schmähungen gegen die Mannschaft? Fehlanzeige.
Im Gegenteil. Als so um die 70. Minute durchgedrungen ist, dass Wolfsburg die Kölner schlagen würde raffte sich das gesamte Stadion auf und bescherte mir das vielleicht eindrucksvollste Stadionerlebnis, das ich je genießen durfte.

Der Capo sagte, dass jeder mit dem Abstieg umgehen müsse, wie er es für richtig hielte und stimmte als letzten Gesang „Mein Hamburg lieb ich sehr“ an, jenen Abschlach Song, der die Verbundenheit zu Stadt und Verein so einzigartig auszudrücken vermag.
Es wurde laut gesungen und das gesamte Stadion sang mit. Ich hätte heulen können vor Freude und Stolz ein Teil dieser Fangemeinde zu sein, die den sportlichen Tiefpunkt der Vereinsgeschichte zu so einem großartigen Erlebnis machte und mich den Gang in die zweite Liga erhobenen Hauptes antreten lässt.

Jeder wie er es für richtig hält beinhaltet leider auch, dass einige Sylvester vorverlegten.
Mit Pyrotechnik war ja zu rechnen, die Rauchtöpfe sind mir schon zu viel und die Böllerei geht halt gar nicht. Die Ultras hatten gestern die Chance auf Grund der Leistung der Mannschaft und der Stimmung im Stadion einfach wieder unter ihrer schwarzen Plane vor zu kommen und auf den Einsatz von Pyrotechnik zu verzichten, um damit ein Zeichen zu setzen. Doch wie so viele Chancen im Verein wurde auch diese vertan. Vor dem Spiel spendete ich (wie so oft) noch etwas Geld für Choreos, am Ende des Spiels ging das dann in Rauch auf…
Die Reaktion der restlichen 56.800 Zuschauer war eindeutig und sollte im Mittelpunkt der Berichterstattungen stehen, auch wenn die Bilder vielleicht nicht ganz so spektakulär sind!

„Ich hab nen harten Tag gehabt“ diese ersten Worte von „Mein Hamburg lieb ich sehr“ sagen schon viel über meinen Gemütszustand aus.
Ich vermag noch nicht so recht einzuschätzen, was uns in der zweiten Liga erwartet und ob wir dem gewachsen sein werden. Für viele unserer kommenden Gegner werden die Spiele gegen uns die Highlights der Saison sein und entsprechend engagiert werden sie diese angehen.
Andersrum bin ich total gespannt darauf, wie sich der HSV entwickeln wird und bin happy, dass Christian Titz der Trainer bleibt, hoffe aber auch, dass Strukturen geschaffen werden, die eine Grundphilosophie auch unabhängig vom Trainer ermöglichen.
Mich haben gestern sehr viele persönliche, aufmunternde Nachrichten erreicht, über die ich mich sehr gefreut habe. Dabei hält sich meine Niedergeschlagenheit merkwürdiger Weise in erträglichen Grenzen.
Aber natürlich habe ich auch viele Posts gelesen, die ihre Freude über unseren Abstieg ausdrückten, all jenen möchte ich zurufen: „ Habt Spaß mit den Wolfsburgs und Hoffenheims dieses Landes, mit leeren Gästebereichen und überschaubaren Fanszenen!“
Als gestern die Gladbachfans ungeachtet dessen, was ihre Fohlen da auf dem Platz gezeigt haben ihre Schmähgesänge auspackten, wurden sie von uns HSV-Fans niedergesungen und verstummten völlig.
In diesem Sinne:
Mein Hamburg lieb ich sehr, sind die Zeiten auch oft schwer,
weiß ich doch hier gehör ich her.
Hier wo ich geboren bin, wo ich spielte schon als Kind,
in den Straßen, die mein Zuhause sind!

Sonntag, 6. Mai 2018

Kurz vor Schluss

Eigentlich waren wir doch schon lange tot, ruiniert und abgestiegen.
Mehr als zehn Jahre der Misswirtschaft unter der Leitung von Pseudofachleuten haben meinen Verein zerstört. Die heutige Situation ist kein Wunder, oder Unfall sondern das Ergebnis konsequenten Missmanagements. Immer war es wichtiger Leute auf den entscheidenden Positionen zu haben, die man von außen beeinflussen konnte, als auf Kompetenz zu setzen.
Als wir Mitglieder dann die Schnauze so voll hatten, dass wir die Situation ändern mussten, kam man den Änderungswünschen pro Forma nach, verriet aber deren Inhalte und Philosophie.
Siehe dazu das NDR-Interview mit Holger Hieronymus.

Inkompetente, gängelbare Abnicker im Aufsichtsrat ließen ihrem Wunschvorstand freie Hand und ihn so Geld verbrennen, welches im Prinzip gar nicht vorhanden war. Die Folge davon ist, dass man sich nur noch von Lizenz zu Lizenz zu hangeln vermag und dabei auf Fremdkapital des Gönners oder wie zuletzt Signing fees des Vermarkters zurückgreifen muss. Der Spielraum für tatsächliche Gestaltung des Vereins bzw der AG wird dadurch und auch durch die bestehenden Verpflichtungen wie zB der Fananleihe minimiert.

Wenn es beim HSV etwas Positives aus den letzten Jahren zu vermelden gibt, ist es die Entwicklung im Nachwuchsbereich und Bernhard Peters ist nach außen hin vielleicht der einzige Glücksgriff in der trostlosen Bilanz des Dietmar Beiersdorfer.
Die des Trainers und einiger Eckpfeiler beraubte U21 verpasst (wahrscheinlich) nur knapp die Aufstiegsrunde zur dritten Liga und der U19 fehlte gestern 5 Minuten zum Erreichen der Endrunde um die deutsche Meisterschaft. An ähnliche (fast) Erfolge des Nachwuchses vermag ich mich nicht zu erinnern.
Die Beförderung von Christian Titz zum Trainer der Profis macht daher, unabhängig von seiner persönlichen Befähigung, aus unterschiedlichen Gründen Sinn.

Der HSV muss die Durchlässigkeit von der Jugend zu den Profis endlich leben, um den Talenten, seien es Trainer oder Spieler, Perspektiven aufzuzeigen. Da genügt es bei weitem nicht einen Campus und neue Trainingsplätze zu bauen, viel mehr muss jedem Talent egal ob aus den eigenen Reihen oder von außerhalb an möglichst vielen Beispielen vor Augen geführt werden, welche Möglichkeiten sie bei uns haben.

Wirtschaftlich gesehen ist dieser Weg noch alternativloser als vor vier Jahren. Um den Kopf aus der Schlinge der Handlungsunfähigkeit zu bekommen braucht man entweder die Champions League Qualifikation, oder man muss Spieler entwickeln, um diese mit Gewinn verkaufen zu können. Welche dieser Möglichkeiten mehr Aussicht auf Erfolg hat muss ich hoffentlich nicht erklären.

Auch für die Stimmung in und um den Verein herum ist dieser frisch eingeschlagene Weg unabdingbar. Erst seit sieben Spieltagen wird der HSV wieder als Fußballverein und nicht als Chaosclub wahrgenommen und alleine diese Tatsache grenzt schon an ein Wunder. Auch bin ich davon überzeugt, dass man mit einer frischen Strategie Türen zu Sponsoren öffnen kann, die in der Vergangenheit zugefallen sind. Allerdings braucht es dafür mehr als sieben Spieltage.
Hamburger Pfeffersäcke beeindruckt man halt nicht so leicht wie Fans.

Jetzt bin ich wieder wesentlich analytischer geworden, als es beabsichtigt war. Eigentlich wollte ich schreiben wie es mir in den letzten Wochen ergangen ist. Wie ich wieder mit Freude ins Stadion gegangen bin, weil ich einfach neugierig auf den HSV war. Und wie nach und nach aus dieser Neugier wieder Hoffnung erwachsen ist, nur um wieder zusammen zu fallen.
Realistisch gesehen besteht eine 40% Chance auf einen Sieg gegen Mönchengladbach und eine 20% Chance auf einen Sieg des Effzeh in Wolfsburg. Mathematisch ergibt es Wahrscheinlichkeit von 8% auf den Relegationsplatz, der zu 75% zum Klassenerhalt führen sollte. Das ergibt eine 6% Chance auf den Klassenerhalt.
Aber hey, wir sind der HSV, Wunder ist unser zweiter Vorname und die dicke Dame steht zwar auf der Bühne, geträllert hat sie aber noch nicht.
Mit welchem Gefühl ich am Sonnabend Richtung Volkspark ziehen werde vermag ich heute noch nicht einzuschätzen, sicher ist nur, dass ich laut sein werde und dass alles was passiert durch  Tanja, Kai und Tommi an meiner Seite erträglicher werden wird.

Nur der HSV!

Sonntag, 11. März 2018

Meine HSV-Woche

Ein 0:6 in München ist ja eigentlich nichts, was einen eingefleischten HSV-Fan erschüttern könnte und so ist es auch in diesem Jahr bei mir gewesen. Ein Kopfschütteln über die dargebotene Leistung meines Vereins und ein paar dumme Sprüche über Twitter aus Selbstschutz, das wäre die normale Reaktion, wenn in der vergangenen Woche nicht so viel passiert wäre, über das es sich meiner Meinung nach zu reden lohnt.

Wie im letzten Blogbeitrag geschrieben ist der HSV für mich seit der Niederlage von der Weser abgestiegen. Das Engagement vom Heimspiel gegen Mainz, gepaart mit der Unfähigkeit das Runde ins Eckige zu bugsieren war dann schon fast eine Erleichterung, hätte ein Sieg doch neue Hoffnung gebracht und so das Leiden verlängert. So entschloss ich mich mir Gäste in den HSVTalk zu holen, die noch hoffen.
Die Reaktionen auf diesen Talk waren interessant, vielfältig, aber durchweg positiv.

HSVTalk Hoffnung

Zwei Tage später wurden Bruchhagen und Todt entlassen.
Bernd Hoffmann machte das wahr, was er während seines Wahlkampfs angedeutet hat, ohne es auszusprechen. In seiner zweiten Aufsichtsratssitzung ließ er sich zum Vorsitzenden des Gremiums wählen und löste Michael Krall nach nur einem Monat Amtszeit ab. Selbstverständlich wurde diese Entscheidung, wie auch die zur Demission Bruchhagens einstimmig getroffen. Dann wurde Bruchhagen freigestellt und Frank Wettstein, jetzt alleiniger Vorstand entließ Jens Todt. Positiv ist, dass die Diskussionen zur Mehrheitsfindung komplett dort blieben wo sie hingehören, nämlich im Aufsichtsrat. Beim HSV beileibe keine Selbstverständlichkeit.

Meine Einschätzung auf meinsportradio.de vom Donnerstag

Und noch ein Positivum möchte ich nicht unbemerkt lassen. In Krisenzeiten kann man darauf wetten, dass die Granden glorreicher Zeiten aus den Löchern gekrochen kommen, sich vor die Mikrofone und Notizblöcke stellen und kritisieren was das Zeug hält. Umso bemerkenswerter ist es, dass sich Marcell Jansen gerade in diesen, vielleicht dunkelsten Tagen der Vereinsgeschichte in ein Amt berufen lässt und versucht im Rahmen seiner Möglichkeiten etwas für den HSV zu bewirken. Hut ab Cello!

Zurück zum Donnerstag. Schnell war wieder vom Chaos in Hamburg zu lesen, doch ebenso schnell schwenkte dieses Gerede in Verständnis um. Wann außer sofort sollte man eine Neuausrichtung des Vereins in die Wege leiten? In der Sommerpause wäre es wohl zu spät gewesen.
Natürlich wäre es schön, wenn der neue starke sportliche Leiter schon installiert wäre, oder der Abschluss mit einem solchen wenigstens kurz bevor stehen würde, denn obwohl der Verein pro forma handlungsfähig ist und sich das verbliebene Vortstandsmitglied Frank Wettstein in sportlichen Dingen bei Bernhard Peters und Johannes Spors Rat holen kann, verbleibt der Eindruck eines Vakuums.
Für mich wäre ein fließender Übergang von Bruchhagen/Todt zu Mister X oder X/Y sinnvoller gewesen und ich kann mir vorstellen, dass beide Entscheidungsträger dazu bereit gewesen wären, doch kann ich mich da natürlich auch irren.


Mich beschleicht auch immer mehr das Gefühl, dass wir auch ein Motivationsvakuum auf der Bank sitzen haben. Bernd Hollerbach ist ein Mann der Tat und nicht des Wortes, doch war ich ob seiner Mimik während der donnerstäglichen Spieltags-PK entsetzt.
Würde ich jetzt den (mir) fehlenden Funken in den Augen des Trainers eins zu eins mit der ausgebliebenen Leistung der Mannschaft in München in Verbindung bringen, wäre das zu eindimensional gedacht und auch unter Labbadia und Gisdol gab es während der Aufholjagden Auftritte dieser Art, doch war gestern nichts von einem Wirgefühl auf dem Platz zu bemerken.

Wenn sich dann nach dem Spiel ein Papadopoulos hinstellt und über ausgebliebene Verstärkungen im Winter jammert klingt das schon sehr nach der Suche nach Ausreden. Wenn sich ein Schipplock über die Einstellung seiner Kollegen beschwert möchte in bester Trappatonimanier fragen: „Was erlaube Schipplock? Drei Jahre gespielt wie Flasche leer, keine Tor getroffen und jetzt reden über Einstellung von Mitspieler“ Mit anderen Worten, der Zusammenhalt im Team, der dem HSV mehrmals die Klasse gehalten hat scheint in diesem Jahr nicht vorhanden zu sein. Die Spieler wirken genauso zermürbt wie Medien und Fans.

Das bringt mich zum nächsten Thema.
Wenn Teile von uns Fans meinen die Spieler mit Plakaten und Kreuzen bedrohen zu müssen so ist das eine Straftat und mit nichts zu rechtfertigen!
Trotzdem sehe ich in dieser absolut überzogenen Reaktion nur den Wunsch sich Gehör zu verschaffen. Die gängigen Floskeln wie „Scheiß Millionäre“ und so weiter werden doch schon vom Boulevard in der Suche um Aufmerksamkeit verwendet. Wer die Luschenkampagne der Bild gesehen hat kann sich nur noch angeekelt abwenden, wer die Spielerbewertung des Abendblatts in der Ursprungsfassung gelesen hat kann deutlich erkennen, dass eine Steigerung dessen was da stand nur noch in diesem unsäglichen verachtungswürdigen Plakataktionen zu finden ist.
Dazu war der Liveberichterstattung auf Sky angefangen mit diesem von Volksmusik untermalten Torzusammenschnitt, über dem unsachlichen und vor Häme triefenden Kommentar von Frank Buschmann, bis zu den eingespielten Kommentaren eines Lothar Matthäus anzumerken mit welchen Genuss der Spielverlauf begleitet wurde.

Als kurz nach dem Abpfiff Bilder des oben genannten Plakats im Netz erschienen sind waren gerade diese Medien die ersten, die dies verurteilten, selbstverständlich ohne sich selbst zu hinterfragen.

Im letzten Blogbeitrag endete ich mit der schwachen Hoffnung, dass wir mit etwas Restwürde und Anstand absteigen würden, diese Hoffnung möchte ich wider besseren Wissens erneuern und mit einem Appell an die die begleitenden Medien ergänzen ein Mindestmaß an Sachlichkeit walten zu lassen, oder wenigstens darauf zu verzichten weiteres Öl ins Feuer zu gießen. An die Teile der Fans zu appellieren, die Gewalt androhen halte ich für sinnlos, da kann man nur versuchen dem Pöbel so wenig Plattform wie möglich zu geben.
Nur der HSV!