Sonntag, 27. Mai 2018

Hoffmann, Holtby und der HSV

Selbst der Abstieg kann der Aufbruchsstimmung beim HSV nichts anhaben. Unvergessen ist der Tag an dem der Abstieg endgültig Realität wurde, unvergessen die Reaktion der Fans, die Unterstützung der Mannschaft, die Liebe zum Verein.
Mehr als 4.000 Menschen haben sich dazu entschlossen Mitglied beim HSV zu werden, um ihren Verein gerade jetzt zu unterstützen, aber auch um ein Zeichen zu setzen:
Wir mögen abgestiegen sein, aber wir leben noch!

Mit dieser Reaktion Hamburgs war zwei Monate vor dem letzten Spieltag nicht zu rechnen. Seit Monaten brodelt es bei Heimspielen, man hörte schon bei den ersten Fehlern im Spiel Pfiffe und als sich der HSV, begleitet von medialer Häme, die obligatorische Klatsche in München abgeholt hat tauchte auf dem Trainingsplatz das unsägliche Plakat: „Eure Zeit ist abgelaufen, wir kriegen euch alle!“ auf und die elf Kreuze wurden aufgestellt.
Die Enttäuschung wurde zur Wut und bei einigen Verblendeten gar zum Hass. Ich mag mir gar nicht vorstellen, wozu es noch gekommen wäre, wenn sich das Spiel der Mannschaft nicht grundlegend geändert hätte.

Dafür, dass ich die erwartete Selbstzerfleischung meines Vereins nicht erleben musste, hat vor allen anderen Christian Titz gesorgt. Mit dem veränderten Auftreten der Mannschaft unter seiner Führung, dem konsequenten Einbau junger Spieler, denen auch mal ein schlechter Auftritt (zB. Steinmann in Hoffenheim) verziehen wurde, ohne sie aus der Startelf zu verbannen, wandelte sich auch die Stimmung im Verein. Wenn es einen Beleg bräuchte, dass Fans ein Gespür für Leistungen ihres Vereins haben, muss man sich nur die Bilder von Frankfurt vor Augen führen, als nach der 0:3 Niederlage mit Tränen in den Augen applaudiert wurde.

Drei Wochen vor dem Auftritt in München wurde Bernd Hoffmann mit 51,09% der anwesenden Mitglieder zum Präsidenten des HSV eV gewählt. Es wurde "Gebuht, gebrüllt, gewählt" und hätten ein paar Mannschaften die Versammlung nicht vor der Wahl verlassen müssen…
Hätte, hätte Fahrradkette.
Am 18.Februar wurde Hoffmann gewählt, am 7.März übernahm er den Vorsitz des Aufsichtsrates um am Tag darauf Heribert Bruchhagen freizustellen und auch Jens Todt (via Wettstein) zu entlassen. Vier Tage und ein Auswärtsspiel in München später folgte die Trennung von Bernd Hollerbach.

Unter Christian Titz, der von Bernhard Peters, Johannes Spors und Frank Wettstein als Trainer installiert wurde bekam der HSV erstmals seit langer Zeit so etwas wie Glaubwürdigkeit im Handeln zurück. Nicht nur ich rieb mir ob des Auftritts gegen die Hertha verwundert die Augen. Kaum zu glauben, dass die Spieler, die vor Wochenfrist kaum einen Ball stoppen konnten auf einmal Fußball spielten. Ja spielten und nicht nur arbeiteten. Stützen der Nachwuchsmannschaft funktionierten auch bei den Profis und als Fan mochte man sich wieder mit dem was da auf dem Platz passierte identifizieren. Man glaubte ein Konzept erkennen zu können. Man ging wieder wegen und nicht trotz des Fußballs ins Stadion.

Hinter den Kulissen arbeitete der Aufsichtsrat daran die Lücken in der Vorstandsetage zu schließen. Während Frank Wettstein dadurch punktete, dass die Lizenzen für beide Ligen ohne Auflagen erteilt wurden, geisterten erste Namen von Sportvorständen durch die Medien. Die Suche nach einem/ einer Vorstandsvorsitzenden verlief wesentlich ruhiger. Gegen Ende der Saison kristallisierte sich heraus, dass der neue Sportchef wohl noch unter Vertrag stehen müsse und die Namen Becker und Krösche wurden, oder  besser werden als heißeste Eisen gehandelt.

Die Suche nach einem Vorstandsvorsitzenden wurde gestern bis auf weiteres unterbrochen, oder gar eingestellt. Bernd „Ich strebe kein Amt im Vorstand an“ Hoffmann hat jetzt seinen dritten leitenden Posten beim HSV inne. Mehr davon sind meines Wissens nach auch nicht zu vergeben.
Nüchtern betrachtet hat der Aufsichtsrat keinen besser geeigneten Kandidaten gefunden und die Position intern besetzt. An der fachlichen Eignung Hoffmanns besteht wohl selbst bei dessen Kritikern kein Zweifel, doch was wird aus der gerade eingekehrten Glaubwürdigkeit im Handeln, was mit der einheitlichen Unterstützung?

„Momentan macht der HSV vieles richtig“ war eine sehr gebräuchliche Redewendung in den letzten Wochen, die Hoffmannentscheidung ist zumindest als unglücklich zu bezeichnen.
Einige unterstellen Hoffmann, dass er ganz gezielt auf den gestrigen Tag hingearbeitet hat und bezichtigen ihn der Lüge, da er sein neuestes Amt im Vorwege ausgeschlossen hat. Andere sehen in Hoffmann den Heilsbringer, da sich seit seiner Rückkehr doch so vieles im Verein gebessert hat. Manche mögen in ihm auch ein momentan notwendiges Übel sehen, da halt kein besserer Kandidat zur Verfügung stand.

Mir selbst missfällt die gestrige Entscheidung aus mehreren Gründen.
Ohne Hoffmann etwas unterstellen zu wollen mag ich auch nicht ausschließen, dass eine Rückkehr ins operative Geschäft sein Wunsch oder gar Ziel war. Ich habe ihn nie für den Typ Vereinspräsident gehalten und habe seine Wahl stets als Mittel zum Zweck empfunden. Das hat er ja auch selbst so gesagt. Selbstverständlich wird sein Amt als Vereinspräsident von seinen Vertretern übernommen werden, doch waren diese bei der Wahl im Februar bestenfalls Beiwerk zu Hoffmann.
Thomas „So wahr mir Gott helfe“ Schulz steigt in den AR auf und wird selbstverständlich grundkritisch verfolgen, was sein ehemaliger Kollege so anstellt.
Am meisten stört mich aber der Verlust der Glaubwürdigkeit. Hoffmanns Ernennung ist zweifelsfrei legitim, doch sie geschieht halt durch die Hintertür. Derjenige, der niemanden für den Posten gefunden hat besetzt ihn eben selbst. Ein Schelm der Böses dabei denkt.
Auch die positive öffentliche Wahrnehmung wird durch diese Entscheidung torpediert und der HSV gibt nach außen hin mal wieder das Bild des Karnickelzüchtervereins ab.

Wie intensiv die Suche nach einem Vorstandsvorsitzenden gewesen ist vermag ich nicht zu beurteilen und auch ob mein Kandidat (Holger Hieronymus) überhaupt gefragt wurde weiß ich nicht. Auf keinem Fall möchte ich Bernd Hoffmann die Qualifikation absprechen, doch wenn ich nur überlege, dass er gestern am Tisch saß als über den neuen Sportchef/vorstand gesprochen wurde drängt sich mir das Bild der Einmannkapelle auf. Ein Model aus vergangenen Zeiten.

Zum Abschluss sei mir noch ein Wort zu Lewis Holtby und dessen Vertragsverlängerung gestattet.
Hört doch bitte mit dem Stuss auf  den Spielern ihren Gehaltscheck vorzuwerfen. Da verzichtet ein Spieler auf Geld um mit unserem Verein in die zweite Liga zu gehen und die Konsequenzen seines Scheiterns mit zu tragen und ihm wird vorgeworfen nicht in die Systeme mehrerer Trainer gepasst zu haben und zu viel zu verdienen. Das leuchtet mir nicht ein.
Noch absurder wird es, wenn ich überlege, dass Titz von allen gefeiert wird und Holtby einer seiner Eckpfeiler sein soll. Ja was denn nun, vertrauen wir Titz oder nicht.
Wenn ich dann noch überlege, was ein Ersatz für Holtby mit Ablöse, Beraterkosten usw. kosten würde fehlt mir jegliches Verständnis für die Kritiker dieser Vertragsverlängerung.
Und ja, auch eine Vertragsverlängerung von Hunt würde ich befürworten. (Er muss ja nicht jeden Standard schießen).
Nur der HSV!

Sonntag, 13. Mai 2018

Erhobenen Hauptes

Irgendwie wollte die gestrige Szenerie rund um den Volkspark so gar nicht zu einem Abstieg passen. Pfiffe und Schmähungen gegen die Mannschaft? Fehlanzeige.
Im Gegenteil. Als so um die 70. Minute durchgedrungen ist, dass Wolfsburg die Kölner schlagen würde raffte sich das gesamte Stadion auf und bescherte mir das vielleicht eindrucksvollste Stadionerlebnis, das ich je genießen durfte.

Der Capo sagte, dass jeder mit dem Abstieg umgehen müsse, wie er es für richtig hielte und stimmte als letzten Gesang „Mein Hamburg lieb ich sehr“ an, jenen Abschlach Song, der die Verbundenheit zu Stadt und Verein so einzigartig auszudrücken vermag.
Es wurde laut gesungen und das gesamte Stadion sang mit. Ich hätte heulen können vor Freude und Stolz ein Teil dieser Fangemeinde zu sein, die den sportlichen Tiefpunkt der Vereinsgeschichte zu so einem großartigen Erlebnis machte und mich den Gang in die zweite Liga erhobenen Hauptes antreten lässt.

Jeder wie er es für richtig hält beinhaltet leider auch, dass einige Sylvester vorverlegten.
Mit Pyrotechnik war ja zu rechnen, die Rauchtöpfe sind mir schon zu viel und die Böllerei geht halt gar nicht. Die Ultras hatten gestern die Chance auf Grund der Leistung der Mannschaft und der Stimmung im Stadion einfach wieder unter ihrer schwarzen Plane vor zu kommen und auf den Einsatz von Pyrotechnik zu verzichten, um damit ein Zeichen zu setzen. Doch wie so viele Chancen im Verein wurde auch diese vertan. Vor dem Spiel spendete ich (wie so oft) noch etwas Geld für Choreos, am Ende des Spiels ging das dann in Rauch auf…
Die Reaktion der restlichen 56.800 Zuschauer war eindeutig und sollte im Mittelpunkt der Berichterstattungen stehen, auch wenn die Bilder vielleicht nicht ganz so spektakulär sind!

„Ich hab nen harten Tag gehabt“ diese ersten Worte von „Mein Hamburg lieb ich sehr“ sagen schon viel über meinen Gemütszustand aus.
Ich vermag noch nicht so recht einzuschätzen, was uns in der zweiten Liga erwartet und ob wir dem gewachsen sein werden. Für viele unserer kommenden Gegner werden die Spiele gegen uns die Highlights der Saison sein und entsprechend engagiert werden sie diese angehen.
Andersrum bin ich total gespannt darauf, wie sich der HSV entwickeln wird und bin happy, dass Christian Titz der Trainer bleibt, hoffe aber auch, dass Strukturen geschaffen werden, die eine Grundphilosophie auch unabhängig vom Trainer ermöglichen.
Mich haben gestern sehr viele persönliche, aufmunternde Nachrichten erreicht, über die ich mich sehr gefreut habe. Dabei hält sich meine Niedergeschlagenheit merkwürdiger Weise in erträglichen Grenzen.
Aber natürlich habe ich auch viele Posts gelesen, die ihre Freude über unseren Abstieg ausdrückten, all jenen möchte ich zurufen: „ Habt Spaß mit den Wolfsburgs und Hoffenheims dieses Landes, mit leeren Gästebereichen und überschaubaren Fanszenen!“
Als gestern die Gladbachfans ungeachtet dessen, was ihre Fohlen da auf dem Platz gezeigt haben ihre Schmähgesänge auspackten, wurden sie von uns HSV-Fans niedergesungen und verstummten völlig.
In diesem Sinne:
Mein Hamburg lieb ich sehr, sind die Zeiten auch oft schwer,
weiß ich doch hier gehör ich her.
Hier wo ich geboren bin, wo ich spielte schon als Kind,
in den Straßen, die mein Zuhause sind!

Sonntag, 6. Mai 2018

Kurz vor Schluss

Eigentlich waren wir doch schon lange tot, ruiniert und abgestiegen.
Mehr als zehn Jahre der Misswirtschaft unter der Leitung von Pseudofachleuten haben meinen Verein zerstört. Die heutige Situation ist kein Wunder, oder Unfall sondern das Ergebnis konsequenten Missmanagements. Immer war es wichtiger Leute auf den entscheidenden Positionen zu haben, die man von außen beeinflussen konnte, als auf Kompetenz zu setzen.
Als wir Mitglieder dann die Schnauze so voll hatten, dass wir die Situation ändern mussten, kam man den Änderungswünschen pro Forma nach, verriet aber deren Inhalte und Philosophie.
Siehe dazu das NDR-Interview mit Holger Hieronymus.

Inkompetente, gängelbare Abnicker im Aufsichtsrat ließen ihrem Wunschvorstand freie Hand und ihn so Geld verbrennen, welches im Prinzip gar nicht vorhanden war. Die Folge davon ist, dass man sich nur noch von Lizenz zu Lizenz zu hangeln vermag und dabei auf Fremdkapital des Gönners oder wie zuletzt Signing fees des Vermarkters zurückgreifen muss. Der Spielraum für tatsächliche Gestaltung des Vereins bzw der AG wird dadurch und auch durch die bestehenden Verpflichtungen wie zB der Fananleihe minimiert.

Wenn es beim HSV etwas Positives aus den letzten Jahren zu vermelden gibt, ist es die Entwicklung im Nachwuchsbereich und Bernhard Peters ist nach außen hin vielleicht der einzige Glücksgriff in der trostlosen Bilanz des Dietmar Beiersdorfer.
Die des Trainers und einiger Eckpfeiler beraubte U21 verpasst (wahrscheinlich) nur knapp die Aufstiegsrunde zur dritten Liga und der U19 fehlte gestern 5 Minuten zum Erreichen der Endrunde um die deutsche Meisterschaft. An ähnliche (fast) Erfolge des Nachwuchses vermag ich mich nicht zu erinnern.
Die Beförderung von Christian Titz zum Trainer der Profis macht daher, unabhängig von seiner persönlichen Befähigung, aus unterschiedlichen Gründen Sinn.

Der HSV muss die Durchlässigkeit von der Jugend zu den Profis endlich leben, um den Talenten, seien es Trainer oder Spieler, Perspektiven aufzuzeigen. Da genügt es bei weitem nicht einen Campus und neue Trainingsplätze zu bauen, viel mehr muss jedem Talent egal ob aus den eigenen Reihen oder von außerhalb an möglichst vielen Beispielen vor Augen geführt werden, welche Möglichkeiten sie bei uns haben.

Wirtschaftlich gesehen ist dieser Weg noch alternativloser als vor vier Jahren. Um den Kopf aus der Schlinge der Handlungsunfähigkeit zu bekommen braucht man entweder die Champions League Qualifikation, oder man muss Spieler entwickeln, um diese mit Gewinn verkaufen zu können. Welche dieser Möglichkeiten mehr Aussicht auf Erfolg hat muss ich hoffentlich nicht erklären.

Auch für die Stimmung in und um den Verein herum ist dieser frisch eingeschlagene Weg unabdingbar. Erst seit sieben Spieltagen wird der HSV wieder als Fußballverein und nicht als Chaosclub wahrgenommen und alleine diese Tatsache grenzt schon an ein Wunder. Auch bin ich davon überzeugt, dass man mit einer frischen Strategie Türen zu Sponsoren öffnen kann, die in der Vergangenheit zugefallen sind. Allerdings braucht es dafür mehr als sieben Spieltage.
Hamburger Pfeffersäcke beeindruckt man halt nicht so leicht wie Fans.

Jetzt bin ich wieder wesentlich analytischer geworden, als es beabsichtigt war. Eigentlich wollte ich schreiben wie es mir in den letzten Wochen ergangen ist. Wie ich wieder mit Freude ins Stadion gegangen bin, weil ich einfach neugierig auf den HSV war. Und wie nach und nach aus dieser Neugier wieder Hoffnung erwachsen ist, nur um wieder zusammen zu fallen.
Realistisch gesehen besteht eine 40% Chance auf einen Sieg gegen Mönchengladbach und eine 20% Chance auf einen Sieg des Effzeh in Wolfsburg. Mathematisch ergibt es Wahrscheinlichkeit von 8% auf den Relegationsplatz, der zu 75% zum Klassenerhalt führen sollte. Das ergibt eine 6% Chance auf den Klassenerhalt.
Aber hey, wir sind der HSV, Wunder ist unser zweiter Vorname und die dicke Dame steht zwar auf der Bühne, geträllert hat sie aber noch nicht.
Mit welchem Gefühl ich am Sonnabend Richtung Volkspark ziehen werde vermag ich heute noch nicht einzuschätzen, sicher ist nur, dass ich laut sein werde und dass alles was passiert durch  Tanja, Kai und Tommi an meiner Seite erträglicher werden wird.

Nur der HSV!

Sonntag, 11. März 2018

Meine HSV-Woche

Ein 0:6 in München ist ja eigentlich nichts, was einen eingefleischten HSV-Fan erschüttern könnte und so ist es auch in diesem Jahr bei mir gewesen. Ein Kopfschütteln über die dargebotene Leistung meines Vereins und ein paar dumme Sprüche über Twitter aus Selbstschutz, das wäre die normale Reaktion, wenn in der vergangenen Woche nicht so viel passiert wäre, über das es sich meiner Meinung nach zu reden lohnt.

Wie im letzten Blogbeitrag geschrieben ist der HSV für mich seit der Niederlage von der Weser abgestiegen. Das Engagement vom Heimspiel gegen Mainz, gepaart mit der Unfähigkeit das Runde ins Eckige zu bugsieren war dann schon fast eine Erleichterung, hätte ein Sieg doch neue Hoffnung gebracht und so das Leiden verlängert. So entschloss ich mich mir Gäste in den HSVTalk zu holen, die noch hoffen.
Die Reaktionen auf diesen Talk waren interessant, vielfältig, aber durchweg positiv.

HSVTalk Hoffnung

Zwei Tage später wurden Bruchhagen und Todt entlassen.
Bernd Hoffmann machte das wahr, was er während seines Wahlkampfs angedeutet hat, ohne es auszusprechen. In seiner zweiten Aufsichtsratssitzung ließ er sich zum Vorsitzenden des Gremiums wählen und löste Michael Krall nach nur einem Monat Amtszeit ab. Selbstverständlich wurde diese Entscheidung, wie auch die zur Demission Bruchhagens einstimmig getroffen. Dann wurde Bruchhagen freigestellt und Frank Wettstein, jetzt alleiniger Vorstand entließ Jens Todt. Positiv ist, dass die Diskussionen zur Mehrheitsfindung komplett dort blieben wo sie hingehören, nämlich im Aufsichtsrat. Beim HSV beileibe keine Selbstverständlichkeit.

Meine Einschätzung auf meinsportradio.de vom Donnerstag

Und noch ein Positivum möchte ich nicht unbemerkt lassen. In Krisenzeiten kann man darauf wetten, dass die Granden glorreicher Zeiten aus den Löchern gekrochen kommen, sich vor die Mikrofone und Notizblöcke stellen und kritisieren was das Zeug hält. Umso bemerkenswerter ist es, dass sich Marcell Jansen gerade in diesen, vielleicht dunkelsten Tagen der Vereinsgeschichte in ein Amt berufen lässt und versucht im Rahmen seiner Möglichkeiten etwas für den HSV zu bewirken. Hut ab Cello!

Zurück zum Donnerstag. Schnell war wieder vom Chaos in Hamburg zu lesen, doch ebenso schnell schwenkte dieses Gerede in Verständnis um. Wann außer sofort sollte man eine Neuausrichtung des Vereins in die Wege leiten? In der Sommerpause wäre es wohl zu spät gewesen.
Natürlich wäre es schön, wenn der neue starke sportliche Leiter schon installiert wäre, oder der Abschluss mit einem solchen wenigstens kurz bevor stehen würde, denn obwohl der Verein pro forma handlungsfähig ist und sich das verbliebene Vortstandsmitglied Frank Wettstein in sportlichen Dingen bei Bernhard Peters und Johannes Spors Rat holen kann, verbleibt der Eindruck eines Vakuums.
Für mich wäre ein fließender Übergang von Bruchhagen/Todt zu Mister X oder X/Y sinnvoller gewesen und ich kann mir vorstellen, dass beide Entscheidungsträger dazu bereit gewesen wären, doch kann ich mich da natürlich auch irren.


Mich beschleicht auch immer mehr das Gefühl, dass wir auch ein Motivationsvakuum auf der Bank sitzen haben. Bernd Hollerbach ist ein Mann der Tat und nicht des Wortes, doch war ich ob seiner Mimik während der donnerstäglichen Spieltags-PK entsetzt.
Würde ich jetzt den (mir) fehlenden Funken in den Augen des Trainers eins zu eins mit der ausgebliebenen Leistung der Mannschaft in München in Verbindung bringen, wäre das zu eindimensional gedacht und auch unter Labbadia und Gisdol gab es während der Aufholjagden Auftritte dieser Art, doch war gestern nichts von einem Wirgefühl auf dem Platz zu bemerken.

Wenn sich dann nach dem Spiel ein Papadopoulos hinstellt und über ausgebliebene Verstärkungen im Winter jammert klingt das schon sehr nach der Suche nach Ausreden. Wenn sich ein Schipplock über die Einstellung seiner Kollegen beschwert möchte in bester Trappatonimanier fragen: „Was erlaube Schipplock? Drei Jahre gespielt wie Flasche leer, keine Tor getroffen und jetzt reden über Einstellung von Mitspieler“ Mit anderen Worten, der Zusammenhalt im Team, der dem HSV mehrmals die Klasse gehalten hat scheint in diesem Jahr nicht vorhanden zu sein. Die Spieler wirken genauso zermürbt wie Medien und Fans.

Das bringt mich zum nächsten Thema.
Wenn Teile von uns Fans meinen die Spieler mit Plakaten und Kreuzen bedrohen zu müssen so ist das eine Straftat und mit nichts zu rechtfertigen!
Trotzdem sehe ich in dieser absolut überzogenen Reaktion nur den Wunsch sich Gehör zu verschaffen. Die gängigen Floskeln wie „Scheiß Millionäre“ und so weiter werden doch schon vom Boulevard in der Suche um Aufmerksamkeit verwendet. Wer die Luschenkampagne der Bild gesehen hat kann sich nur noch angeekelt abwenden, wer die Spielerbewertung des Abendblatts in der Ursprungsfassung gelesen hat kann deutlich erkennen, dass eine Steigerung dessen was da stand nur noch in diesem unsäglichen verachtungswürdigen Plakataktionen zu finden ist.
Dazu war der Liveberichterstattung auf Sky angefangen mit diesem von Volksmusik untermalten Torzusammenschnitt, über dem unsachlichen und vor Häme triefenden Kommentar von Frank Buschmann, bis zu den eingespielten Kommentaren eines Lothar Matthäus anzumerken mit welchen Genuss der Spielverlauf begleitet wurde.

Als kurz nach dem Abpfiff Bilder des oben genannten Plakats im Netz erschienen sind waren gerade diese Medien die ersten, die dies verurteilten, selbstverständlich ohne sich selbst zu hinterfragen.

Im letzten Blogbeitrag endete ich mit der schwachen Hoffnung, dass wir mit etwas Restwürde und Anstand absteigen würden, diese Hoffnung möchte ich wider besseren Wissens erneuern und mit einem Appell an die die begleitenden Medien ergänzen ein Mindestmaß an Sachlichkeit walten zu lassen, oder wenigstens darauf zu verzichten weiteres Öl ins Feuer zu gießen. An die Teile der Fans zu appellieren, die Gewalt androhen halte ich für sinnlos, da kann man nur versuchen dem Pöbel so wenig Plattform wie möglich zu geben.
Nur der HSV!

Samstag, 24. Februar 2018

Abgestiegen


Spätestens nach dem 0:1 von Bremen ist jedem klar was die Stunde geschlagen hat.
Manche dürfen es nicht zugeben wie Heribert Bruchhagen direkt nach dem Spiel, der auf Schiedsrichter und Videoassistenten schimpfte, als wären diese für die Situation verantwortlich.
Andere wollen es nicht sehen, bis der allerletzte Gong geschlagen hat, was ihr gutes Recht ist.
 Fakt ist jedoch, dass der HSV seit Jahren wie ein Absteiger agiert. Man macht einfach viel zu wenig aus den Möglichkeiten, die man immer wieder geboten bekommt. Geld wird verbrannt, Personen verschlissen und Talent verkannt.

Immer wieder, und das nicht erst seit 2014, wurde im Zweifelsfall auf die falschen Personen gesetzt und sehenden Auges ins Verderben gerannt. Starke Persönlichkeiten wie Frank Arnesen werden aus dem Club gedrängt in dem man über ihre Köpfe und gegen ihren Rat entscheidet, oder sie wurden wie im Fall Schmadtke gar nicht erst geholt. Die Hilkes und Beiersdorfers hat man einfach machen lassen. Es wurde darauf gebaut, dass teure Spieler funktionieren und hat es nie geschafft diese so zu entwickeln, dass dies auch möglich wäre.
All diese Punkte und noch viele mehr sind hinlänglich bekannt und ich erspare es mir und euch diese weiter auszuführen.

Umso mehr bin ich entsetzt, wenn sich heute auch angesichts von 18 Toren in 24 Spielen so sehr über ein strittiges, nachgewiesener Weise aber nicht zu Unrecht gegebenes Tor, welches einen Punkt gekostet hat aufgeregt wird. Dies passt zu den schönfärberischen Aussagen der Verantwortlichen in den letzten Wochen, die selbst nach der größtenteils grottenschlechten Leistung des Leverkusenspiels noch positive Ansätze sahen.

Ich schrieb hier ja auch schon oft, wie sehr mir dieses Unabsteigbar-Gelaber vieler Fans auf die Nerven geht/ging, da dies eine Perspektivlosigkeit beinhaltet die ich mir einfach nicht zu eigen machen will/wollte.
Jetzt ist es also so weit und es bliebe uns eigentlich nur noch in Würde und erhobenen Hauptes abzusteigen, doch angesichts des Jagdplakates, der Pöbeleien auf der MV und des ausufernden Gebrauchs von Raketen und Böllern in Bremen, die auch noch auf den Platz landeten (ob sie auch in Zuschauerrängen landeten entzieht sich momentan meiner Kenntnis) bin ich mir sicher, dass wir auch das nicht hinbekommen.

Im Gegenteil ich mag gar nicht daran denken, was sich manche Leute, die sich Fans schimpfen noch alles einfallen lassen und wie überzogen andere darauf reagieren werden.
Einmal mehr ist es Zeit mich von diesem Verein abzuwenden, natürlich werde ich das auch dieses Mal nicht hinbekommen. Immerhin fahre ich jetzt in den Urlaub und muss mich nicht mit dem Verein befassen.
In diesem Sinne… Nur der HSV

Sonntag, 18. Februar 2018

Gebuht, gebrüllt, gewählt

Mit 585 zu 560 Stimmen wurde heute Bernd Hoffmann zum neuen Präsidenten des HSV gewählt. Einige seiner Anhänger feierten dies mit „So sehen Sieger aus“ Gesängen woraufhin seine Gegner Hoffmann Raus skandierten.
Schon vorher schafften es Teile der Mitgliedschaft nicht Redner die es wagten anderer Meinung sein zuzuhören, sondern störten diese mit Buh-Rufen. Nicht nur mich erinnerten diese Situationen an 2014 und die unsäglichen Veranstaltungen rund um die Ausgliederung.
Ich hatte gehofft so etwas nicht wieder erleben zu müssen. Zumindest nicht so bald.

Jetzt ist also Bernd Hoffmann Präsident und will sich vor allem um die AG kümmern, dies kann er sich sogar leisten, da sein Vorgänger dem eV funktionierende Strukturen und Personen installiert hat auf die sich Hoffmann jetzt verlassen kann.
Bernd Hoffmann konnte mich nicht überzeugen der richtige Mann für den angestrebten Posten zu sein, daher habe ich ihn auch nicht gewählt. Dabei hätte ich ihn gerne im Aufsichtsrat gesehen und denke auch heute noch, dass er dort gute Arbeit leisten kann. Als Präsident des eV sehe ich ihn aber nicht.

Heute wurde auch klar, dass der frisch gewählte Präsident am Verhandlungstisch oder in kleiner Runde wesentlich besser aufgehoben ist, als am Rednerpult vor einer gespaltenen Mitgliedschaft. Was er sagte wirkte auf mich wenig inspirierend und noch weniger konkret.
Trotz allem wird Bernd Hoffmann den eV nicht zu Grunde richten. Ich halte diese Wahl für nicht halb so richtungweisend wie sie von vielen gemacht wurde. Hoffmann wird im Aufsichtsrat mitwirken können und der eV wird von der bisherigen Geschäftsführung geleitet.

Auf die momentane Situation der Bundesligamannschaft hat die Wahl auch keine Auswirkung. Leider möchte man hinzufügen, denn dort kann es wirklich nur besser werden. Ob Jens Todt seine mehr als unglücklichen Äußerungen nach dem Kick gegen Leverkusenberuflich überleben wird steht allerdings heute noch mehr in Frage als gestern und wenn ich das was ich auf der MV aufgeschnappt habe als Maßstab nehme, wäre den meisten Mitgliedern eine Absetzung des Sportchefs recht.
Jetzt gilt es die Kraft, die nach den Grabenkämpfen der feindlichen Lager noch da ist zu bündeln und sie für den Klassenerhalt zu nutzen. Auch wenn die Aussicht auf Erfolg noch so gering ist.


Sonntag, 11. Februar 2018

Hoffnungslos, aber nicht ernst

Habt ihr auch Standardantworten auf banale Fragen?
„Wie geht`s?“ - „Muss ja.“ Wäre ein Paradebeispiel für eine solche.
Fragt man mich zum Beispiel: „Wie ist die Lage?“ dann antworte ich gerne mit „Hoffnungslos, aber nicht ernst“
Diese, meine floskulierte Antwort schwirrt mir derzeit im Kopf herum, wenn ich an den HSV denke.

Einen richtigen Grund zur Hoffnung will mir mein Leib- und Magenverein dieser Tage einfach nicht liefern. Nicht dass ich das 0:2 von Dortmund zu einem Weltuntergang hochwerten will, im Gegenteil die Leistung beim BVB war doch wesentlich positiver als befürchtet, doch mag ich daraus keine Hoffnung schöpfen. Verliert man Spiele in denen man eine gute Leistung anbietet, fragt man sich doch was passiert wenn diese ausbleibt?

Es ist diese Harmlosigkeit im Abschluss, die eventuell aufkommende Hoffnung im Keim erstickt. Egal wer im Angriff spielt, Torgefahr stellt sich einfach nicht ein und wenn man auch noch dazu neigt mindestens einen Gegentreffer zu kassieren ist es mit der Punktausbeute nicht sehr weit her.
Am Sonnabend konnte man wirklich keinem Spieler oder Trainer unterstellen, dass er nicht alles versucht hätte und daher ist der ausbleibende Erfolg als fehlende Klasse einzuschätzen.
Zumindest mache ich das so.

Für viele heißt daher die aktuelle Durchhalteformel: Hoffmann = Hoffnung
Bernd Hoffmann hat sich den Termin für seine versuchte Rückkehr ausgesucht, aber nicht die aktuelle Lage des HSV. Ihm vorzuwerfen er würde zur Unzeit kandidieren halte ich daher nicht für legitim. Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass ein kurzer Wahlkampf um den Vorsitz des eV die Herren Profikicker beeinflusst. Andersrum sollte auch jedem klar sein, dass die Wahl Hoffmanns zum Präsidenten sich nicht mehr positiv auf diese Saison auswirken wird, wenn sie das denn überhaupt tut.

Ich traue Hoffmann durchaus zu bei Entscheidungen des Aufsichtsrats seine Sportmanagementerfahrung für den HSV einzubringen und glaube auch, dass der eV unter seiner Führung nicht zu Grunde gehen wird. Als einen Heilsbringer sehe ich ihn aber nicht und sein Wahlkampf erscheint mir für das angestrebte Amt überzogen zu sein. Vielleicht erinnert er mich auch nur zu sehr an 2014, als mir vieles Versprochen wurde, woran sich nach der Wahl niemand mehr erinnern wollte.

So viel also zur Hoffnung, aber warum ist die Lage nicht ernst?
Natürlich ist die sportliche Lage ernst, sehr sogar, doch den Verein / die AG kann doch wirklich keiner mehr ernst nehmen. Schon der Versuch dies zu tun würde einen in die Verzweiflung treiben.
Nehmen wir doch diesen Putschversuch des AR gegen den Vorstand. Allein schon über die Formulierung könnte man sich totlachen, wenn es nicht so traurig wäre. Da erfüllt ein Rat seine Pflicht, in dem er hinterfragt ob der erfolglose Vorstand noch richtig am Platz ist, schreibt das per Mail an seine fünf Kollegen und liest es zwei Tage später in der Zeitung.
Um so eine Führung ernst zu nehmen fehlt mir der Humor.
Übertroffen wird diese Farce nur dadurch, dass angeblich der Name Magath ins Spiel gebracht wurde. Wäre dies geschehen hätte ich die Tickets für die nächsten (letzten?) Heimspiele zusammen mit meinem Mitgliedsausweis öffentlich verbrannt.

Auch die Mitgliederversammlung steht auf der Kippe, da die Kuppel nicht für die hoffmannsche Mitgliederrequirierung (Es sollen Fanclubs Busse zur Anreise angeboten worden sein) ausreicht. Da man jetzt auch nicht mehr auf eine größere Location ausweichen kann, droht der Ringelpietz auszufallen. Auswärtige Mitglieder werden sich zweimal überlegen, ob sie anreisen…

Und dann sind da ja auch noch die Finanzen die Jahr für Jahr so hinjongliert werden, dass es gerade so für die Lizenz reicht, ob auch für die kommende Saison, gleich in welcher Liga, muss sich angesichts sinkender Zuschauerzahlen und bestenfalls gleichbleibender Platzierung in der Fernsehgeldtabelle erst noch herausstellen.

Denke ich über den Niedergang meines Vereins in den letzten Jahren nach ist mir zum Heulen zu Mute, also versuche ich die Situation so gut wie möglich auszublenden und doch gehe ich nächsten Sonnabend wieder ins Stadion um am Sonntag zur MV, dort werde ich (so wie ich mich kenne) bereit sein nach jedem Fünkchen Hoffnung Ausschau zu halten, diesen aufzugreifen und daraus ein Feuer zu entfachen. Nur woher dieser Funken kommen soll ist mir Stand heute nicht klar.