Mittwoch, 15. April 2015

It`s Buno again

Ich würde ja auch gerne so wie der geschätzte Kollege Rebiger von einer zweiten Chance reden, die Labbadia „Vergangenheit hin, amouröse Geschichten her“ wie jeder andere Mensch verdient hat, aber es fällt mir sehr schwer, meine Hoffnungen von heute in den Problembären von einst zu setzen.
Als ich von dieser Entscheidung hörte schrieb ich diesen Dreizeiler (für vier hat es nicht gelangt):

Und denkst Du schlimmer geht`s nicht mehr
Holt der Didi Bruno her
Und nach dem Kopf ist auch der Magen leer

Irgendwo zwischen Resignation, Wut und Enttäuschung ist meine Gefühlslage einzuordnen und ich habe noch keine Ahnung, in welchem emotionalen Zustand ich die Partie am Sonntag verfolgen werde.
Nachdem man die Verhandlungen mit Tuchel in der gleichen Art und Weise, wie einst mit Sammer und Siegenthaler vergeigt hat, holt man halt jemanden der zur Verfügung steht, mit dem man gut Freund ist, den man schon mehrmals kontaktiert und dann wieder links liegen gelassen hat.

Meiner Meinung nach hat sich die sportliche Leitung innerhalb eines Jahres zum vierten Mal in der wichtigsten Frage des sportlichen Erfolgs vertan. In der Trainerfrage.
Man ist mit Mirko Slomka in die Saison gegangen, obwohl es ein offenes Geheimnis war, dass er nicht die Wunschbesetzung für diese Position war und gab der Mannschaft so jedes Argument zum Dienst nach Vorschrift.
Man gab Joe Zinnbauer die Bis-auf-weiteres-Bürde mit auf den Weg, was den gleichen Effekt gehabt haben dürfte und dem Vernehmen nach versuchte man ihn so stark zu unterstützen, dass es wie Bevormundung aussah.
Man setzte dann einen Platzhalter auf den Stuhl des Sonnenkönigs Tuchel anstatt Nägel mit Köpfen zu machen.
Alle drei Vorgänge deuten darauf hin, dass man den Erhalt der Klasse als gottgegebene Selbstverständlichkeit angesehen hat.
Und jetzt zu guter Letzt setzt man auf den Trainer, der schon seit dem letzten Sommer immer wieder im Gespräch, aber anscheinend nie gut genug war, auf den Trainer, der auch wenn er sagt, dass er nur nach vorne gucken will, erst mal den Schatten seiner HSV-Vergangenheit beiseite fegen muss und der nach der Bekanntgabe der Tuchelverhandlungen bestenfalls als Lösung B zu bezeichnen ist.

Ja, jeder Mensch verdient seine zweite Chance und ich billige sie bestimmt auch Bruno Labbadia zu, aber von mir zu verlangen, dass ich meine Hoffnung auf einen Trainer setzen soll, den ich vor knapp fünf Jahren noch zum Teufel gewünscht habe, weil er es fertigbrachte innerhalb eines halben Jahres fast den gesamten Kader gegen sich aufzubringen ist schon starker Tobak.
Ich habe bislang auch immer gesagt, dass man der neuen Vereinsführung mehr Zeit zubilligen müsse, damit sie an den richtigen Stellschrauben drehen könnte und irgendwie will ich das auch immer noch, aber die Entscheidung für Labbadia lässt mich zumindest für heute fassungslos zurück.

Vielleicht ändert sich das, wenn der Ball wieder läuft und das eventuell sogar etwas gefälliger als zuletzt. Vielleicht erinnert man mich dann an das, was ich heute geschrieben habe, sicher ist aber, dass ich noch nie mit einer Trainerentscheidung spontan so unzufrieden war wie heute.

Mittwoch, 8. April 2015

Wie einst die Costa Concordia

Hätte man mir im vergangenen Sommer erzählt, dass diese Saison noch schlechter als die vergangene verlaufen würde hätte ich es nicht geglaubt. Ehrlich gesagt wurde ich von mehreren Leuten auf diese Möglichkeit hingewiesen und ich wollte es nicht wahrhaben. Schließlich musste man aus einer Saison, wie der vergangenen doch einfach ein paar Lehren ziehen, um eine Wiederholung zu vermeiden.
In meiner –vielleicht naiven- Vorstellung hätte man diese Saison ohne größere Veränderungen in Angriff nehmen können, denn Potential war ja zumindest auf dem Papier ausreichend vorhanden.

Dietmar Beiersdorfer sah das anders. Durch den auslaufenden Leihvertrag Lasoggas und dem unwürdigen Abgang Calhanoglus, sowie zahlreicher Verträge mit einem Jahr Laufzeit sah sich der frisch installierte Vorstandsvorsitzende zum sofortigen Handeln genötigt. Da Herr Kühne dann doch seine Schatulle aufmachte wurde dieses Handeln auch ermöglicht.
In der Vorwärtsbewegung wurde ein Mangel an Geschwindigkeit ausgemacht, welchen man mit Müller und Stieber (noch von Kreuzer verpflichtet) beheben wollte, zu dem holte man mit Behrami einen Charakterkopf, dem man zutraute die Mannschaft zu führen, mit Holtby kam ein erfahrener Mittelfeldspieler und die Abwehr wurde perspektivisch durch Cleber verstärkt. Dazu wurde Lasogga fest verpflichtet.
Auch wenn ich es lieber gesehen hätte, wenn man in der Abwehr auf den Nachwuchs, sprich auf Jonathan Tah gesetzt hätte, konnte ich diese Kadergestaltung nachvollziehen und war mir relativ sicher, dass man mit diesen Spielern um Platz 10-12 spielen sollte.

Erste Zweifel an der Konsequenz im Handeln des neuen Vorstands kamen mir nach der frühen Entlassung von Mirko Slomka. Ein Punkt und 0:5 Tore nach drei Spielen sind zweifellos ein Fehlstart, doch eigentlich noch kein Grund zum Trainerwechsel, da sich die Mannschaft auch durch späte Zugänge noch im Findungsprozess befand. Hätte man Slomka andersrum nicht zugetraut die Mannschaft zu führen und zu entwickeln, hätte man früher handeln müssen.
Zinnbauer verhalf der Mannschaft dann auch mit „seinen“ Jungs aus der Zwoten zu einer defensiven Stabilität und man (auch ich) war der Meinung, dass man in der Winterpause darauf aufbauen können würde. Eine grausame Niederlage und zwei spielerisch armselige Siege späte sah man, dass daraus nichts werden würde.

Nach der schon fast obligatorischen Klatsche in München kamen Spiele die man durch späte Gegentore (Gladbach) und überflüssige Platzverweise und Elfmeter (Hoffenheim, Frankfurt) verlor bzw. Unentschieden spielte. Die Niederlage gegen die Hertha und die Bilanz von 16 Toren in 26 (23) Spielen kostete Zinnbauer dann den Job und ich fragte mich wo die Mannschaft wohl stehen würde, wäre Slomka Trainer geblieben… Müßig.
Jetzt ging also auch das Debut von Peter Knäbel so in die Hose, wie es nur möglich war und allen steht die Ratlosigkeit ins Gesicht geschrieben. Dabei musste man ja nicht zwingend von einem Auswärtssieg in Leverkusen ausgehen, doch eine kleine Entwicklung hin zum Positiven wäre notwendig gewesen.

Als Fan und, durch Radio und Blog, intensiver Begleiter des HSV, als Befürworter der Ausgliederung nach HSVPlus gehen mir so allmählich die Argumente aus. Nie wieder wollten wir eine Relegation erleben und jetzt fängt man schon an zu hoffen, dass sich doch bitte zumindest zwei schlechtere, dümmere oder was auch immer finden mögen, die sich im Mai tabellarisch hinter uns einsortieren…
Eine Mischung aus Enttäuschung, Verzweiflung und Resignation macht sich unter den Fans, die in Leverkusen selbst noch beim Spielstand von 0:3 lauter als die Gastgeber waren breit. Zu richtiger Wut ist man nicht mehr fähig.

Es wäre auch schwer die Wut gerecht zu kanalisieren, da sich eigentlich niemand anbietet, den man als alleinigen Sündenbock verteufeln könnte. Jedem ist klar, dass die sportliche Misere von heute ein Resultat der Versäumnisse von gestern und vorgestern ist, die sich allerdings und das ist besonders schade bis in die Gegenwart fortsetzen und noch schlimmer, es ist kein Ende in Sicht.
Vertragsinhalte von zukünftigen Trainern geraten in der Verhandlungsphase unwidersprochen (!) an die Öffentlichkeit, nach dem man die Verhandlungen als solche ohne jede Not bestätigt hat und auch wenn die Streichlisten für die nächste Startelf, die unter Berufung auf interne Quellen durch die Gazetten geistern nicht vom Trainer abgesegnet sein werden, gießt er mit seinen Aussagen er wisse nun auf wen er sich verlassen könne Öl ins Feuer.

Man kann sich dem Gefühl nicht erwehren, dass der HSV wie einst die Costa Concordia dicht an der Küste vorbeifährt um lieb zu winken undsämtliche Rettungsboote von den Verantwortlichen und den Spielern besetzt sind, um für den Fall der Fälle schnell von Bord zu kommen. Für die kleinen Angestellten und uns Fans spielt im Rumpf des Schiffes noch eine Band.
Gegen dieses düstere Bild spricht, dass sich ein Peter Knäbel selbst in Pflicht nimmt und, man kann es nicht anders sagen, vorweg geht. Ob die Entscheidung dies zu tun weise war werden wir in sieben Wochen sehen, mutig ist sie allemal.

Und so bleibt wieder einmal die Hoffnung, dass von diesen Mut etwas auf die Mannschaft überspringt, vielleicht sieht man gegen Wolfsburg die Ansätze, die man sich schon für Leverkusen erhofft hat, vielleicht gibt es schon in Bremen Punkte. Vielleicht bleibt uns ja sogar die Relegation und der Abstieg erspart und vielleicht werden irgendwann auch mal die richtigen Lehren aus dem Istzustand gezogen und dieser mit aller Konsequenz abzustellen versucht….
Ja ja Weihnachtsmann, Osterhase und so.
Ich hör ja schon auf.

Donnerstag, 2. April 2015

Comebacks

Die alten Zeiten sind ja modern beim HSV und werden gerne zurückgeholt, so geschehen bei van der Vaart, Beiersdorfer, Olic oder dem Stadionnamen.
Das Comeback des kleinen Holländers neigt sich nach drei Jahren, die man wohlwollend als durchwachsen bezeichnen kann dem Ende entgegen, da der auslaufende Vertrag nicht verlängert wird. Auch das Heilsbringerimage des ersten Vorstandsvorsitzenden der HSV Fußball AG bekommt (nicht nur) ob des ausbleibenden sportlichen Erfolgs erste Kratzer. Und die Zweifel an der Verpflichtung des überaus beliebten Ivica Olic werden mit jedem Spiel ohne Tor lauter. Selbst der neue alte Stadionname hat irgendwie schon vor seiner Rückkehr an Glanz eingebüßt. Doch am vergangenen Wochenende kehrte mit der Schwatzhaftigkeit des Aufsichtsrates etwas zurück, das wirklich niemand wieder haben wollte.

Nach der Entlassung Zinnbauers und dem Einspringen auf Zeit von Peter Knäbel war jedem klar, dass der HSV zur kommenden Saison einen neuen Trainer brauchen würde. Da Beiersdorfer schon mal einen losen Kontakt zu Thomas Tuchel bestätigt hatte, war es auch normal, dass der Name des ehemaligen Mainzers ganz oben auf der spekulativen Liste stehen würde. Wie leicht sich Karl Gernandt im NDR Interview dann aber den Verhandlungsstand aus der Nase ziehen ließ war schon sehr verwunderlich. Ohne jede Not wurde ausgeplappert, was weder spruchreif war, noch in den Zustandsbereich des Aufsichtsratsvorsitzenden fällt.

Was aber hat Gernandt zu solchen Äußerungen getrieben?
Schon zu Beginn seiner Amtszeit hat der Kühne-Vertraute mehrmals über das Ziel hinausgeschossen, bevor es dann so ruhig um ihn wurde, wie es sein Amt eigentlich verlangt. Daher kam dieser Rückfall zumindest für mich sehr überraschend.
Da ich Dummheit als Grund für diese Äußerungen ausschließen will, bleiben noch Eitelkeit oder Taktik als mögliche Ursache.
Wenn ich jetzt von den taktischen Erwägungen ausgehe, werden diese nichts mit der Verpflichtung eines Trainers und schon gar nichts mit der Verpflichtung Thomas Tuchels zu tun haben. Möglich scheint jedoch, dass man die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit von der Mannschaft ablenken wollte, um Knäbel die größtmögliche Ruhe in der Vorbereitung auf den Saisonendspurt zu verschaffen. Auch die auslaufenden Verträge von vdV, Jansen, Ilicevic und Kacar, die allesamt nicht verlängert werden sind kaum noch eine Meldung wert.
Gegen diese Möglichkeit spricht das Zahnschmerzengesicht Beiersdorfers, als er im Sportclub auf die Verhandlungen mit Tuchel angesprochen wurde und natürlich, dass derlei Äußerungen absolut kontraproduktiv bei Verhandlungen jeder Art sind.
Nicht neu ist, dass Karl Gernandt sein Gesicht ganz gerne mal im Fernseher sieht…
Sicher ist, dass dieses Interview Gernandts auf ihn und den HSV zurückfällt, egal wie die Nachfolge auf dem heißesten Stuhl der Liga geregelt werden wird.

Das auch Peter Hermann ein Rückkehrer ist, wurde mir erst nach der Lektüre des Blogbeitrags Toller Trainer, frommer Wunsch des Kollegen Rebiger klar, die 2 Bundesligaspiele für die Rothosen aus dem Jahr 1973 waren mir tatsächlich entfallen. Die Verpflichtung begrüße ich aber außerordentlich, da dem analytisch arbeitenden Peter Knäbel dadurch der praktische Part an die Seite gestellt wird.
Die eigentliche Rückkehr steht Peter Hermann am Sonnabend mit dem Spiel in Leverkusen, wo er die meiste Zeit als Spieler und auch Trainer verbracht hat bevor.
Was uns dort erwartet steht mal wieder in den Sternen und auch wenn man nach dem Trainerwechsel nicht übermäßig viel erwarten darf, kann es sich der HSV nicht leisten Punkte abzuschenken und so hoffe ich, dass die zinnbauersche Kampfkraft in die Ära Knäbel/Hermann herübergerettet und mit etwas mehr Spielkultur gepaart werden kann.

Mittwoch, 25. März 2015

Wer den Schaden hat...



…braucht für den Spott nicht zu sorgen!
Welcher HSV-Fan kann von diesem Sprichwort kein Liedchen trällern und doch ist es momentan anders als früher, denn heute weiß man nicht einmal mehr für welchen Schaden man verspottet wird und bekommt den Eindruck, dass die Existenz des HSV für viele schon Schaden genug ist.

Gestern stolperte ich bei der Durchsicht meiner Timeline auf den @zeitonline – Artikel mit der wenig subtilen Überschrift: Jetzt steigtendlich ab! Christian Spiller fragt gleich nach: „Wie lange möchte der Club uns noch quälen?“ Er spricht von „unehrenhaften Herumlavieren“ , bemitleidet uns Fans und endet mit der populistischen Feststellung:  „Vielleicht ist es die Last der Unabsteigbarkeit, die den Verein so lähmt. Vielleicht wäre, ist es einmal passiert, alles wieder besser. Viel schlimmer gehts doch nicht.“ Ja, ich vermag Ironie oder Satire zu erkennen, wenn ich sie sehe doch ist dieser Artikel weder originell noch witzig. Es ist die Rede von hilflosen Trainern und Managern (alle aufgelistet),  nur bei den Spielern belässt man es bei der Schublade Westermann, wahrscheinlich, weil man keine weiteren Spieler kennt. Woher denn auch bei der Fluktuation?
Dass der Dino, wie auch die Stadionuhr in diesem Artikel nicht fehlen dürfen versteht sich von selbst. Die Aussage von allen die ganz aufgeregt wären, „weil der Verein als einziges Gründungsmitglied der Bundesliga noch nie abgestiegen ist“ gefällt mir besonders gut, denn damit kann Herr Spiller ja nur sich und seine Pressekollegen meinen.

Aber egal.  Auch mit solchen Spottgesängen kann ich leben und doch wünsche ich mir teilweise die Zeiten eines Josip Skoblar zurück, der zusammen mit seinem Torwart Mladen Palija einst das Erbe von Ernst Happel und Uli Stein antrat und dabei so offensichtlich scheiterte, dass man sich der Ursache des sportlichen Misserfolgs sicher sein konnte, oder dies zumindest glauben konnte, denn eigentlich wurde in den guten Jahren unter Zebec, Happel, Netzer und Klein viel zu kurzfristig gedacht, um den HSV  nachhaltig für die Zukunft aufzustellen.
Doch das ahnte damals ja keiner, oder zumindest wollte es niemand sehen.

Wenn man sich nicht die Mühe macht den wirklichen Ursachen auf den Grund zu gehen, kann man leicht einer Papierkugel, oder einer vergebenen Torchance von Ailton die Schuld an einer Entwicklung geben, die in Wirklichkeit ihre Ursachen in der erfolgreichsten Phase der Vereinsgeschichte hatte. Ja Mehrzahl, Ursachen, denn auch damals wurde nicht der eine Fehler gemacht, der den HSV vom Erfolg abschnitt, schließlich wurden nicht nur die Nachwuchsarbeit vernachlässigt, sondern es wurden auch weitere Transfers getätigt, die letztlich wie zB Wolfram Wuttke (RIP) und Dieter Schatzschneider floppten.

Man kann dem HSV den Abstieg wünschen, doch darf man nicht erwarten, dass sich der Verein, mit all seinen Mitgliedern und Fans, mit seinen Angestellten und Sympathisanten nicht mit aller Kraft dagegen stemmt. Schließlich wissen wir, obwohl wir die gesamten Auswirkungen noch nicht einmal erahnen, dass diese doch um einiges größer sind, als das wir Montags im Kicker ein paar Seiten weiter blättern müssen um den Tabellenstand unseres HSV zu erfahren.
Man kann mit Fug und Recht behaupten, dass der HSV viel zu wenig aus seinen Möglichkeiten macht, aber wer behauptet man nähme „den mutigeren kleineren Vereinen die Möglichkeit, sich in der Bundesliga zu beweisen“ gibt sich selbst der Lächerlichkeit preis.

Eigentlich wollte ich nur sagen, wie schön es wäre, wenn man den einen klaren Schaden im Verein hätte, den man gezielt anpacken könnte um ihn zu beheben, doch leider ist es wie so oft im Leben wesentlich komplexer und daher ist dieser Schaden, der vor 30 Jahren seinen Anfang nahm, auch nicht in einem dreiviertel Jahr zu reparieren, zumal der Spagat zu einem Tagesgeschäft bewältigt werden muss.
Also werden wir wohl noch etwas länger mit dem Spott leben müssen…







Alle Zitate stammen aus oben verlinkten Artikel, der auf Zeitonline erschienen ist, hätten aber auch vom Stern stammen können


Samstag, 21. März 2015

Gescheitert

Eigentlich habe ich mir ja vorgenommen diesen ganzen Fußball nicht mehr so nah an mich heranzulassen, doch irgendwie fehlt mir noch die Bedienungsanleitung, wie man dieses Vorhaben umsetzt. Man hört und liest viele, die sich verbal vom Verein abwenden, um sich und anderen zu beweisen, dass sie ihnen das alles sowas vom am Arsch vorbei geht, doch nehme ich ihnen das nicht ab.
Wie löse ich mich von etwas, dass 40 Jahre ein Teil von mir geworden ist?

Und wovon will ich mich lösen?
Nehmen wir das gestrige Spiel gegen Hertha und versuchen festzustellen, wer für diese Niederlage verantwortlich ist.
Cleber, der für einen unschönen Zweikampf, wie er so oft in einem Spiel vorkommt, eine ebenso vertretbare, wie harte gelb-rote Karte bekommen hat und daher beim 0:1 fehlte?
Seine Kollegen, die sich nicht schnell genug auf diese Situation eingestellt haben?
Olic, der es versäumte den Abschluss zu suchen, als er die Möglichkeit dazu hatte?
Seine Kollegen, die nicht einmal diese Möglichkeit hatten?
Hat Zinnbauer falsch aufgestellt, oder Beiersdorfer falsch eingekauft?
Sagte ich schon „Hoffmann raus!“?

Man gucke sich exemplarisch einmal Dennis Diekmeier an, dem in 5 Jahren gefühlte 10 Trainer nicht das Flanken beibringen konnten. Es muss ja nicht jede Flanke zum Tor führen, aber ein bisschen Gefahr zu verbreiten wäre schon nicht verkehrt.
Ivica Olic hat in Wolfsburg eine ordentliche Hinrunde gespielt und seit er in Hamburg ist rennt er nur noch wie ein Duracell-Hase über den Platz. Genau so ausdauernd und genau so blind.
Scheinbar einfache Muskelverletzungen weiten sich in Hamburg zu Epidemien aus, wenn die Spieler nicht nach München fahren um sich behandeln zu lassen.
Und gestern musste sich Peter Knäbel von Patrick Wasserzieher sagen lassen, was ihm seine internen Quellen beim HSV für gesteckt hätten.

Mir leuchtet nach wie vor nicht ein, wie ein derartig überbezahlter Apparat wie der HSV so schlecht funktionieren kann und wie Generationen von Fachleuten daran scheitern die bekannten Mängel abzustellen. Dabei spielen Voraussetzungen wie Geld, Kompetenz oder Ruhe anscheinend keine Rolle.
Der einzige Grund am Trainer festzuhalten ist die Gewissheit, dass es nach ihm bestenfalls kurzfristig besser werden würde. Doch sein wir ehrlich, hätte der HSV unter Slomka auch nur einen Punkt weniger geholt, oder ein Tor weniger geschossen?
Ja, diese Debatte ist müßig, ungefähr so müßig wie Joes Äußerungen auf der PK über mangelndes Glück. Schließlich spielte auch bei den beiden Siegen in 2015 das Glück keine unwesentliche Rolle, schließlich wären wir ohne Glück gar nicht mehr in dieser Liga.

Doch wo soll man bei der Lösung eines Problems ansetzen, das man nicht einmal greifen kann? Soll man die neue Vereinsführung schon als gescheitert erklären? Wäre es eventuell besser gewesen die Patrone Ausgliederung im Magazin zu behalten statt sie zu verwenden? Fehlt es beim eingeschlagenen Weg nur an der Konsequenz bei der Umsetzung?
Ja, Fragenstellen ist einfach, die Antworten wird (kann) mir aber niemand geben.
So wird wohl Zinnbauer gehen müssen und egal ob Thomas von Heesen (wie Wasserzieher zu wissen glaubt) oder der Papst persönlich das Training übernimmt, ändern wird sich nichts.
Fest steht aber auch, dass ich noch nicht fertig mit diesem Verein bin und sei es nur, weil ich es nicht schaffe mich von etwas zu lösen, dass seit 40 Jahren ein Teil von mir ist.

Samstag, 14. März 2015

Es geht wieder los

Schon vor dem ersten Formel 1 Wochenende im Jahr 2015 waren viele Fragen beantwortet und nach der ersten Qualifying sind einige Antworten oder Bestätigungen hinzu gekommen.
Ganz offiziell können wir dem Mercedes AMG Petronas Formula One Team zur Verteidigung des Teamweltmeistertitels gratulieren. Die erdrückende Dominanz des Vorjahres scheint sich nicht nur fortzusetzen, sie wurde im Winter noch ausgebaut. Wie jetzt die vier Traingssessions wurden auch schon die Testfahrten von den Silbernen bestimmt. Für die Konkurrenz bleibt nur auf Fehler seitens Mercedes zu hoffen um vielleicht mal eine Poleposition hier oder einen Sieg da zu erben.

Auch in der Fahrerwertung gibt es einen klaren Favoriten. Lewis Hamilton wird seinen Teamkollegen noch klarer als im Vorjahr beherrschen. Der Brite war schon in der letzten Saison eindeutig schneller als Nico Rosberg und hat sich im Laufe des Jahres noch weiter entwickelt. Viele Flüchtigkeitsfehler wird sich der Brite nicht leisten, davon bin ich überzeugt und so bleibt für Nico auch nur die Hoffnung den Fehlerteufel auf seiner Seite zu haben. Allerdinge sollte sich bei 20 Rennen auch wirklich der schnellere Fahrer durchsetzen und das ist für mich eindeutig Lewis.

Hinter den Mercedes kämpfen Williams, Red Bull und Ferrari um den verbleibenden Platz auf dem Podium. Wenn man sich die Dominatoren wegdenkt, wäre dies der wünschenswerte Kampf dreier Motorenlieferanten um die Krone des Rennsports und auch so wird dieser Sechskampf für die renntechnische Spannung sorgen.
Ferrari hat im Winter den größten Schritt nach vorne gemacht und den Rückstand auf Williams aufgeholt. Sebastian Vettel hat sich gut eingelebt und scheint seinen Partner Kimi Räikkönen zu beherrschen. Bei Williams ist nicht nur was die Fahrer betrifft alles beim Alten geblieben, irgendwie hat man das Gefühl, dass da noch etwas mehr gehen würde, doch das letzte Risiko gescheut wird um wirklich alles aus Auto und Fahrer heraus zu holen.

Red Bull hat zu Beginn dieser Saison wieder sehr unter dem Renaultmotor zu leiden, bemerkenswert ist, dass die kleine Schwester mit diesem Manko besser zu Recht zu kommen scheint. Torro Rosso bewegt sich auf Augenhöhe mit dem Exweltmeisterteam. Lotus hat auf Grund des Wechsels auf den Mercedesmotor Fortschritte gemacht und kann sich in dieser Saison tatsächlich auf die Abstimmung ihres Boliden konzentrieren.
Enttäuschend verläuft bislang das Comeback von Honda, die den McLaren kaum zum Laufen bekommen und im Qualifying lediglich die beiden Manor Marussia hinter sich ließen, die allerdings ihre Boxen gar nicht verlassen haben.

Überhaupt ist der Abstand der kleinen Teams wie Sauber und Force India größer geworden, was einzig und allein am Geld liegt. War Force India zu Beginn der letzten Saison noch in der Lage einige Ausrufungszeichen zu setzen, hinken sie in diesem Frühjahr sehr weit hinterher, da sie im Winter kaum testen konnten. Für Sauber sorgte Felipe Nasr während des Trainings von Melbourne für ein paar Achtungserfolge und der 11. Startplatz ist besser als erwartet.
Sonst bestimmte bei den Schweizern die Vertragsposse um Guido van der Garde, der sich ins Cockpit klagen will die Schlagzeilen.

Der mangelnden Spannung an der Spitze des Feldes sei Dank wird den diversen Nebenkriegsschauplätzen des Formel 1 Zirkus noch mehr Aufmerksamkeit als sonst geschenkt.
Egal ob das Helmdesign reglementiert wird, über Verteilung der üppigen Gelder öffentlich gestritten, oder der große Preis von Deutschland laut Aussage eines älteren Herren nach Österreich verpflanzt wird, alles taugt zur Schlagzeile.
Ich gucke die Rennen eigentlich nur noch, weil ich im Radio darüber berichte und weil ich es schon immer getan habe und ich weiß, dass es vielen Motorsportfans ähnlich geht. Dabei versucht Sky mit der Ansetzung von Sascha Roos als Kommentator, der mir mit seinen naiv-dümmlichen Äußerungen weiterhin auf die Nerven gehen darf, mir auch noch das letzte Bisschen Vergnügen an der Formel 1 zu nehmen. Da der Sound in der Formel 1 auch nicht mehr das ist, was er mal war, könnte man eigentlich den Ton auch ganz weglassen, ich glaube das nennt man dann Formel E.

So werde ich morgen das Rennen im Relive gucken und beim Frühstück auf das Unerwartete hoffen, egal ob dies Spannung an der Spitze oder geistreiche Kommentare des Herrn R. bedeutet. Wenn ich auf eines von beiden wetten sollte, wäre es das Rennen, denn da könnte ein schleichender Plattfuß im richtigen falschen Moment oder übertriebener Ehrgeiz schon ausreichen…

Donnerstag, 12. März 2015

Total verpuckt

Manchmal ist es als hätte man einen Puck an den Kopf bekommen und nähme seine Umwelt nur noch verschwommen war. Nein ich möchte nicht auf die berechtigten Anmerkungen von Thomas Eichin und der polemischen Antwort dieses Pseudohoeneß eingehen, das machen schon genug andere und ich tue mich schon schwer genug mich auf den eigenen Verein zu konzentrieren.

In einem Kommentar auf Facbook schrieb ich vorhin:
Momentan hat man das Gefühl als würde der HSV am offenen Herzen operiert während er an einem Marathonlauf teilnimmt. Mit latentem Blutverlust ist zu rechnen...
Man will langfristig gerade im Nachwuchsbereich etwas aufbauen und hat sich dafür Kompetenz in den Verein geholt. Doch auch wenn die Ideen von Bernhard Peters eventuell irgendwann einmal Geld sparen, muss man sie während der Umsetzung erst finanzieren.
Das mag momentan wehtun, doch wenn man sich für so einen Weg entscheidet muss man hinter dessen langfristiger Umsetzung stehen. Mit aller Konsequenz.

Es soll neben einer Vereins- aber auch eine sportliche Philosophie entwickelt werden und sein wir ehrlich, momentan scheint sich die spielerische Klasse eher nach unten zu bewegen. Die Bälle werden mit einem frommen Wunsch versehen und möglichst weit nach vorne gebolzt, um dort auf die eventuellen Abpraller gehen zu können und wenn ein solcher erobert werden kann, ist er spätestens nach dem dritten Kontakt auch schon wieder verloren.
Der Zweck heiligt die Mittel und dieser heißt Abstiegskampf annehmen.

Ja, gegen Dortmund gab es Szenen in denen über das Ziel hinausgeschossen wurde, doch ist mir das tausendmal lieber, als wenn ich einem Spieler mangelnden Einsatz nachsagen müsste.
Wenn ein Markus Gisdol jetzt schon vor dem Spiel weint meint sagen zu müssen:
„Der HSV hat schon mehrmals übertreten. Ich hoffe auf einen guten Schiedsrichter, der die harte Spielweise unterbindet.“
Dann soll er das machen und ich hoffe, dass der erste seiner Spieler der hart zur Sache geht gelb bekommt. Zinnbauer ("Wir haben keine Angst, dass wegen Härte vermehrt gegen uns gepfiffen wird. Die Schiedsrichter wissen schon, was sie tun.") tut gut daran weiterhin auf diese konsequente und bisweilen destruktive Spielweise zu setzen und diese als Grundlage zu nehmen, um das Umschaltspiel zu verbessern.

Langfristig muss Joe mit Knäbel und Peters daran arbeiten eine ansehnlichere Spielweise zu etablieren und ich hoffe, dass man allen Gerüchten über eine „große Trainerlösung“ zu Trotz an Zinnbauer festhält, den ich für entwicklungsfähig halte.
Diesen Spagat zwischen langfristigen Vorhaben und kurzfristigen Notwendigkeiten meinte ich eingangs. Man gibt Geld aus, um es später zu sparen und man schraubt das spielerische Niveau herunter, um irgendwann wieder aufbauen zu können.
Ob dieses Vorgehen Erfolg haben wird weiß ich auch nicht, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass uns eine erneute Abkehr vom eingeschlagenen Weg noch weiter zurückwerfen wird.
Dies meine ich ausdrücklich auch sportlich, denn wenn man in Hoffenheim versucht mitzuspielen wird man Probleme bekommen.