Donnerstag, 31. Dezember 2015

Damals beim Darts

 Momentan läuft ja die DartsWM und da ist es durchaus angebracht sich mal wieder an die eigene "Karriere" zu erinnern. ich habe dazu vor fast 5 Jahren mal was auf SPOX.com geschrieben.

Damals beim Darts

Für die Recherche zu meinem Erstlingswerk in der Damals-Gruppe habe ich
mich in die Tiefe der Zwergen-Ruhmeshalle begeben und habe mein
sportliches Dasein noch einmal an mir vorüberziehen lassen.
Nach zehn Sekunden hab ich mich dann für eine Geschichte entschieden.

Aufgewachsen bin ich im Norden der schönsten Stadt der Welt, was den
Vorteil eines kleinstädtischen Flairs in der Hafenmetropole hatte.
In Langenhorn gab es zwar ein Naturschutzgebiet, jedoch keine vernünftige
Kneipe, in der sich junge Heranwachsende, die wir in den frühen 80ern
waren, sinnvoll, sprich mit Billard, Darts und Kickern beschäftigen konnten.

Also wichen wir nach Norderstedt aus, wo wir eine Kneipe fanden, die neben
den angesprochenen Beschäftigungsmöglichkeiten auch den Vorteil der
Abgeschiedenheit besaß, sodass man bei der Abfahrt auch mal den Hahn
aufreißen konnte.
Aus vielerlei Gründen machte unsere Heimat in den frühen 90ern dicht.
Glücklicherweise hatten zu der Zeit zwei Langenhorner Biker ein Billard-Cafe
im nahen Ulzburg aufgemacht, sodass wir vertrieben aber nicht heimatlos
waren.

In Ulzburg stellten wir uns dem Vergleich mit dem ortsansässigen Klientel,
welchen wir im Billard und Darts oft verloren, am Kicker jedoch ging der
Sieg jahrelang nur an uns Langenhorner.
Als wahre Sportsmänner nahmen wir trotzdem auch an den Turnieren
im Billard und Darts teil.

Im Darts gab es sogar eine Ligamannschaft, die ihre Wurzeln im Billard hatte
und mit denen wir häufig spielten und dabei so manches Getränk verloren.
Mitte der 90er Jahr habe ich bei einer Feier die Arbeitskollegin eines Freundes
kennengelernt und diese auch ab und zu ins Billard mitgeschleift, merkwürdiger
Weise hat sie sich auch nicht allzu sehr dagegen gewehrt.

Beim nächsten Dartsturnier meldete ich mich wieder an und da die besagte
Kollegin meines Freundes auch da war, spielten wir zusammen im Doppel.
Zu meiner Spielstärke ist zu sagen, dass mir zwar ab und zu mal eine 180
rausgerutscht ist, ich von einem 9 Darts-Finish aber in etwa so weit entfernt
war, wie Kevin Kuranyi vom Torschützenkönig bei der EM 2012.
Normalerweiser benötigten wir 18-30 Darts um die 501 mit einem Doppel
auszuwerfen.

Dementsprechend schied ich im Einzel nach zwei gewonnen Runden im
Achtelfinale aus und konnte mich auf das Doppel konzentrieren.
Im Doppel wurde abwechselnd geworfen, also drei Darts der Eine, drei Darts
der Andere Partner und was soll ich sagen, wir spielten uns ins Halbfinale
in dem wir dem topgesetzten Paar mit 3:1 Frames unterlagen.
Diese waren allerdings so stark, dass sie in einer anderen, unerreichbaren Liga
spielten und jedes Wochenende irgendwo in Norddeutschland Turniere
spielten.

Im Spiel um den dritten Platz trafen wir nun auf das Topdoppel, der heimischen
Ligamannschaft, gegen die wir auf dem Papier keine Chance hatten.
Meine Partnerin bewies während des Turniers zwar eine ruhige Hand, gerade
beim erzielen der Doppel, hatte jedoch bei der Berechnung des Weges zum
passenden Doppel ihre Schwierigkeiten. Daher war lag es an mir ihr vor
jeden Wurf das richtige Feld anzusagen.

Selbstverständlich gewannen wir das Spiel, die Pokale und ein bisschen
Preisgeld und meine Partnerin traf, von mir souffliert, die wichtigen Doppel
mit einer Sicherheit, die unsere Gegner verzweifeln lies.
Nun sind solche Siege, die man in einem Umfeld, das man regelmäßig
frequentiert erringt besonders süß, das Besondere an diesem Tag war jedoch,
dass aus meiner Partnerin meine Zwergin wurde und wir seit fast fünfzehn
Jahren verheiratet sind.

Herzlichen Dank für´s Lesen in 2015 und einen guten Rutsch ins neue Jahr!

Montag, 7. Dezember 2015

Mit den eigenen Waffen

Selten habe ich eine Niederlage so gelassen aufgenommen, wie die gegen Mainz. Ich bin wirklich überzeugt, dass bei uns wieder einige abgehoben wären, wenn wir dieses Spiel gewonnen hätten.
So konnte ich die wiederholt erklingenden Europapokal-Gesänge der Fans nach dem Abpfiff als das aufnehmen, was sie waren.
Da kann ich mit um.

Wir waren mit Mainz auf Augenhöhe und in solch engen Spielen sind es oft die Kleinigkeiten, die den Ausschlag geben. Wenn ich die Chancenverwertung als entscheidenden Faktor für den Ausgang des Spiels ausmache lehne ich mich bestimmt nicht zu weit aus dem Fenster.
Man kann sagen, dass uns die Mainzer mit den eigenen Waffen geschlagen haben.
Hinten stabil und vorne eiskalt. Dies gepaart mit hoher Laufbereitschaft, mit Kampfkraft und einer Portion Glück. Diese Zusammenfassung kann man auf Sonnabend, aber auch auf die beiden Spiele zuvor anwenden, in denen das Pendel in unsere Richtung ausschlug.

Mir gefällt momentan sehr gut, dass keiner die vielen Verletzten als Ausrede anführt, auch wenn man merkte, dass ein Lasogga gefehlt hat und sein Vertreter vielleicht am wenigsten überzeugen konnte.
Nach dem Rückstand sind wir gegen noch kompaktere Mainzer zu einigen Chancen gekommen, was ich für eine deutliche Steigerung zur Vorsaison halte, nach dem 0:2 hingen die Köpfe dann doch etwas, aber auch das ist nur normal. Eine besser eingespielte Mannschaft hätte in der zweiten Halbzeit vielleicht die Möglichkeit gehabt das Spiel zu drehen, aber so weit sind wir dann halt noch nicht.
Das Tor zum 1:3 ist aber gut für das Ego und sorgt dafür, dass man geschlagen, aber erhobenen Hauptes vom Spielfeld gehen konnte.

Ich bin gespannt wie Labbadia jetzt, da Spahic zurück kommt mit Cleber verfahren wird, der mir wieder gut gefallen hat. Sollte Bruno sich für den Bosnier entscheiden, hoffe ich darauf, dass er dem Brasilianer die Entscheidung gut erklärt. Sakai hat vielleicht sein schlechtestes Spiel von Anfang an gemacht, obwohl er mir bei einigen Offensivaktionen durchaus gefallen hat. Ich fände gut, wenn Go auf links wechseln würde, wo mich Matze Ostrzolek nach wie vor nicht begeistern kann.

Die größte Herausforderung für Labbadia wird aber sein, einen Weg zu finden um die Schüsse von Gregoritsch zuverlässig abzufälschen. Ach Gregerl meinte nicht nur ich, nicht nur einmal…
Aber wenn nicht der Jüngste, wer dürfte sich sonst diese Abschlussschwäche erlauben? Immerhin kommt er, anders als Schipplock zu Chancen.
Ich sehe keinen Grund zur überzogenen Kritik nach diesem Spiel, da hat mich der Auftritt gegen Hannover doch um ein vielfaches mehr geärgert und so bin ich gespannt, wie die Mannschaft in Wolfsburg  auftritt. Ich sehe sie dort nicht chancenlos, wenngleich die Autostädter eine Heimmacht sind und daher jeder Punktgewinn als Bonus bezeichnet werden dürfte.
 Zum Glück sind es noch acht Zähler auf den Relegationsplatz und somit sollte eine ruhige Winterpause garantiert sein.

Spannend wird sein, wie sich die Personalsituation im Winter entwickelt. Gehen Olic und Stieber, um ihre Chance auf die EM zu wahren? Lässt man Diaz bei einem entsprechenden Angebot ziehen? Findet man einen Abnehmer für Rudnevs?
Angesichts der finanziellen Situation wäre es gut, wenn diese Spieler abgegeben werden würden, selbst wenn man keinen Ersatz verpflichten könnte. Allerdings wird das der Trainer wohl komplett anders sehen.

Donnerstag, 3. Dezember 2015

Klotz am Bein

Nein, überraschend kam das erneute Minus in der Bilanz des HSV nicht mehr. Dass es am Ende gar 16,9 Millionen Euro geworden sind ist aber schon alarmierend.
Die Ursachen für dieses Minus liegen auf der Hand und wurden seit Monaten auch hier immer wieder angesprochen. Ein Zusammenspiel von Altlasten und Neuschulden hat den HSV in eine Situation gebracht, in der jetzt der Anker geworfen werden muss.
„Grundsätzlich gilt, dass der HSV in Zukunft - anders als in der Vergangenheit - seine Transfertätigkeiten konsequent an seinen wirtschaftlichen Möglichkeiten ausrichten muss.“
So Finanzvorstand Wettstein auf HSV.de

Dabei sollte jedem klar sein, dass mit Vergangenheit nicht nur die eV-Zeiten, sondern auch und gerade die ersten Transferphasen als AG gemeint sind. 12,65 mio€ betrug das reine Transferminus der Saison 14/15. Dazu kam das Anheben des Gehaltsvolumen um ca 10 mio€. In der laufenden Saison wurden bei den Transfers 9,45 mio€ minus gemacht und die Spielergehälter wieder ungefähr auf das Maß von 13/14 zurückgeführt. (Quelle Transfermarkt.de)

Beiersdorfer begründet die Investitionen vor der Saison 14/15 damit, dass er nach der 27 Punkte Saison und der Relegation gegen Fürth neue Reizpunkte setzen und die Mannschaft stabilisieren wollte, dass dieses Vorhaben durch die eklatante Fehleinschätzung in der Trainerfrage scheiterte ist auch keine Neuheit.
Natürlich kann man jetzt sagen, dass man ohne den einen oder anderen Transfer nicht schlechter dastehen würde, allerdings kann man das nur schwer belegen. Lediglich der Fall Olic fällt leider ohne Zweifel in diese Kategorie. Betrachtet man die Transfers aus der heutigen Sicht, mit den Entwicklungen die Spieler wie Holtby, Lasogga und Müller in einem stabilen sportlichen Umfeld genommen haben, bleiben am Ende nicht viele Flops. Die aber, wurden teuer.

Die Mannschaft scheint derzeit so gefestigt, dass man sie zur kommenden Saison nur punktuell verändern müssen wird. Fraglich ist aber, ob man es sich leisten kann, die auslaufenden Verträge von Djourou, Spahic, Diekmeier, Kacar und Ilicevic inklusive der normaler Weise fälligen Handgelder zu verlängern und ob man bei entsprechenden Angeboten alle Leistungsträger wird halten können.
Allein durch diese Fragestellung sieht man wie groß der Klotz am Bein des Dinosauriers ist, den er sich durch sein Handeln in den letzten Jahren selbst umgebunden hat.
Ich hoffe, dass wir in naher Zukunft präzisere Angaben bekommen, wie der HSV gedenkt sich dieses Klotzes zu entledigen. Für eine genauere Einschätzung der Situation scheinen mir die Angaben des Vereins doch noch zu schwammig zu sein und der Ausblick auf die nahe Zukunft fehlt mir sowohl bei den bisherigen Aussagen von Wettstein, als auch bei denen von Beiersdorfer.

„Alles was uns fehlt ist der Erfolg“ sagte Carl Edgar Jarchow vor gut zwei Jahren in der Analyse der Situation, eine Aussage die ihm auch von mir Spott einbrachte.
Manchmal frage ich mich, ob wir seit dem viel weiter gekommen sind.
Andersrum will ich noch nicht auf die Vereinsführung (AG-Leitung) eindreschen, da sich zumindest sportlich einiges verbessert hat. Der Zeitpunkt eine Reißleine zu ziehen ist noch nicht gekommen, die Herausforderung den Spagat zwischen finanzieller und sportlicher Gesundung zu meistern wird allerdings auch nicht geringer.

Montag, 30. November 2015

Nach dem Dörbysieg

Erstaunt blickte ich in der Halbzeit des Norddörbys auf die Blitztabelle, die den HSV als sechsten auswies. Von oben! Da ich meinen Verein ja schon ein wenig kennen, bekam ich es sofort mit der Angst zu tun:
 Und richtig von der Bissigkeit der ersten Hälfte sind anscheinend 5 Prozent in der Kabine geblieben, was ausreichte um Werder ins Spiel kommen zu lassen. Fast folgerichtig fiel dann auch der Anschlusstreffer.


 Doch am Sonnabend hatte der HSV auf diesen Rückschlag die passende Antwort und konterte die Tierschützer auf Zeit konsequent aus. Der Rest war Genuss und Jubel.


Heute, zwei Tage später gilt es das Gesehene einzuordnen und den Fokus auf das kommende Spiel zu richten.
Die oben angeführte Phase nach der Halbzeit machte wieder einmal deutlich, dass es sich der HSV ein Nachlassen nicht leisten kann. Ruft die Mannschaft keine 100% ab, kriegt sie mit jedem Gegner Probleme. Positiv ist jedoch, dass sie sich davon schnell erholt hat und gleich die erste Chance genutzt und so dem Gegner den Zahn gezogen hat.

21 Punkte nach 14 Spielen, 11 Zähler Vorsprung auf den Relegationsplatz. Das sind die Zahlen, die mich heute wieder interessieren. Platz 7 ist da nur eine Randnotiz.
Wenn ein Rene Adler meint, dass der Abstand nach oben wesentlich geringer als der nach unten ist und er sich daher auch entsprechend orientiert mag das von der Logik her nachvollziehbar sein, trotzdem halte ich derlei Aussagen für gefährlich, da sie den Blick für das Wesentliche trüben können und das ist und bleibt der Klassenerhalt ohne Relegation.

Trotzdem ist die, gerade in den letzten beiden Spielen gezeigte Leistung beeindruckend. Zieht man die personelle Situation hinzu sogar noch mehr. Allen Ausfällen und Umstellungen zum Trotz ruft jeder Spieler seine Leistung ab und stellt diese in den Dienst des Teams.
Ich habe am Sonntag im Rausch des Derbysiegs nach langer Zeit mal wieder in den Doppelpass geguckt um zu hören wie Deutschlands Expertenrunde die Entwicklung beim HSV einschätzt. Während (was denken) Strunz diese schon mit der Dortmunds unter Klopp verglich, blieb sie Eistonnen-Büchler verborgen, der noch nicht einmal eine Veränderung im Kader bemerkte.

Die Wahrheit liegt meiner Meinung nach wie so oft irgendwo in der Mitte zwischen den Extremen. Nein, mit Dortmund unter Klopp möchten ich den HSV dieser Tage nicht verglichen wissen. Ich freue mich wie Bolle darüber im Spiel meines Leib- und Magenvereins eine einheitliche Idee zu erkennen, jeden vernünftigen Spielzug feiere ich wie einen Titel in den 80ern und den Abstand zum Tabellenende genieße ich von Herzen. Trotzdem vergesse ich nicht über welchen Verein wir reden. Wir erleben gerade Phase 1 der sportlichen Konsolidierung des HSV, in Phase 2 heißt es jetzt die Leistungen zu stabilisieren, damit die zweifellos kommenden Ausreißer seltener werden.
Zur kommenden Saison gilt es dann -zur Phase 3- junge Spieler in das Mannschaftsgefüge einzubauen, was angesichts der finanziellen Lage alternativlos ist. Sollte das gelingen, die dabei zu erwartenden Rückschläge weggesteckt werden, ohne das Erreichte umzuwerfen, dann hätte man wirklich etwas erreicht.

Freuen wir uns heute über den Dörbysieg, über zwei Spiele (zwei Siege) in Folge mit einer restlos überzeugen Leistung und auch über die Tabellensituation. Seien wir uns aber auch Bewusst, dass zum Klassenerhalt noch 19 Punkte fehlen.

Donnerstag, 26. November 2015

Immer wieder Kacar

Es gibt Dinge im Fußball, die gibt es kaum.
Das Verhältnis von Gojko Kacar und dem HSV ist so eine Sache.
Als Hoffnungsträger vom Berliner Ligakonkurrenten gekommen, konnte er den hohen Erwartungen aus unterschiedlichsten Gründen nie gerecht werden. Müßig zu zählen wie viele Trainer Gojko beim HSV bisher hatte, wie oft er aussortiert wurde, oder zumindest auf der Abschussliste stand.
Wenn er spielte wusste er zumeist zu überzeugen, ob in der Innenverteidigung oder im Mittelfeld. Lediglich in der Zwoten ließ er sich mal hängen, was bei einigen Fans halt hängen blieb.

Nach einer Sache kann man sich aber seit er beim HSV ist die Uhr stellen: Immer, wenn er sich in die Startelf gekämpft hat folgt garantiert eine Verletzung!
Gestern war ich seit langer Zeit mal wieder beim Training und ich war sehr angetan von der Intensität der Einheit. Das ging schon richtig zur Sache. Kacar war mir aufgefallen, weil er mehrmals wie ein Rohrspatz schimpfte, als sein Übungsteam nicht richtig agierte und ich dachte noch, dass er mit diesem Engagement den Platz im Mittelfeld diesmal längerfristig besetzen könnte.
Heute ist er wieder verletzt. Außenbandanriss. Nach einer Grätsche ist ihm ein anderer Spieler aufs Bein gefallen. Hinrundenaus. Wahnsinn.

Fünfeinhalb Jahre ist der Serbe jetzt beim HSV und man kann immer noch nur erahnen, wie sehr ein fitter, voll im Spielsystem integrierter Gojko Kacar der Mannschaft helfen würde. Angedeutet hat er das (wieder) zum Ende der letzten Saison, als er aus dem Nichts zu einem Leistungsträger wurde und auch bei seinen Einsätzen in dieser Spielzeit wusste er -wie auch gegen Dortmund- zu gefallen. Der Bandscheibenvorfall und jetzt das Knie verhinderten, dass daraus ein Stammplatz werden konnte.

In der Winterpause wird Kacar wieder angreifen und alles geben um in Team zurück zu kommen.
Ich wünsche ihm dabei alles Gute!


Montag, 23. November 2015

Die Frage nach der Entwicklung II

Meine Einschätzung zur sportlichen Entwicklung habe ich neulich gegeben und siehe da, sie hat auch heute noch bestand. Allerdings wurde ich in den Kommentaren gebeten mich zu den Finanzen zu äußern und der Bitte komme ich gerne nach, auch wenn mir die Bewertung wesentlich schwerer als die des sportlichen Bereichs fällt.

Um die Frage nach der finanziellen Entwicklung zu beantworten, muss man in den Sommer 2014 zurück gehen, als beim HSV die Führungsetage samt Struktur ausgetauscht wurde.
Ich denke, dass dieser Artikel der im März auf Sportschau.de erschienen ist die Ausgangslage ganz gut verdeutlicht. 27,87 Millionen Euro Minus wurde in den letzten vier Jahren erwirtschaftet, was den Verein an den Rand der Handlungsunfähigkeit gebracht hat. Hätte man nicht den Vertrag mit Sportfive verlängert und die Fananleihe zweckentfremdet, wäre dieser Betrag wohl um 30 Millionen Euro höher.

Trotzdem ging Beiersdorfer im Sommer 2014 auf Einkaufstour. Nicht erst seit seinem Interview auf Goal.com ist klar geworden wie sehr sich Didi den Zielen die HSVPlus einst ausgegeben hat verpflichtet fühlt. Gar nicht!
Dies kann man ihm noch nicht einmal verübeln. Beiersdorfer wollte den HSV sportlich konsolidieren, um ihn dann entwickeln zu können und nahm dafür alles an Geld in die Hand, was irgendwie verfügbar war. Wahrscheinlich sogar etwas mehr. Anstatt es zu senken, hob er das Gehaltsvolumen der Spieler sogar an, zudem schaffte er viele gutbezahlte Posten in der AG.
Wie gesagt das ist Beiersdorfers Weg, für den er irgendwann geradestehen muss.

Etwas anders sieht es beim Aufsichtsrat aus, der sich schließlich im Wahlkampf für HSVPlus eingesetzt hat und dessen Aufgabe es gewesen wäre sich für die Umsetzung der Wahlkampfversprechen einzusetzen, oder gar für diese zu sorgen. Es sollte die AG auf solide Beine gestellt werden und vermehrt auf die eigene Jugend gesetzt werden. Stattdessen wurde im ersten Jahr der AG dem Vernehmen nach ein erneutes Minus in zweistelliger Millionenhöhe eingefahren und mit den Talenten wurde wie vorher auch umgegangen.

Natürlich habe ich nicht erwartet, dass sofort die A-Jugend in der Bundesliga aufläuft, aber die Verpflichtung von Cleber bei gleichzeitiger Leihe von Tah nach Düsseldorf halte ich nach wie vor für ein denkbar schlechtes Signal. Dabei wäre die Anhängerschaft einen Weg der Jugend ohne zu murren mitgegangen, auch wenn der sportliche Erfolg ausgeblieben wäre, aber das ist er ja auch so.
Nicht in Euro und Cent zu greifen ist die Tuchelgeschichte mit all ihren Nebengeräuschen, dem Festhalten an Slomka und der Installierung der „bis auf weiteres Trainers“ Zinnbauer. Sicher ist aber, dass die Chance vertan wurde bei den Neuverpflichtungen das Gehaltsgefüge zu gesunden.

Nein das erste Jahr der AG ist aus wirtschaftlicher Sicht nicht gut gelaufen. Es fehlen weiterhin jegliche strategische Partner, die 9% verkauften Anteile gingen an Kühne und Bohnhorst, also Privatpersonen der Marke Gönner und halt nicht an Wirtschaftsunternehmen, mit denen man eine Partnerschaft eingegangen wäre. Auch da geht der Vorwurf in Richtung Aufsichtsrat.

Das zurückgehende Gehaltsgefüge vor dieser Saison ist zum größten Teil der diversen auslaufenden, gut dotierten Verträgen geschuldet, wenngleich man auch bei den Verpflichtungen dieses Sommers nicht meckern kann.
Durch den Wechsel von Holsten auf Bitburger kam etwas Geld in die Kasse und der Vertrag mit Fly Emirates wurde verlängert. Beides keine Selbstverständlichkeiten bei den momentane sportlichen Leistungen, aber auch nichts was Jubelstürme auslösen würde. Bei den Namensrechten für das Stadion hat man sich einmal mehr in die Abhängigkeit von Herrn Kühne begeben, denn so wie man die Rückbenennung in Volksparkstadion zelebriert hat, kann man diesen kaum wieder anderwärtig verkaufen.

Eine Binsenweisheit bleibt, dass sich der wirtschaftliche Erfolg eines Sportvereins am sportlichen Erfolg orientiert. Daher kann ich Beiersdorfers Kurs nachvollziehen, wenngleich er mir nicht in allen Punkten gefällt. Jetzt, da sich anscheinend die sportlich Stabilisierung einstellt ist spätestens der Zeitpunkt gekommen, verstärkt auf die Finanzen zu gucken. Dazu gehört auch, einem Kühne seinen Wunsch nach einem neuen Stürmer auszureden und ihn dazu zu bringen in die Gesundung der AG zu investieren. Allerdings wird das wohl ein frommer Wunsch von mir bleiben.

Die Entwicklung des HSV sehe ich trotz vieler vergebener Chancen vorsichtig positiv, da wie es scheint ein Klima geschaffen wurde, in dem es sich zielführender Arbeiten lässt. Rucksackgate hin, Pussygate her. Die Frage wo wir ohne die Ausgliederung stehen würden lässt sich natürlich nicht beantworten und ich werde mir daran auch nicht die Finger verbrennen.
Zu meiner Entscheidung vom Sommer 2014 stehe ich allerdings nach wie vor.

Samstag, 21. November 2015

Immer wieder Dortmund

Es gibt wohl niemanden, der wirklich erklären kann was passiert, wenn Dortmund nach Hamburg reisen muss. Eigentlich sprach alles für einen Erfolg des BVB. Alles bis auf die Tatsache, dass es für Dortmund im Volkspark halt nur in den seltensten Fällen etwas zu holen gibt.
Analysiert man das Spiel, kann man jedem Treffer des HSV einen Fehler der Dortmunder zuordnen. Bürki ungeschickt, Ginter Fehlpass, Hummels Tor lauten die Fakten um die drei Erfolgserlebnisse des HSV, doch natürlich steckt mehr dahinter.
In der ersten Halbzeit war die spielerische Überlegenheit der Gelbschwarzen deutlich zu erkennen, die Ballzirkulation, die Passsicherheit ermöglicht durch das gute Spiel ohne Ball waren schon gut anzusehen. Der HSV schaffte es allerdings die Gegner aus der Gefahrenzone zu halten und so jegliche Effektivität des BVB zu unterbinden.

Die Dortmunder hatten Probleme mit dem variablen Spiel des HSV. Mal zogen sich die Rothosen in die eigene Hälfte zurück, um kurze Zeit später wieder weit vorne zu pressen. Mit voranschreitender Spielzeit wurde es immer ungemütlicher für Dortmund und den Spielern war ein Unbehagen anzumerken. So lassen sich vielleicht auch die folgenden Fehler erklären.
Allerdings muss man die angebotenen Fehler auch erst einmal so konsequent ausnutzen wie es der HSV getan hat. Das 2:0 ging so in Ordnung und als ich mich während der Halbzeitpause umsah, waren die Blicke der Fans auf der Nord doch eher ungläubig.
Wenn es mal läuft, übersteht man auch die Druckphase zu Beginn des zweiten Durchgangs und bekommt das dritte Tor von einem in dieser Situation orientierungslos wirkenden Mats Hummels geschenkt. Dann hält der auch Torwart den einen oder anderen Ball, den er nicht unbedingt halten muss und kassiert das 1:3 so spät, dass danach kaum noch etwas anbrennen kann.

Die taktische Maßnahme Labbadias mit einer defensiven Dreierkette vor der Abwehr ging zu einhundert Prozent auf. Kacar und Jung spielten sehr solide und sorgten dafür, dass Dortmund kaum zum Zuge kamen. Holtby konnte so das machen, was ihn stark macht. Er trieb sich auf dem gesamten Feld rum, sorgte so für Unruhe beim Gegner, kurbelte das eigene Spiel an und traf sogar.
Gefreut  haben mich die Auftritte von Ostrzolek und Cleber. Der Linksverteidiger machte sein vielleicht bestes Spiel im Trikot des HSV und zeigte (endlich) auch mal etwas Selbstbewusstsein. Der Brasilianer war sofort da, als er nach der Verletzung von Emir Spahic gebraucht wurde und leistete sich kaum einen Lapsus. Natürlich könnte man nach so einer starken Mannschaftsleistung auch die anderen Spieler loben, die sich allesamt in den Dienst des Teams gestellt haben, doch würde das zu weit führen.


Es war ein besonderes Spiel, das mit einer zwanzigminütigen Verspätung begann, weil die Einlasskontrollen etwas länger als gewohnt dauerten. Ob sie denn auch entsprechend gründlicher waren lasse ich mal dahingestellt. Die Polzeipräsenz hatte ich stärker erwartet, empfand die Zurückhaltung doch als sehr angenehm und hatte auch nicht das Gefühl, mich an einem besonders gefährdeten Ort zu befinden.
Den Opfern von Paris wurde schweigend, Helmut Schmidt mit Applaus gedacht und das war auch so weit in Ordnung.
Im Gegensatz dazu war die Verabschiedung von Marcel Jansen gar nichts. Unwürdig und armselig war der allgemeine Tenor auf diese Aktion und wieder einmal wurde deutlich, was der HSV nicht kann.

Ich bin sehr froh noch kurzfristig eine Karte für das Spiel bekommen zu haben (Danke Astird) und diesen Abend live erleben zu dürfen.
Auch wenn noch kein Verein mit 18 Punkten die Klasse gehalten hat, befindet sich der HSV doch auf dem besten Wege dem Abstiegskampf zu entgehen, da er in der Lage ist gegen jeden Gegner etwas zu holen. Die Fans konzentrierten sich gegen Ende der Partie schon auf das kommende Spiel und forderten nach dem Abpfiff einen Auswärtssieg.
Diesen zu fordern halte ich für vermessen, aber man wird doch mal träumen dürfen.