Freitag, 26. Juli 2013

Saisonvorschau

Noch gut eine Woche bis zum Pokalspiel in Jena, dem Pflichtspielauftakt der Saison 13/14, die der HSV besser als die Vorsaison beenden will, was den positiven Nebeneffekt der Qualifikation für den Europapokal zur Folge hätte. Ich frage mich wie realistisch diese Zielsetzung ist, die so vollmundig vom Vorstand formuliert und vom Trainer relativiert wurde.

Tritt man zu einem Wettkampf an, sollte man diesen, schon im Sinne des Sportsgeistes, auch gewinnen wollen. Dem zur Folge sollte die Zielsetzung Meisterschaft heißen. Ob dies Realistisch ist, steht dabei auf einem ganz anderen Blatt Papier. Zu ungleich sind die Voraussetzungen für die Profivereine geworden und wenn ich jetzt sage, dass die sich Schere immer weiter öffnet, erzähle ich nichts neues. Selbst ein Rudi Völler, der ja immerhin einen Weltkonzern im Rücken seiner Werkself weiß, jammert angesichts der drohenden Dominanz aus dem Süden der Republik.

Dort spricht ein gewisser Herr Hoeneß davon, dass der HSV eigentlich in der Lage sein müsste mit den Bayern mithalten zu können, was bei unserem Trainer nicht gut angekommen ist. Dabei ist nicht davon auszugehen, dass sich Hoeneß Sorgen macht, der HSV könnte die Titelverteidigung seiner Bayern verhindern, viel mehr bewertet er das Potential, welches im Verein und der Wirtschaftskraft Hamburgs schlummert und so traurig es angesichts dessen, was unser Herzensverein daraus macht auch sein mag, er hat recht.

Genau wie es dem Verein mit dem Potential der Stadt ergeht, scheint es auch mit der Mannschaft gewesen zu sein. Zumindest hatte ich in der vergangenen Dekade oft das Gefühl, dass mehr drin gewesen wäre als erreicht wurde. In der letzten Saison hatte ich dieses Gefühl nicht. Wenn man ehrlich ist sieht der siebte Platz wesentlich besser aus, als die Leistungen, die zu diesem geführt haben. Natürlich wäre der eine oder andere Punkt mehr möglich gewesen, aber genau so gut hätte es auch in die andere Richtung gehen können.

Was spricht nun also dafür, dass sich der HSV in der kommenden Saison den Startplatz im internationalen Wettbewerb verdienen wird?
Da wäre als erstes die Konstanz auf der Trainerbank. Wer hätte gedacht, dass ich das mal schreiben dürfte, doch in diesem (noch jungen) Jahrtausend haben lediglich Kurt Jara (69/01-03) und Thomas Doll (79/04-07) mehr Spiele als Thorsten Fink (59) gecoacht. Unumstritten ist Fink deshalb zumindest bei den Fans noch lange nicht. Zu instabil die Abwehr, zu uninspiriert der Angriff, Schwächen bei Standards und das sowohl offen- als auch defensiv, dazu wirkt die Mannschaft häufig so, als würde sie das System des Trainers überfordern. Der Vorteil bei derartig vielen Kritikpunkten ist, dass man auch viele Möglichkeiten zur Verbesserung hat.

Konstanz herrscht auch im Kader, doch scheint diese weniger der Überzeugung, als den eingeschränkten Möglichkeiten geschuldet zu sein. Doch aus finanziellen Nöten haben schon andere Vereine eine Tugend gemacht und vielleicht bekommt so die Jugend eine Chance beim HSV.
Als Königstransfer ist bislang Johan Djourou zu bezeichnen, er sei der neue Abwehrchef und als solcher gesetzt war vom Trainer zu lesen, leider konnte er seine Qualitäten auf Grund seiner Verletzung noch nicht unter Beweis stellen, daher verbietet sich eine Beurteilung meinerseits. Des Johanns Leid ist Lasses Freud und so kam der U23 Nationalspieler, der aus Dortmund kam zu viel Spielzeit in der Vorbereitung. Natürlich ist Sobiech (noch) kein Abwehrchef und auch die zuletzt wiedergekehrten Schwächen bei Eckbällen sollte man nicht an ihm festmachen.

Ebenfalls aus Dortmund kam Kerem Demirbay, der in der Vorbereitung zu gefallen wußte und mittelfristig den Posten neben Milan Badelj auf der Doppelsechs besetzen könnte. Hakan Calhanoglu stieg erst spät in die Vorbereitung ein und konnte daher noch nicht zeigen, ob er sofort eine Verstärkung ist, seine Freistöße wären es auf jeden Fall. Überhaupt war zu sehen, dass in den Testspielen viele Tore nach Ecken gefallen sind, diese wurden allerdings noch von van der Vaart ausgeführt, der seinen Platz auf dem Platz immer noch zu suchen scheint. Auch dadurch konnte der Mangel an Kreativität und Durchschlagskraft bislang noch nicht abgestellt werden.

Darunter leiden vor allem die Angreifer. Rudnevs wirkt seit seinen Bankaufenthalten zum Ende der letzten Spielzeit verunsichert, Zoua kommt bislang über gute Ansätze nicht hinaus und Maxi Beister fehlt noch die letzte Konsequenz im Abschluss. Doch während Zoua und Beister noch Zeit benötigen, ist das Problem bei Rudnevs hausgemacht und mich würde es nicht wundern, wenn an den Wechselgerüchten der letzten Tage doch etwas dran wäre.

Ein Schwachpunkt im 4-2-3-1 System von Fink ist bislang die linke Außenbahn, die der Trainer für Ivo Ilicevic reserviert hat, der endlich einmal fit zu sein scheint. Doch leider wirkt der Kroate irgendwie gehemmt, findet keine Bindung zum Spiel und kann sein Potential so auch noch nicht abrufen.

Die größte Baustelle im Kader ist die Streichliste und auch da hat man das Gefühl, dass sich die handelnden Personen durch ungeschickte Äußerungen selbst im Weg stehen. Wenig Sinn scheint in meinen Augen auch der Abgang von Jacopo Sala zu machen, der bestimmt nicht zu den Topverdienern gehörte und dessen Transferertrag den Verein auch nicht wesentlich entlasten wird. Sala konnte man auf der rechten Seite auf beiden Positionen bringen und gerade als Backup für Diekmeier wird er fehlen. Aber vielleicht will man dort ja auch mit Mancienne weiter arbeiten, der gegen Dortmund als Außenverteidiger zu gefallen wusste.

Man ist versucht zu sagen, dass Konstanz nicht immer etwas positives ist, doch wenn Adler konstant gut hält, Rudi wieder trifft, Calhanoglu und Djourou schnell integriert werden und das Finksche System verinnerlicht wird, kann die Zielvorgabe des Vorstands erreicht werden. Auf jeden Fall scheint das im Moment wahrscheinlicher, als die Erfüllung der Hoeneßschen Visionen, die aber trotzdem als Fernziel und Selbstverständnis des Vereins im Gedächtnis der handelnden Personen bleiben sollten.

Bis jetzt habe ich versucht den HSV als neutraler Beobachter zu betrachten, wie gut mir das gelungen ist mögen andere bewerten, jetzt möchte ich aber noch ein paar Wünsche als Fan loswerden.
Ich wünsche mir, dass an jungen Spielern festgehalten wird, auch wenn diese mal Fehler machen.
Ich wünsche mir, dass nach Leistung aufgestellt wird auch wenn dafür mal ein prominenter Spieler auf die Bank muss.
Ich wünsche mir, dass es dem Trainer gelingt sein System auf die Mannschaft zu übertragen, oder es so zu modifizieren, dass sein Team damit klar kommt.
Ich wünsche mir leidenschaftlichen Fußball!
Und ich wünsche mir, dass alle im Verein zu dessen Wohle handeln.
Aber das schreibe ich wohl besser wieder auf den Wunschzettel für den Weihnachtshasen...

Nur der HSV!

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