Sonntag, 5. Juli 2020

Fear of the dark

Genau vor einer Woche saß ich nach dem Frühstück auf der Terrasse und ließ meine Gedanken in Richtung des letzten Spieltags der Saison schweifen. Dachte an die Chancen, die eine erfolgreiche Relegation gegen grünweiß Weser böten, malte mir aber auch Szenarien des Scheiterns aus, dazu hörte ich etwas Musik und gerade als ich den Thread auf Twitter beenden wollte erklang aus der Bluetoothbox „Fear oft he dark“ von Iron Maiden. Die perfekte Untermalung für meine Gedanken.

Ein 1:5 gegen Sandhausen kam in meinen Gedanken jedoch nicht vor (ein Tor von Dennis Diekmeier dagegen schon). Natürlich kann man die zwei letzten Gegentore der Saison als Freakshow abtun, für den HSV waren sie typisch, führten sie doch auch dem letzten Betrachter die Hilflosigkeit von Mannschaft und Trainer vor Augen.

Hilflos war auch ich, sah mit zunehmenden Entsetzen dem Spielfilm #HSVSVS zu, die frühen Verletzungen, die Gegentore, der fulminant verwandelte Elfmeter, der doch ein Weckruf hätte sein müssen, dieser blieb aus, dann die erneute Verletzung, die Umstellung, der Elfmeter, die Freakshow, die Wut, die Leere, die Angst um den Verein, dazu die Schadenfreude, aber auch der Trost…

Drei Tage später nahmen Tanja und ich mit unserem Gast Sven Ehrich den HSVTalk Nachspielzeit auf und ich war selbst überrascht, wie gefasst wir waren, kaum Wut, die Enttäuschung zwischen den Sätzen versteckt und kaum Angst um den Verein. Zumindest kam diese nicht über unsere Lippen.
Und doch war, doch ist sie zumindest bei mir da.

Ich gehe den Weg des Vereins seit Jahren mit, auch wenn er mir oft nicht gefällt.
Ich spüre den Schatten der uns verfolgt, der uns vor sich hintreibt. Der uns auf dem unebenen Weg immer wieder straucheln lässt, die Hosen an den Knien längst zerrissen, den Blick viel zu oft nach hinten gerichtet, um den Hindernissen auszuweichen, die sich scheinbar von selbst vor uns errichten. Jedes Fünkchen Licht lässt uns den Kurs ändern, um ihm näher zu kommen, um den Schatten loszuwerden, der doch durch unseren Zickzackkurs immer schneller aufzuholen scheint.

Fear of the dark
Fear of the dark
I have a constant fear that something's always near
Fear of the dark
Fear of the dark
I have a phobia that someone's always there

„Da ist nichts!“ sagen wir immer wieder laut, auch wenn wir die Gegenwart des Schattens spüren, als könnten wir ihn durch einfaches Verleugnen loswerden, doch auch wenn wir es manchmal ganz nah an die Helligkeit heranschaffen, wird seine Präsenz dort, gleich einem Traum kurz vor dem Aufwachen, nur umso stärker. Und der Reflex ist immer der Gleiche. Wir blicken zurück, viel zu oft, wir lassen die Hindernisse vor uns aus den Augen, wir straucheln und bis wir uns wieder hochrappeln ist von dem Licht vor uns nur noch ein schwacher Schimmer zu erkennen.

Fear of the dark
Fear of the dark
I have a constant fear that something's always near
Fear of the dark
Fear of the dark
I have a phobia that someone's always there

Doch wir stehen noch, wir gehen weiter, wir folgen dem Licht, wir nehmen uns auch ganz fest vor, dass uns diesmal nichts und niemand von unserem Weg abbringt. Da ist nichts was uns verfolgt. Auch wenn wir glauben etwas zu spüren, Schritte zu hören, die uns eine Gänsehaut bereiten, die uns erschaudern lassen.
Da ist nichts, wenn wir nur fest genug an uns und unseren Weg glauben, wenn wir uns an den Händen halten und gegenseitig auf einander aufpassen, wenn wir die Hindernisse gemeinsam erkennen und aus dem Weg räumen.
Da ist nichts!

Fear of the dark
Fear of the dark
I have a constant fear that something's always near
Fear of the dark
Fear of the dark
I have a phobia that someone's always there

Dienstag, 21. April 2020

Footballfans at home


So manchmal überkommt es mich und dann muss ich mich einem Thema musikalisch nähern.
Als ich hörte, dass es eventuell schon ab Anfang Mai Geisterspiele geben sollte schoß mir die Zeile Footballfans at home durch den Kopf und von da bis zu dem Klassiker "Football's comming home" von Baddiel, Skinner & Lightning Seeds ist es nur ein kleiner Schritt.
Da ich nun leider nicht singen kann läuft das hier so: Ihr hört den Song und lest meinen Text dazu.
Viel Spaß






We stay at home
We stay at home
We are the
Footballfans at home
We stay at home
We stay at home
We are the
Footballfans at home
We stay at home
We stay at home
We are the
Footballfans at home
We stay at home
We stay at home
We are the
Footballfans at home

Die Liga legt einfach wieder los
Die DFL findet's gro-o-oß
Wirklich toll
Echt famos

Denn Hauptsache der Rubel der rollt
So hat's der Sponsor gewollt
Dem Respekt wird gezollt
Denn so gehört das

Geisterspiel auf Sky
Scheiß was auf Corona
Alle sind dabei
Shirts und Schienbeinschoner

So viele Tests für den Verein
Natürlich muss das sein
Alles klar
Alles fein

Denn schließlich regiert Geld diese Welt
Und die Welt braucht nen Held
Und der steht auf dem Feld
Und auch im Fersehn

Geisterspiel auf Sky
Scheiß was auf Corona
Alle sind dabei
Shirts und Schienbeinschoner

Sonntag, 1. März 2020

Trainer raus? Nein danke!


Was will man noch zu diesem HSV sagen?
Eigentlich ist jedes Wort eins zu viel und doch möchte ich zwei, drei Sachen anmerken.
Ich bin nach wie vor der Meinung, dass Dieter Hecking der richtige Trainer für den HSV ist und auch der Vorstand sollte das so sehen. Ob man dort allerdings stark genug ist, um erneut an einem öffentlich angezählten Trainer festzuhalten ist eine ganz andere Frage.
Ich habe tatsächlich geglaubt man hätte es geschafft dem HSV das Phlegma auszutreiben, das die Mannschaft(en) regelmäßig nach Scheinerfolgen, wie einem Derbysieg im letzten Jahr oder drei Siegen in Folge wie am Anfang von diesem, befällt zu befreien.
Da habe ich mich wohl getäuscht.

Es ist wieder sehr leicht geworden gegen den hochgelobten HSV zu spielen, Hannover hat es vorgemacht. Hart, konsequent und mutig zu spielen langt um den Rothosen den Schneid abzukaufen, es scheint sowohl an körperlicher als auch an mentaler Stärke zu fehlen um einen Kampf anzunehmen, einzig der Wille ist dem Team nicht abzusprechen, die Möglichkeit zur Umsetzung sucht man jedoch vergebens. Auf die Blaupause des Hannoverspiels griffen auch Pauli und Aue zu. Erschreckend, dass der HSV aus diesem Spiel nichts gelernt hat. Gegen Pauli kam man noch stark ins Spiel bevor man den Zugriff auf dieses verlor, in Aue langte es nur noch zu brotlosem Ballbesitz.
Wie schon im Herbst werden kaum noch Chancen herausgespielt und die wenigen Möglichkeiten werden meist kläglich vergeben. Hinzu kommen zunehmende Unzulänglichkeit im Aufbauspiel und haarsträubende Fehler im Defensivverhalten. Kurz gesagt, es passt hinten und vorne nicht mehr.

Eigentlich spricht die Entwicklung für einen Trainerwechsel, nur fehlt mir der Glaube an einen positiven Effekt dieser Maßnahme. Auch würde ich es begrüßen die kontinuierliche Entwicklung eines Kaders zu verfolgen, selbst wenn das ein weiteres Jahr 2.Liga bedeuten würde.
Man darf nicht vergessen, dass das ewige Versuchen kurzfristige Ziele zu erreichen uns in die Lage gebracht hat, in der wir uns befinden. Sportlich und wirtschaftlich.
Allerdings müsste man das Vorhaben der kontinuierlichen Entwicklung offensiv kommunizieren, kein sprichwörtliches Blatt Papier dürfte zwischen die handelnden Personen passen, auch wenn die von außen hereingetragene Unruhe größer werden sollte. Das wäre dann der Moment der Reifeprüfung für Hoffmann und Boldt, der Moment wo sie zeigen können, dass ihre Pläne mehr als Lippenbekenntnisse sind.

Es bleibt spannend beim HSV!

Mittwoch, 29. Januar 2020

Der Glücksjäger

Ich habe mich vor einigen Jahren (es sind fast zehn!) mal daran versucht klassische Gedichte auf den Fußball umzuschreiben. Auf eines dieser (Zwergen-) Werke bin ich gerade gestoßen und fand es zum Löschen zu schade, darum stelle ich es in den Blog und damit euch zur Verfügung.

Für den Glücksjäger diente Goethes Der Schatzgräber als Vorlage.
Übrigens habe ich damals keine bestimmte Person als Vorlage genommen.



Der Glücksjäger

Arm am Beutel, krank am Herzen
Nur Durchschnitt die Karriere war
Kennt mich kein Mensch mehr, die Gefahr
Weg vom Fenster sein ist groß
Wahrlich würd dies Schicksal schmerzen
Ging ich Trainerschein zu machen
Niemals macht ich halbe Sachen
Nie froh mit der Hälfte bloß

Und so zog nach Köln am Rheine
Vom DFB ins Institute.
Wo mein Wissen kommt zu gute
Mir und noch mehr beigebracht
Auf die harte und gemeine
Angebrachte Art und Weise
Meistens laut und selten leise
Gelernt gebüffelt Tag und Nacht

Geprüft, bestanden, wieder frei
Motiviert voll Tatendrange
Sucht ich eine Stelle lange
Bis das Glück kam doch zu mir
Es war wie des Kolumbus` Ei
Als der Posten zugetragen
Braucht man mich nicht lange fragen
Unterschrieb ich das Papier

Alte satte Spielerbeine
Auf Trab zu bringen ist das Ziel
Drum ran ans Werk, will schaffen viel
Anwenden das Wissen neu
Wohl von Stadt und von Vereine
Denen ich hab zu verdanken
Viel, drum weis ich in die Schranken
Jene deren Herz nicht treu

Doch Spieler die ich aussortiert
Haben Lobby im Vereine
Von hinten rum, auf gemeine
Art sie bringen Misskredit
Feixen gänzlich ungeniert
Über Kollegen Niederlage
Das man mich zu Grabe trage
Nur noch als Verlierer sieht

Samstag, 20. Juli 2019

Saisonstart 2019

Es war einmal ein großer Verein, vielleicht sogar ein reiner Weltverein, der sich nach vielen Erfolgen einer großen Ära zu einem solchen ausgerufen hat. Als sich dieser Verein über10 Jahre nach dem letzten wichtigen Erfolg eine neue Spielstätte erschaffen hat schien es, wie zuvor auch, nur eine Frage der Zeit zu sein, bis man an die Erfolge des goldenen Zeitalters anknüpfen würde und entsprechend selbstbewusst stattete man das neue Stadion aus.
Da war die einmalige Stadionuhr, die jedem der es wissen wollte, aber vor allem auch all denen die es nicht wissen wollten unter die Nase rieb, dass man das einzige Gründungsmitglied der Bundesliga war, das nie abgestiegen ist. Unterstrichen wurde dieses Novum mit dem neuen Maskottchen. Die Hummel (die nie wirklich angekommen ist) wurde kurzer Hand durch den Dino Hermann abgelöst, welcher bei den jungen, aber auch bei vielen älteren Fans sehr beliebt ist.
So ernannte man sich selbst zum Dinosaurier, dem letzten Überlebenden der Vorbundesligazeit ungeachtet des Schicksals welches  die Dinos in freier Wildbahn ereilte.
Als Vereinshymne diente Hamburg meine Perle von Lotto King Karl, einem echten Fan (das meine ich wörtlich), der beim Wechsel des Medienpartners von Radio Hamburg zum NDR auch Stadionsprecher wurde und der mit seiner Perle zum Stadionerlebnis des Dinos gehörte und dessen Stadionhymne zu den bedeutendsten des Kontinents gezählt wurde.

Alles war auf eine Rückkehr an die Spitze der Liga oder gar des Kontinents ausgerichtet, jedoch wurden wie so oft die größten Fehler beim Erreichen des Teilerfolgs gemacht. Fehler, die ebenso wenig korrigiert wurden wie das Selbstbildnis. Der letzte Dinosaurier war immer noch ein schlafender Riese, der darauf wartete wachgeküsst zu werden und geküsst wurde er von Präsidenten, Managern, Trainern, Spielern und Förderern, die sich auf dem Weg zum Kusse die Klinke des Volksparks in die Hand gaben, der erst zur Intensivstation und schließlich zum Hospiz für das dahinsiechende Urzeittier wurde.
Aus den Titelambitionen von einst wurde die Unabsteigbarkeit zur neuen Tradition auserkoren in jedem Spiel klang „Sechsmal deutscher Meister, dreimal Pokalsieger, immer erste Liga, HSV“ durch das stets gut gefüllte Rund im Volkspark. Das Dinotum wurde zum Heiligtum. Die Uhr zur Reliquie und die Hymne wollte irgendwie nicht mehr passen. Mitgesungen wurde nach wie vor, doch suchten sich die Fans mit „Mein Hamburg lieb ich sehr“ einen Song aus, der ihre Stimmung so viel besser wiedergab.

Es kam so wie es kommen musste, nach langen Jahren des Überwasserhaltens war es aus mit der Unabsteigbarkeit, die Uhr verlor ihre Daseinsberechtigung und Lottos Perle wirkte vom Text her wie ein Fremdkörper im tristen Unterhausdasein, nur Hermann, der letzte Dino erfreute sich weiterhin seiner Beliebtheit bei jung und alt.
Trotzdem ließ man (abgesehen von einer kosmetischen Korrektur beim Zeiteisen) alles beim Alten, schließlich, so dachte man, war man einem Betriebsunfall zum Opfer gefallen und nach Behebung dieses Unfalls würde man auf dem Weg zu alter Bedeutung auf die Utensilien zurückgreifen wollen.

Nur hatte man es nicht mit einem Betriebsunfall zu tun.
Die Situation des Sommers 2018 hat man sich über eine Dekade hinweg hart erarbeitet. Selbstüberschätzung, mangelnde Kompetenz, Überheblichkeit und Fehlentscheidungen auf allen Ebenen ebneten den Weg ins Unterhaus und auch dort angekommen war man nicht in der Lage gegenzusteuern.
Man ging mit einem Trainer in die Saison, an dem man nicht glaubte, weil man niemanden die Entlassung des Sympathieträgers hätte verkaufen können. Dann gab man diesem den jüngsten Profikader der aktuellen Saison an die Hand und wartete ab, bis man die Saisonziele als gefährdet einstufen konnte, um den Trainer entlassen zu können, ohne selbst Schaden zu nehmen.

Der neue Besen, jung aber aufstiegserfahren, bekannt als Experte im TV übernahm den Kader, änderte Kleinigkeiten und holte Punkte, ohne gut spielen zu lassen. Die Leistungssteigerung sollte nach der Wintervorbereitung erfolgen und die Ausgangsposition war so gut, dass man den Kader unverändert ließ.
Aus der Leistungssteigerung wurde nichts und trotzdem ließ man sich vom Erreichen des Pokalhalbfinales und vor allem vom Derbysieg blenden. Es wurden Spieler ins Schaufenster gestellt, die verkauft werden sollten und damit in das Leistungsprinzip eingegriffen, dazu kamen die Verletzungen des Kapitäns, der allerdings schon seit Jahren als wandelnde Belastungssteuerung bekannt war. Kurz gesagt das Mannschaftsgefüge brach auseinander, dies war für jeden ersichtlich, nur die handelnden Personen handelten eben nicht.
Ach ja, das Saisonziel wurde verfehlt.

Im Sommer 2019 ging nun die Angst um, dass aus „Unabsteigbar“ binnen zwei Jahren „Unaufsteigbar“ die neue Tradition des großen Vereins mit der Raute werden könnte und man tat, was man halt tut, wenn den Verantwortlichen beim HSV die Muffe geht:
Man wechselt das Personal aus!
Da die Idee aus jungen Spielern mit Steigerungspotential eine schlagfertige Truppe zu schaffen offensichtlich nicht zum Erfolg führte, setzte man in Sachen Trainer und Kader jetzt auf Erfahrung. Umgesetzt wird der Umbau vom letztjährigen Wunschkandidaten des Vorstandsvorsitzenden, dem es seiner umstrittenen Ernennung zur Nummer Eins im Verein zum Trotz gelingt seine Hausmacht immer weiter auszubauen. So wurde für seinen ehemaligen Vize ein weiterer Posten im Aufsichtsrat geschaffen, der eigentlich nicht vorgesehen war.

Dennoch galt es Zeichen zu setzen. Es gab ein Statement der Numero Uno, dass die Situation angenommen werden müsse und das Gestern egal sei, passend dazu wurde die Uhr abmontiert und als sich die kritischen Stimmen zur Stadionhymne mehrten, wurde auch diese abgesetzt, natürlich nicht ohne streuen zu lassen, dass diese ein Teil der Stadionshow des Medienpartners sei, schließlich will man ja niemanden verprellen.
Außer halt Lotto und Pape, mit denen man sich bestimmt auf einen angemessenen Abgang hätte einigen können, wenn man es denn versucht hätte…

Ich habe die Befürchtung, dass die gesetzten Zeichen Muster ohne Wert sind, zu viele Kurse hat man in der letzten Dekade eingeschlagen, ohne das zu ändern worauf es ankommt: Die eigene Denkweise.
Noch immer glaubt man hohe Saisonziele ausgeben zu müssen, weil man dem zahlenden Publikum halt nichts anderes verkaufen kann und trifft Entscheidungen aus dem selben Grund. Man verpflichtet neue Spieler, obwohl ihre Vorgänger noch da sind. Man entlässt kritisch denkende Mitarbeiter und schafft Posten für Buddies. Man freut sich über den Andrang auf Dauerkarten, hat es aber nicht nötig auf Änderungswünsche von Fans zu reagieren.

Ja, die Zeichen zu setzen ist wichtig und ich halte diese Entscheidungen auch grundsätzlich für richtig, nur würde ich sie gerne als Boten einer Veränderung, einer längst fälligen Erneuerung sehen, nur vermag ich diese nicht einmal am fernen Horizont zu erblicken. Darauf den Kindern den geliebten Dino zu nehmen hat man mit Recht verzichtet, aber aus den Köpfen der Verantwortlichen muss der Dino endlich raus!

PS: Auch ich lag mit vielen Einschätzungen falsch, habe Hoffnungen in Personen gesetzt, die dann Enttäuschten, habe mich blenden und hinters Licht führen lassen und vielleicht haben mich diese Erfahrungen überskeptisch, oder gar zynisch werden lassen. Nur zu gerne würde (und werde) ich meinen Irrtum eingestehen, wenn sich meine Einschätzungen denn als falsch herausstellen würden, ich hoffe sogar das tun zu müssen, daran glauben mag ich nicht.

Donnerstag, 13. Juni 2019

Auf ein Neues, auf ein Altes


Vor vier Wochen zog ich mit einem Moin HSV und jeder Menge guter Ratschläge in den Volkspark und tatsächlich ist seit dem viel passiert. Einiges war vorhersehbar, einiges neu und vieles halt so wie immer.
Vor dem Saisonabschlussspiel gegen Duisburg sagte mir ein befreundeter Ex-Profi ich solle mal aufpassen, wer sich bei dem Spiel alles verpissen würde. Als ich die Aufstellung sah, habe ich mir meinen Teil gedacht, möchte aber diese Gedanken nicht laut aussprechen, da ich mich damit auf das dünne Eis des Spekulierens begeben würde.

Dreinull war das Ergebnis der Abschlusspartie welche von den Duisburgern nur zu leicht hergeschenkt wurde. Trotzdem war es angenehm sich so einen Sommerkick anzusehen.
Für manche Zuschauer führte die Aufstellung zu einem Problem, denn nur zu gerne hätte man die Spieler ausgepfiffen, doch waren die, die da unten spielten nicht die, die die Pfiffe verdienten,
Für mich war das der Hauptgrund warum Gotoku Sakai die Wut der „Fans“ zu spüren bekam, steht er doch als ehemaliger Kapitän und erhoffter Leistungsträger sinnbildlich für den Niedergang des HSV.
Natürlich ist mir klar, dass man Sakai, der immer vorbildlich gekämpft hat schlechtesten Falls eine Mittäterschaft vorwerfen kann und dass vor ihm noch ganz andere zur Verantwortung gezogen werden müssten. Nur mussten sich diese nicht dieser Überflüssigen Einwechselung aussetzen.

Trainer raus, Manager raus – Alles wie immer halt und wie fast immer haben diejenigen, die sich für den Verbleib der beiden ausgesprochen haben die schlechteren Argumente. Zu eklatant war die Fehleinschätzung bei der Beurteilung der Hinserie, zu offensichtlich die Hilflosigkeit in der Rückrunde. Wieder einmal waren zwei absolute Fachleute am HSV gescheitert.

Geblieben ist Finanzchef, der einmal mehr das kleine Wunder Lizenz ohne Auflagen vollbracht hat und geblieben ist auch Bernd Hoffmann, dieser sitzt dank der Aufstockung des Aufsichtsrats auf sieben Personen und damit der Berufung seines einstigen Vizes Thomas Schulz fester denn je im Sattel, was seine Anhänger erfreut, mich aber fassungslos zurück lässt, ist der kontinuierliche Ausbau einer Hausmacht doch ganz bestimmt nicht das Zeichen einer Erneuerung im Verein. Habe ich noch Verständnis dafür, dass der zweitgrößte Anteilseigner seinen Mann im AR bekommt, kapiere ich nicht warum das auch für den Vorstandsvorsitzenden der AG so umgesetzt und vom Beirat durchgewunken wird.

Wenn Bernd Hoffmann von einer Erneuerung des HSV spricht, predigt er meiner Meinung nach Wasser, während er Wein trinkt. Wenn als Zeichen nach außen die Uhr abgebaut wird kommt es mir vor als würde Hoffmann „Mein Hamburg wie lieb ich dich“ singen.
Ich nehme ihm schlicht und ergreifend nicht ab, dass er alles dafür tut um den Verein neu aufzustellen, vor allem nicht wenn das Alles mit seinen eigenen Interessen zu kollidieren droht.
So, wie die Spitze des Vereins momentan aufgestellt ist wird es keine grundlegende Erneuerung des HSV geben. Traurig aber wahr.
-        Der HSV verpflichtet seinen Wunschkandidaten Jonas Boldt als Sportdirektor
-        Der HSV verpflichtet einen sehr geerdet wirkenden Dieter Hecking als Trainer
-        Über 21.000 HSVer haben ihre Dauerkarten verlängert
Nein, nicht alles ist schlecht beim HSV!


Bitte hört mal in das Gespräch von Daniel Jovanov mit Horst Hrubesch und Holger Hieronymus rein,
da wird vieles klar, was ich hier nur andeute.

Sonntag, 19. Mai 2019

Moin HSV

Moin HSV,
wir haben Sonntag, den 19.5.2019 10.30 Uhr und ich bereite mich gerade darauf vor in zwei Stunden in Richtung Volkspark zu fahren, um mir das Spiel gegen Duisburg anzusehen.
Du wirst mir nachsehen, dass sich meine Vorfreude auf ein Minimum reduziert hat, aber dafür hast du ja in den letzten Jahren selbst gesorgt, obwohl du das ja nicht warst, schließlich kann man der Titanic auch keinen Vorwurf machen, dass sie den Eisberg gerammt hat. Dieser Fakt ist auch der, der mich weiter in den Volkspark pilgern lässt, überhöhten Eintrittspreisen, überzogenen Erwartungen und untauglichen Leistungen zum Trotz.
Du, lieber HSV bist halt größer, als die, die dich in Richtung Eisberg steuern.

Ich frage mich seit Jahren schon wer was machen kann, damit es dir wieder besser geht, ich war sogar bereit meinen eigenen Einfluss zu begrenzen, damit du gesunden kannst. Im Nachhinein war dies eine Fehleinschätzung, da die neuen Kapitäne vielleicht ein Segelboot, oder einen Fischkutter, aber auf jeden Fall keinen Luxusliner steuern konnten.
So kollidierte man wie eh und je mit jedem Hindernis, das auf dem weiten Ozean zu finden war und holte sich Beule um Beule ab. Für viele kam der Abstieg vor einem Jahr dem Anlaufen eines Trockendocks gleich, wo es eine Grundüberholung unserer MS Dino geben könnte.
Weit gefehlt. Der Dino ist über dem Stand an dem er zu heilen gewesen ist längst hinaus und die Maßnahmen, die ergriffen wurden waren lebensverlängernd, trugen aber nichts zur Gesundung bei.

Und jetzt?
Jetzt könnten wir alle, die dich seit Jahren oder gar Jahrzehnten begleiten Trauer tragen und dich zu Grabe tragen, oder du nimmst deine letzte Kraft zusammen und schüttelst dich so kräftig, dass all das, was dich ein Dino sein ließ von dir abfällt.
Ja, ein Lotto King Karl ist ein wahrer Fan. Doch wie will man einem Verein abnehmen, dass er die zweite Liga ernst nimmt, wenn dort vor jedem Spiel davon gesungen wird, wie man den Bayern die Lederhosen ausziehen will?
Ja, Tradition ist wichtig und ein wesentlicher Teil von dir, schließlich hat man ihr zu Ehren ein Museum im Stadion eingerichtet, warum zur Raute hat man dann die vermaledeite Dinouhr nicht einfach abgebaut und eben dorthin verfrachtet? Wenn das Museum zu klein ist wird sich schon ein passender Platz finden.
Ja, das Dinodasein ist beendet und wird so lange nicht wiederkommen bis Zombies Realität werden, aber einen Zombiedino will hier doch nun wirklich auch niemand sehen.

Notgedrungen müssen neue Wege beschritten werden, um dich mein HSV (nicht den Dino) retten zu können. Jetzt ist es allerhöchste Zeit auch zu zeigen, dass man diese mit aller Konsequenz  verfolgt und zwar zeigen nach innen und nach außen!
Von mir aus kann für den Umbau des Museums noch einmal kräftig Geld in die Hand genommen werde, damit man auch wirklich alle Reliquien der Dinozeit dort unterbringen kann, denn:

Der Dino ist tot, lang lebe der HSV!