Mittwoch, 27. Januar 2016

Gedanken zur Causa Ilicevic

Der HSV ist so klamm, dass er sich nicht einmal mehr eine Vertragsverlängerung mit Ivo Ilicevic leisten kann!
Oder steckt etwas anderes wie langfristige Kaderplanung dahinter?
Ich hab mir mal ein paar Gedanken gemacht.

Als erstes muss man sich die Leistungsdaten von Ilicevic vor Augen führen, dabei beschränke ich mich auf die Bundesligaeinsätze.
In dieser Saison hat der Kroate alle Spiele bestritten und stand dabei im Schnitt knapp 68 Minuten auf dem Platz. Dabei sind ihm 2 Tore und drei Torvorlagen gelungen, einmal sah er die gelbe Karte.
Man kann also mit Fug und Recht behaupten, dass Ilicevic momentan ein Stammspieler ist.
Wir wissen aber auch, dass dies nicht immer so war.
Seit dem 31.8.2011 Ist Ivo beim HSV und hat bis zum Ablauf der Saison 14/15 lediglich 57 Spiele der 135 möglichen bestritten, 29,02%, oder 3.525 von 12.150 möglichen Minuten. Dabei erzielte er sieben Tore und bereitete ein weiteres vor. Sein Marktwert entwickelte sich von 5,5 mio€ auf 1,0 mio€ (Stand 1.7.15) zurück. Die Daten habe ich bei Tansfermarkt.de entnommen.

Böse Zungen können nun behaupten, die Einsatzbereitschaft von Ilicevic sei erst gestiegen, als der Vertrag im vergangenen Sommer auslief und stark leistungsbezogen für ein Jahr verlängert wurde. Ebenso gut kann man aber sagen, dass Ivo von der Aufbruchstimmung unter Labbadia profitierte und sogar seinen Teil dazu beigetragen hat, dass der HSV weiterhin erstklassig kicken darf.
Die Wahrheit liegt wohl wie immer irgendwo dazwischen.
Lange hielten sich Gerüchte, Ilicevic würde nicht gerade einem professionellen Lebensstil folgen und sich auch daher mit fortwährenden muskulären Problemen herumplagen, Gerüchte, die ich hier wiedergebe ohne sie beweisen zu können. Unumstritten war der Kroate unter den Fans jedoch nie.

Gerüchteweise wollte Ivo jetzt einen Dreijahresvertrag zu seinen alten Bezügen bekommen, die bei ca 2 mio€/Jahr gelegen haben sollen. Der HSV ist im Gegensatz zu anderen Vereinen nicht bereit dieses Risiko zu gehen und muss Ilicevic daher ablösefrei ziehen lassen.
Wenn Ilicevic dieses Angebot hat, kann man ihm nicht verübeln es anzunehmen und auch die Position des HSV ist nachvollziehbar, da man schon einmal mit einem langfristigen Vertrag für den Kroaten auf die Nase gefallen ist. Allerdings ist Stand heute auch klar, dass die Vertragsverlängerung im letzten Sommer richtig war. Spannend wird sein, wie sich der Fitnesszustand von Ivo entwickeln wird, wenn er bei seinem neuen Verein unterschrieben hat.

Der HSV muss sich gerade nach dem Abgang von Stieber nach Ersatz umsehen und dabei kreative Wege gehen, wie man momentan bei den Bemühungen um Mané sieht. Einen gesunden, einsatzwilligen Ivo Ilicevic wird man nicht für Kleingeld ersetzen können.
Trotzdem halte ich die Entscheidung des HSV für absolut richtig. Einen 29 jährigen, verletzungsanfälligen Spieler sollte man nicht langfristig an sich binden.

Ganz ähnlich sehe ich die Situation bei Kacar und Spahic, deren Verträge wie der von Ilicevic auslaufen.
Kacar spielte lediglich 6 der bisherigen 18 Spiele, fiel 10 mal verletzungsbedingt aus und wurde 2 mal nicht aufgestellt, zudem gleicht er von der Spielweise her Gideon Jung und Albin Ekdal. Daher würde ich ihm nur einen Jahresvertrag zu gleichbleibenden Bedingungen anbieten, die ähnlich wie bei Ilicevic vor dieser Saison gekürzt wurden. Für Kacar spricht dabei, dass er in der Verteidigung und im Mittelfeld einsetzbar ist.
Emir Spahic lief in 13 der 18 Saisonspielen auf und musste zweimal verfrüht vom Platz. Wir erinnern uns an die unberechtigte rote Karte von Köln und den Bänderanriss aus dem Match gegen Dortmund. Auch wenn Spahic als Stammspieler zu bezeichnen ist, habe ich mir etwas mehr von ihm versprochen, ohne genau sagen zu können was das ist. Besseren Spielaufbau vielleicht und mehr Abgeklärtheit in der Zweikampfführung. Auf jeden Fall sollte Cleber Reis den Bosnier spätestens zur kommenden Saison als Starter ablösen und dann macht es auch wenig Sinn dessen Vertrag zu verlängern.

Generell muss der HSV in Zukunft lernen auf die verlässlichen, erfahrenen, aber auch vom Alter fortgeschrittenen, zu Gunsten jüngerer und entwicklungsfähiger Spieler zu verzichten, um Perspektiven aufzuzeigen und attraktiv für diese jungen Spieler zu werden.
Die Umsetzung dieses Prozesses sehe ich als die Reifeprüfung für Bruno Labbadia an, der bislang nicht unbedingt als Verfechter des Jugendwahns galt. Deshalb halte ich die vergleichsweise kurze Laufzeit des neuen Vertrags mit dem Trainerteam (bis Sommer 2017) auch für absolut richtig.



Montag, 25. Januar 2016

Rückrundenstart

Zum Kotzen fand Bruno Labbadia, dass man sich für die engagierte Leistung zum Rückrundenstart nicht belohnt hat, eine Einschätzung, der ich auch wenn der Sieg der Bayern letztlich verdient war, absolut folgen kann. Die Art und Weise, wie die Gegentore gefallen bzw entstanden sind war zu unglücklich, als das man gleich wieder zur Tagesordnung übergehen könnte.
Die Reaktionszeit der HSVer nach der perfekt angewendeten Vorteilsauslegung vor dem 0:1 war zu lang und auch Adler schien nicht ganz bei der Sache gewesen zu sein, als er zu spät entschied Müller zu attackieren und diesen elfmeterreif abräumte. Beim 1:2 hob Dennis Diekmeier das Abseits auf und Lewandowski kann den Fuß in einen abgefälschten Schuss halten und so zum Doppeltorschützen werden.

Dem zwischenzeitlichen Ausgleich, durch den meiner Meinung nach direkt verwandelten Freistoß von Hunt, hätte man auch wegen der Abseitsstellung von Lasogga, der zum Ball geht und dadurch auch ohne das Spielgerät zu berühren aktiv war, die Anerkennung verweigern können. So gesehen hat der HSV zwei unnötige vielleicht auch unglückliche, aber korrekte Gegentore gefangen und ein glückliches und umstrittenes Tor geschossen.

1:2 nach Toren, 7:19 Torschüsse, 43,5% zu 55,5% gewonnene Zweikämpfe, 34% zu 66% Ballbesitz.
Statistisch gibt es am Sieg der Bayern auch wenn der HSV einen Kilometer mehr gelaufen ist absolut nichts zu rütteln und doch ist es gelungen, die Bayern vom eigenen Tor wegzuhalten. Die Defensive stand gut und vorne wurde der Spielaufbau des Meisters durch konsequentes Anlaufen gestört, viele lange Bälle, recht leicht zu verteidigen, waren die Folge daraus.
Probleme bereitete lediglich der Geschwindigkeitsüberschuss von Conan und Costa auf außen, was zu vielen Freistößen führte, die allerdings unter der Würde der Bayern zu sein schienen und einfach abgeschenkt wurden.

Nein für diese Leistung muss sich der HSV nicht schämen und somit war der Ärger Labbadias nachvollziehbar, denn am Freitag war gegen Bayern mehr drin als diese knappe Heimniederlage.
Kaufen kann man sich davon allerdings auch nichts und so gilt es die volle Konzentration auf das kommende Spiel in Stuttgart zu richten, damit es dort mehr als nur Komplimente gibt.

Vielleicht ist bis dahin ja sogar schon Carlos Mane´ in Hamburg angekommen, an dessen Beispiel man sehen kann, wie die Kaderentwicklung beim HSV trotz leerer Kassen von statten gehen kann.
Mane´, ein 21 jähriger portugiesischer  U21 Nationalspieler, der bei Sporting nicht zum Zuge kommt soll für eineinhalb Jahre ausgeliehen werden. Dem Vernehmen nach soll Peter Knäbel versuchen eine Kaufoption um 10 mio € auszuhandeln, im bis 2020 laufenden Vertrag des offensiven Außenspielers steht eine Ausstiegsklausel von 60 mio €.

Selbstverständlich kann man nicht davon ausgehen, dass ein 21 jähriger, der bislang nur bei seinem Heimatverein gespielt hat zu einer sofortigen Verstärkung wird, doch für die nächste Saison sollte mit ihm zu rechnen sein. Sollte er einschlagen und so seinen aktuell bei 8 mio € liegenden Marktwert steigern könnte die Kaufoption sogar zwecks eines Weiterverkaufs gezogen werden, sollte Mane´sich nicht durchsetzen bliebe das Risiko jedoch überschaubar. Wichtig ist nur, dass man mit aller Kraft versucht ihn zu integrieren und ihm Spielzeit zukommen lässt.

Aus diesem Grund erachte ich es auch für sinnvoll Cleber spielen zu lassen, selbst wenn Emir Spahic nach seiner Bauchmuskelverletzung zurückkehren sollte. Beide sind von den Anlagen sehr ähnlich, das Plus der Erfahrung von Spahic gleicht Cleber durch die etwas bessere Technik wieder aus und bei beiden ist die Gefahr von unüberlegten Zweikämpfen die zu Karten oder Elfmetern führen können vorhanden. Wenn zwei Spieler auf einem Level sind, sollte jedoch der Jüngere den Vorzug bekommen. Das macht sowohl von der sportlichen, als auch von der finanziellen Entwicklung her Sinn.
Vielleicht war die Berufung von Finn Porath an Stelle von Ivica Olic in den Kader von Freitag ja schon ein erstes Zeichen des Umdenkens beim HSV. Die Hängepartie um die Vertragsverlängerung von Bruno Labbadia wird schließlich Ursachen gehabt haben.

Angesichts der Lage des HSV (sportlich und finanziell) werden auch die vermeidlich kleinen Entscheidungen für die Entwicklung sehr wichtig werden und für viel Gesprächsstoff sorgen. Langweilig wird es auf jeden Fall nicht werden.

Donnerstag, 31. Dezember 2015

Damals beim Darts

 Momentan läuft ja die DartsWM und da ist es durchaus angebracht sich mal wieder an die eigene "Karriere" zu erinnern. ich habe dazu vor fast 5 Jahren mal was auf SPOX.com geschrieben.

Damals beim Darts

Für die Recherche zu meinem Erstlingswerk in der Damals-Gruppe habe ich
mich in die Tiefe der Zwergen-Ruhmeshalle begeben und habe mein
sportliches Dasein noch einmal an mir vorüberziehen lassen.
Nach zehn Sekunden hab ich mich dann für eine Geschichte entschieden.

Aufgewachsen bin ich im Norden der schönsten Stadt der Welt, was den
Vorteil eines kleinstädtischen Flairs in der Hafenmetropole hatte.
In Langenhorn gab es zwar ein Naturschutzgebiet, jedoch keine vernünftige
Kneipe, in der sich junge Heranwachsende, die wir in den frühen 80ern
waren, sinnvoll, sprich mit Billard, Darts und Kickern beschäftigen konnten.

Also wichen wir nach Norderstedt aus, wo wir eine Kneipe fanden, die neben
den angesprochenen Beschäftigungsmöglichkeiten auch den Vorteil der
Abgeschiedenheit besaß, sodass man bei der Abfahrt auch mal den Hahn
aufreißen konnte.
Aus vielerlei Gründen machte unsere Heimat in den frühen 90ern dicht.
Glücklicherweise hatten zu der Zeit zwei Langenhorner Biker ein Billard-Cafe
im nahen Ulzburg aufgemacht, sodass wir vertrieben aber nicht heimatlos
waren.

In Ulzburg stellten wir uns dem Vergleich mit dem ortsansässigen Klientel,
welchen wir im Billard und Darts oft verloren, am Kicker jedoch ging der
Sieg jahrelang nur an uns Langenhorner.
Als wahre Sportsmänner nahmen wir trotzdem auch an den Turnieren
im Billard und Darts teil.

Im Darts gab es sogar eine Ligamannschaft, die ihre Wurzeln im Billard hatte
und mit denen wir häufig spielten und dabei so manches Getränk verloren.
Mitte der 90er Jahr habe ich bei einer Feier die Arbeitskollegin eines Freundes
kennengelernt und diese auch ab und zu ins Billard mitgeschleift, merkwürdiger
Weise hat sie sich auch nicht allzu sehr dagegen gewehrt.

Beim nächsten Dartsturnier meldete ich mich wieder an und da die besagte
Kollegin meines Freundes auch da war, spielten wir zusammen im Doppel.
Zu meiner Spielstärke ist zu sagen, dass mir zwar ab und zu mal eine 180
rausgerutscht ist, ich von einem 9 Darts-Finish aber in etwa so weit entfernt
war, wie Kevin Kuranyi vom Torschützenkönig bei der EM 2012.
Normalerweiser benötigten wir 18-30 Darts um die 501 mit einem Doppel
auszuwerfen.

Dementsprechend schied ich im Einzel nach zwei gewonnen Runden im
Achtelfinale aus und konnte mich auf das Doppel konzentrieren.
Im Doppel wurde abwechselnd geworfen, also drei Darts der Eine, drei Darts
der Andere Partner und was soll ich sagen, wir spielten uns ins Halbfinale
in dem wir dem topgesetzten Paar mit 3:1 Frames unterlagen.
Diese waren allerdings so stark, dass sie in einer anderen, unerreichbaren Liga
spielten und jedes Wochenende irgendwo in Norddeutschland Turniere
spielten.

Im Spiel um den dritten Platz trafen wir nun auf das Topdoppel, der heimischen
Ligamannschaft, gegen die wir auf dem Papier keine Chance hatten.
Meine Partnerin bewies während des Turniers zwar eine ruhige Hand, gerade
beim erzielen der Doppel, hatte jedoch bei der Berechnung des Weges zum
passenden Doppel ihre Schwierigkeiten. Daher war lag es an mir ihr vor
jeden Wurf das richtige Feld anzusagen.

Selbstverständlich gewannen wir das Spiel, die Pokale und ein bisschen
Preisgeld und meine Partnerin traf, von mir souffliert, die wichtigen Doppel
mit einer Sicherheit, die unsere Gegner verzweifeln lies.
Nun sind solche Siege, die man in einem Umfeld, das man regelmäßig
frequentiert erringt besonders süß, das Besondere an diesem Tag war jedoch,
dass aus meiner Partnerin meine Zwergin wurde und wir seit fast fünfzehn
Jahren verheiratet sind.

Herzlichen Dank für´s Lesen in 2015 und einen guten Rutsch ins neue Jahr!

Montag, 7. Dezember 2015

Mit den eigenen Waffen

Selten habe ich eine Niederlage so gelassen aufgenommen, wie die gegen Mainz. Ich bin wirklich überzeugt, dass bei uns wieder einige abgehoben wären, wenn wir dieses Spiel gewonnen hätten.
So konnte ich die wiederholt erklingenden Europapokal-Gesänge der Fans nach dem Abpfiff als das aufnehmen, was sie waren.
Da kann ich mit um.

Wir waren mit Mainz auf Augenhöhe und in solch engen Spielen sind es oft die Kleinigkeiten, die den Ausschlag geben. Wenn ich die Chancenverwertung als entscheidenden Faktor für den Ausgang des Spiels ausmache lehne ich mich bestimmt nicht zu weit aus dem Fenster.
Man kann sagen, dass uns die Mainzer mit den eigenen Waffen geschlagen haben.
Hinten stabil und vorne eiskalt. Dies gepaart mit hoher Laufbereitschaft, mit Kampfkraft und einer Portion Glück. Diese Zusammenfassung kann man auf Sonnabend, aber auch auf die beiden Spiele zuvor anwenden, in denen das Pendel in unsere Richtung ausschlug.

Mir gefällt momentan sehr gut, dass keiner die vielen Verletzten als Ausrede anführt, auch wenn man merkte, dass ein Lasogga gefehlt hat und sein Vertreter vielleicht am wenigsten überzeugen konnte.
Nach dem Rückstand sind wir gegen noch kompaktere Mainzer zu einigen Chancen gekommen, was ich für eine deutliche Steigerung zur Vorsaison halte, nach dem 0:2 hingen die Köpfe dann doch etwas, aber auch das ist nur normal. Eine besser eingespielte Mannschaft hätte in der zweiten Halbzeit vielleicht die Möglichkeit gehabt das Spiel zu drehen, aber so weit sind wir dann halt noch nicht.
Das Tor zum 1:3 ist aber gut für das Ego und sorgt dafür, dass man geschlagen, aber erhobenen Hauptes vom Spielfeld gehen konnte.

Ich bin gespannt wie Labbadia jetzt, da Spahic zurück kommt mit Cleber verfahren wird, der mir wieder gut gefallen hat. Sollte Bruno sich für den Bosnier entscheiden, hoffe ich darauf, dass er dem Brasilianer die Entscheidung gut erklärt. Sakai hat vielleicht sein schlechtestes Spiel von Anfang an gemacht, obwohl er mir bei einigen Offensivaktionen durchaus gefallen hat. Ich fände gut, wenn Go auf links wechseln würde, wo mich Matze Ostrzolek nach wie vor nicht begeistern kann.

Die größte Herausforderung für Labbadia wird aber sein, einen Weg zu finden um die Schüsse von Gregoritsch zuverlässig abzufälschen. Ach Gregerl meinte nicht nur ich, nicht nur einmal…
Aber wenn nicht der Jüngste, wer dürfte sich sonst diese Abschlussschwäche erlauben? Immerhin kommt er, anders als Schipplock zu Chancen.
Ich sehe keinen Grund zur überzogenen Kritik nach diesem Spiel, da hat mich der Auftritt gegen Hannover doch um ein vielfaches mehr geärgert und so bin ich gespannt, wie die Mannschaft in Wolfsburg  auftritt. Ich sehe sie dort nicht chancenlos, wenngleich die Autostädter eine Heimmacht sind und daher jeder Punktgewinn als Bonus bezeichnet werden dürfte.
 Zum Glück sind es noch acht Zähler auf den Relegationsplatz und somit sollte eine ruhige Winterpause garantiert sein.

Spannend wird sein, wie sich die Personalsituation im Winter entwickelt. Gehen Olic und Stieber, um ihre Chance auf die EM zu wahren? Lässt man Diaz bei einem entsprechenden Angebot ziehen? Findet man einen Abnehmer für Rudnevs?
Angesichts der finanziellen Situation wäre es gut, wenn diese Spieler abgegeben werden würden, selbst wenn man keinen Ersatz verpflichten könnte. Allerdings wird das der Trainer wohl komplett anders sehen.

Donnerstag, 3. Dezember 2015

Klotz am Bein

Nein, überraschend kam das erneute Minus in der Bilanz des HSV nicht mehr. Dass es am Ende gar 16,9 Millionen Euro geworden sind ist aber schon alarmierend.
Die Ursachen für dieses Minus liegen auf der Hand und wurden seit Monaten auch hier immer wieder angesprochen. Ein Zusammenspiel von Altlasten und Neuschulden hat den HSV in eine Situation gebracht, in der jetzt der Anker geworfen werden muss.
„Grundsätzlich gilt, dass der HSV in Zukunft - anders als in der Vergangenheit - seine Transfertätigkeiten konsequent an seinen wirtschaftlichen Möglichkeiten ausrichten muss.“
So Finanzvorstand Wettstein auf HSV.de

Dabei sollte jedem klar sein, dass mit Vergangenheit nicht nur die eV-Zeiten, sondern auch und gerade die ersten Transferphasen als AG gemeint sind. 12,65 mio€ betrug das reine Transferminus der Saison 14/15. Dazu kam das Anheben des Gehaltsvolumen um ca 10 mio€. In der laufenden Saison wurden bei den Transfers 9,45 mio€ minus gemacht und die Spielergehälter wieder ungefähr auf das Maß von 13/14 zurückgeführt. (Quelle Transfermarkt.de)

Beiersdorfer begründet die Investitionen vor der Saison 14/15 damit, dass er nach der 27 Punkte Saison und der Relegation gegen Fürth neue Reizpunkte setzen und die Mannschaft stabilisieren wollte, dass dieses Vorhaben durch die eklatante Fehleinschätzung in der Trainerfrage scheiterte ist auch keine Neuheit.
Natürlich kann man jetzt sagen, dass man ohne den einen oder anderen Transfer nicht schlechter dastehen würde, allerdings kann man das nur schwer belegen. Lediglich der Fall Olic fällt leider ohne Zweifel in diese Kategorie. Betrachtet man die Transfers aus der heutigen Sicht, mit den Entwicklungen die Spieler wie Holtby, Lasogga und Müller in einem stabilen sportlichen Umfeld genommen haben, bleiben am Ende nicht viele Flops. Die aber, wurden teuer.

Die Mannschaft scheint derzeit so gefestigt, dass man sie zur kommenden Saison nur punktuell verändern müssen wird. Fraglich ist aber, ob man es sich leisten kann, die auslaufenden Verträge von Djourou, Spahic, Diekmeier, Kacar und Ilicevic inklusive der normaler Weise fälligen Handgelder zu verlängern und ob man bei entsprechenden Angeboten alle Leistungsträger wird halten können.
Allein durch diese Fragestellung sieht man wie groß der Klotz am Bein des Dinosauriers ist, den er sich durch sein Handeln in den letzten Jahren selbst umgebunden hat.
Ich hoffe, dass wir in naher Zukunft präzisere Angaben bekommen, wie der HSV gedenkt sich dieses Klotzes zu entledigen. Für eine genauere Einschätzung der Situation scheinen mir die Angaben des Vereins doch noch zu schwammig zu sein und der Ausblick auf die nahe Zukunft fehlt mir sowohl bei den bisherigen Aussagen von Wettstein, als auch bei denen von Beiersdorfer.

„Alles was uns fehlt ist der Erfolg“ sagte Carl Edgar Jarchow vor gut zwei Jahren in der Analyse der Situation, eine Aussage die ihm auch von mir Spott einbrachte.
Manchmal frage ich mich, ob wir seit dem viel weiter gekommen sind.
Andersrum will ich noch nicht auf die Vereinsführung (AG-Leitung) eindreschen, da sich zumindest sportlich einiges verbessert hat. Der Zeitpunkt eine Reißleine zu ziehen ist noch nicht gekommen, die Herausforderung den Spagat zwischen finanzieller und sportlicher Gesundung zu meistern wird allerdings auch nicht geringer.

Montag, 30. November 2015

Nach dem Dörbysieg

Erstaunt blickte ich in der Halbzeit des Norddörbys auf die Blitztabelle, die den HSV als sechsten auswies. Von oben! Da ich meinen Verein ja schon ein wenig kennen, bekam ich es sofort mit der Angst zu tun:
 Und richtig von der Bissigkeit der ersten Hälfte sind anscheinend 5 Prozent in der Kabine geblieben, was ausreichte um Werder ins Spiel kommen zu lassen. Fast folgerichtig fiel dann auch der Anschlusstreffer.


 Doch am Sonnabend hatte der HSV auf diesen Rückschlag die passende Antwort und konterte die Tierschützer auf Zeit konsequent aus. Der Rest war Genuss und Jubel.


Heute, zwei Tage später gilt es das Gesehene einzuordnen und den Fokus auf das kommende Spiel zu richten.
Die oben angeführte Phase nach der Halbzeit machte wieder einmal deutlich, dass es sich der HSV ein Nachlassen nicht leisten kann. Ruft die Mannschaft keine 100% ab, kriegt sie mit jedem Gegner Probleme. Positiv ist jedoch, dass sie sich davon schnell erholt hat und gleich die erste Chance genutzt und so dem Gegner den Zahn gezogen hat.

21 Punkte nach 14 Spielen, 11 Zähler Vorsprung auf den Relegationsplatz. Das sind die Zahlen, die mich heute wieder interessieren. Platz 7 ist da nur eine Randnotiz.
Wenn ein Rene Adler meint, dass der Abstand nach oben wesentlich geringer als der nach unten ist und er sich daher auch entsprechend orientiert mag das von der Logik her nachvollziehbar sein, trotzdem halte ich derlei Aussagen für gefährlich, da sie den Blick für das Wesentliche trüben können und das ist und bleibt der Klassenerhalt ohne Relegation.

Trotzdem ist die, gerade in den letzten beiden Spielen gezeigte Leistung beeindruckend. Zieht man die personelle Situation hinzu sogar noch mehr. Allen Ausfällen und Umstellungen zum Trotz ruft jeder Spieler seine Leistung ab und stellt diese in den Dienst des Teams.
Ich habe am Sonntag im Rausch des Derbysiegs nach langer Zeit mal wieder in den Doppelpass geguckt um zu hören wie Deutschlands Expertenrunde die Entwicklung beim HSV einschätzt. Während (was denken) Strunz diese schon mit der Dortmunds unter Klopp verglich, blieb sie Eistonnen-Büchler verborgen, der noch nicht einmal eine Veränderung im Kader bemerkte.

Die Wahrheit liegt meiner Meinung nach wie so oft irgendwo in der Mitte zwischen den Extremen. Nein, mit Dortmund unter Klopp möchten ich den HSV dieser Tage nicht verglichen wissen. Ich freue mich wie Bolle darüber im Spiel meines Leib- und Magenvereins eine einheitliche Idee zu erkennen, jeden vernünftigen Spielzug feiere ich wie einen Titel in den 80ern und den Abstand zum Tabellenende genieße ich von Herzen. Trotzdem vergesse ich nicht über welchen Verein wir reden. Wir erleben gerade Phase 1 der sportlichen Konsolidierung des HSV, in Phase 2 heißt es jetzt die Leistungen zu stabilisieren, damit die zweifellos kommenden Ausreißer seltener werden.
Zur kommenden Saison gilt es dann -zur Phase 3- junge Spieler in das Mannschaftsgefüge einzubauen, was angesichts der finanziellen Lage alternativlos ist. Sollte das gelingen, die dabei zu erwartenden Rückschläge weggesteckt werden, ohne das Erreichte umzuwerfen, dann hätte man wirklich etwas erreicht.

Freuen wir uns heute über den Dörbysieg, über zwei Spiele (zwei Siege) in Folge mit einer restlos überzeugen Leistung und auch über die Tabellensituation. Seien wir uns aber auch Bewusst, dass zum Klassenerhalt noch 19 Punkte fehlen.

Donnerstag, 26. November 2015

Immer wieder Kacar

Es gibt Dinge im Fußball, die gibt es kaum.
Das Verhältnis von Gojko Kacar und dem HSV ist so eine Sache.
Als Hoffnungsträger vom Berliner Ligakonkurrenten gekommen, konnte er den hohen Erwartungen aus unterschiedlichsten Gründen nie gerecht werden. Müßig zu zählen wie viele Trainer Gojko beim HSV bisher hatte, wie oft er aussortiert wurde, oder zumindest auf der Abschussliste stand.
Wenn er spielte wusste er zumeist zu überzeugen, ob in der Innenverteidigung oder im Mittelfeld. Lediglich in der Zwoten ließ er sich mal hängen, was bei einigen Fans halt hängen blieb.

Nach einer Sache kann man sich aber seit er beim HSV ist die Uhr stellen: Immer, wenn er sich in die Startelf gekämpft hat folgt garantiert eine Verletzung!
Gestern war ich seit langer Zeit mal wieder beim Training und ich war sehr angetan von der Intensität der Einheit. Das ging schon richtig zur Sache. Kacar war mir aufgefallen, weil er mehrmals wie ein Rohrspatz schimpfte, als sein Übungsteam nicht richtig agierte und ich dachte noch, dass er mit diesem Engagement den Platz im Mittelfeld diesmal längerfristig besetzen könnte.
Heute ist er wieder verletzt. Außenbandanriss. Nach einer Grätsche ist ihm ein anderer Spieler aufs Bein gefallen. Hinrundenaus. Wahnsinn.

Fünfeinhalb Jahre ist der Serbe jetzt beim HSV und man kann immer noch nur erahnen, wie sehr ein fitter, voll im Spielsystem integrierter Gojko Kacar der Mannschaft helfen würde. Angedeutet hat er das (wieder) zum Ende der letzten Saison, als er aus dem Nichts zu einem Leistungsträger wurde und auch bei seinen Einsätzen in dieser Spielzeit wusste er -wie auch gegen Dortmund- zu gefallen. Der Bandscheibenvorfall und jetzt das Knie verhinderten, dass daraus ein Stammplatz werden konnte.

In der Winterpause wird Kacar wieder angreifen und alles geben um in Team zurück zu kommen.
Ich wünsche ihm dabei alles Gute!