Samstag, 20. Juli 2019

Saisonstart 2019

Es war einmal ein großer Verein, vielleicht sogar ein reiner Weltverein, der sich nach vielen Erfolgen einer großen Ära zu einem solchen ausgerufen hat. Als sich dieser Verein über10 Jahre nach dem letzten wichtigen Erfolg eine neue Spielstätte erschaffen hat schien es, wie zuvor auch, nur eine Frage der Zeit zu sein, bis man an die Erfolge des goldenen Zeitalters anknüpfen würde und entsprechend selbstbewusst stattete man das neue Stadion aus.
Da war die einmalige Stadionuhr, die jedem der es wissen wollte, aber vor allem auch all denen die es nicht wissen wollten unter die Nase rieb, dass man das einzige Gründungsmitglied der Bundesliga war, das nie abgestiegen ist. Unterstrichen wurde dieses Novum mit dem neuen Maskottchen. Die Hummel (die nie wirklich angekommen ist) wurde kurzer Hand durch den Dino Hermann abgelöst, welcher bei den jungen, aber auch bei vielen älteren Fans sehr beliebt ist.
So ernannte man sich selbst zum Dinosaurier, dem letzten Überlebenden der Vorbundesligazeit ungeachtet des Schicksals welches  die Dinos in freier Wildbahn ereilte.
Als Vereinshymne diente Hamburg meine Perle von Lotto King Karl, einem echten Fan (das meine ich wörtlich), der beim Wechsel des Medienpartners von Radio Hamburg zum NDR auch Stadionsprecher wurde und der mit seiner Perle zum Stadionerlebnis des Dinos gehörte und dessen Stadionhymne zu den bedeutendsten des Kontinents gezählt wurde.

Alles war auf eine Rückkehr an die Spitze der Liga oder gar des Kontinents ausgerichtet, jedoch wurden wie so oft die größten Fehler beim Erreichen des Teilerfolgs gemacht. Fehler, die ebenso wenig korrigiert wurden wie das Selbstbildnis. Der letzte Dinosaurier war immer noch ein schlafender Riese, der darauf wartete wachgeküsst zu werden und geküsst wurde er von Präsidenten, Managern, Trainern, Spielern und Förderern, die sich auf dem Weg zum Kusse die Klinke des Volksparks in die Hand gaben, der erst zur Intensivstation und schließlich zum Hospiz für das dahinsiechende Urzeittier wurde.
Aus den Titelambitionen von einst wurde die Unabsteigbarkeit zur neuen Tradition auserkoren in jedem Spiel klang „Sechsmal deutscher Meister, dreimal Pokalsieger, immer erste Liga, HSV“ durch das stets gut gefüllte Rund im Volkspark. Das Dinotum wurde zum Heiligtum. Die Uhr zur Reliquie und die Hymne wollte irgendwie nicht mehr passen. Mitgesungen wurde nach wie vor, doch suchten sich die Fans mit „Mein Hamburg lieb ich sehr“ einen Song aus, der ihre Stimmung so viel besser wiedergab.

Es kam so wie es kommen musste, nach langen Jahren des Überwasserhaltens war es aus mit der Unabsteigbarkeit, die Uhr verlor ihre Daseinsberechtigung und Lottos Perle wirkte vom Text her wie ein Fremdkörper im tristen Unterhausdasein, nur Hermann, der letzte Dino erfreute sich weiterhin seiner Beliebtheit bei jung und alt.
Trotzdem ließ man (abgesehen von einer kosmetischen Korrektur beim Zeiteisen) alles beim Alten, schließlich, so dachte man, war man einem Betriebsunfall zum Opfer gefallen und nach Behebung dieses Unfalls würde man auf dem Weg zu alter Bedeutung auf die Utensilien zurückgreifen wollen.

Nur hatte man es nicht mit einem Betriebsunfall zu tun.
Die Situation des Sommers 2018 hat man sich über eine Dekade hinweg hart erarbeitet. Selbstüberschätzung, mangelnde Kompetenz, Überheblichkeit und Fehlentscheidungen auf allen Ebenen ebneten den Weg ins Unterhaus und auch dort angekommen war man nicht in der Lage gegenzusteuern.
Man ging mit einem Trainer in die Saison, an dem man nicht glaubte, weil man niemanden die Entlassung des Sympathieträgers hätte verkaufen können. Dann gab man diesem den jüngsten Profikader der aktuellen Saison an die Hand und wartete ab, bis man die Saisonziele als gefährdet einstufen konnte, um den Trainer entlassen zu können, ohne selbst Schaden zu nehmen.

Der neue Besen, jung aber aufstiegserfahren, bekannt als Experte im TV übernahm den Kader, änderte Kleinigkeiten und holte Punkte, ohne gut spielen zu lassen. Die Leistungssteigerung sollte nach der Wintervorbereitung erfolgen und die Ausgangsposition war so gut, dass man den Kader unverändert ließ.
Aus der Leistungssteigerung wurde nichts und trotzdem ließ man sich vom Erreichen des Pokalhalbfinales und vor allem vom Derbysieg blenden. Es wurden Spieler ins Schaufenster gestellt, die verkauft werden sollten und damit in das Leistungsprinzip eingegriffen, dazu kamen die Verletzungen des Kapitäns, der allerdings schon seit Jahren als wandelnde Belastungssteuerung bekannt war. Kurz gesagt das Mannschaftsgefüge brach auseinander, dies war für jeden ersichtlich, nur die handelnden Personen handelten eben nicht.
Ach ja, das Saisonziel wurde verfehlt.

Im Sommer 2019 ging nun die Angst um, dass aus „Unabsteigbar“ binnen zwei Jahren „Unaufsteigbar“ die neue Tradition des großen Vereins mit der Raute werden könnte und man tat, was man halt tut, wenn den Verantwortlichen beim HSV die Muffe geht:
Man wechselt das Personal aus!
Da die Idee aus jungen Spielern mit Steigerungspotential eine schlagfertige Truppe zu schaffen offensichtlich nicht zum Erfolg führte, setzte man in Sachen Trainer und Kader jetzt auf Erfahrung. Umgesetzt wird der Umbau vom letztjährigen Wunschkandidaten des Vorstandsvorsitzenden, dem es seiner umstrittenen Ernennung zur Nummer Eins im Verein zum Trotz gelingt seine Hausmacht immer weiter auszubauen. So wurde für seinen ehemaligen Vize ein weiterer Posten im Aufsichtsrat geschaffen, der eigentlich nicht vorgesehen war.

Dennoch galt es Zeichen zu setzen. Es gab ein Statement der Numero Uno, dass die Situation angenommen werden müsse und das Gestern egal sei, passend dazu wurde die Uhr abmontiert und als sich die kritischen Stimmen zur Stadionhymne mehrten, wurde auch diese abgesetzt, natürlich nicht ohne streuen zu lassen, dass diese ein Teil der Stadionshow des Medienpartners sei, schließlich will man ja niemanden verprellen.
Außer halt Lotto und Pape, mit denen man sich bestimmt auf einen angemessenen Abgang hätte einigen können, wenn man es denn versucht hätte…

Ich habe die Befürchtung, dass die gesetzten Zeichen Muster ohne Wert sind, zu viele Kurse hat man in der letzten Dekade eingeschlagen, ohne das zu ändern worauf es ankommt: Die eigene Denkweise.
Noch immer glaubt man hohe Saisonziele ausgeben zu müssen, weil man dem zahlenden Publikum halt nichts anderes verkaufen kann und trifft Entscheidungen aus dem selben Grund. Man verpflichtet neue Spieler, obwohl ihre Vorgänger noch da sind. Man entlässt kritisch denkende Mitarbeiter und schafft Posten für Buddies. Man freut sich über den Andrang auf Dauerkarten, hat es aber nicht nötig auf Änderungswünsche von Fans zu reagieren.

Ja, die Zeichen zu setzen ist wichtig und ich halte diese Entscheidungen auch grundsätzlich für richtig, nur würde ich sie gerne als Boten einer Veränderung, einer längst fälligen Erneuerung sehen, nur vermag ich diese nicht einmal am fernen Horizont zu erblicken. Darauf den Kindern den geliebten Dino zu nehmen hat man mit Recht verzichtet, aber aus den Köpfen der Verantwortlichen muss der Dino endlich raus!

PS: Auch ich lag mit vielen Einschätzungen falsch, habe Hoffnungen in Personen gesetzt, die dann Enttäuschten, habe mich blenden und hinters Licht führen lassen und vielleicht haben mich diese Erfahrungen überskeptisch, oder gar zynisch werden lassen. Nur zu gerne würde (und werde) ich meinen Irrtum eingestehen, wenn sich meine Einschätzungen denn als falsch herausstellen würden, ich hoffe sogar das tun zu müssen, daran glauben mag ich nicht.

Donnerstag, 13. Juni 2019

Auf ein Neues, auf ein Altes


Vor vier Wochen zog ich mit einem Moin HSV und jeder Menge guter Ratschläge in den Volkspark und tatsächlich ist seit dem viel passiert. Einiges war vorhersehbar, einiges neu und vieles halt so wie immer.
Vor dem Saisonabschlussspiel gegen Duisburg sagte mir ein befreundeter Ex-Profi ich solle mal aufpassen, wer sich bei dem Spiel alles verpissen würde. Als ich die Aufstellung sah, habe ich mir meinen Teil gedacht, möchte aber diese Gedanken nicht laut aussprechen, da ich mich damit auf das dünne Eis des Spekulierens begeben würde.

Dreinull war das Ergebnis der Abschlusspartie welche von den Duisburgern nur zu leicht hergeschenkt wurde. Trotzdem war es angenehm sich so einen Sommerkick anzusehen.
Für manche Zuschauer führte die Aufstellung zu einem Problem, denn nur zu gerne hätte man die Spieler ausgepfiffen, doch waren die, die da unten spielten nicht die, die die Pfiffe verdienten,
Für mich war das der Hauptgrund warum Gotoku Sakai die Wut der „Fans“ zu spüren bekam, steht er doch als ehemaliger Kapitän und erhoffter Leistungsträger sinnbildlich für den Niedergang des HSV.
Natürlich ist mir klar, dass man Sakai, der immer vorbildlich gekämpft hat schlechtesten Falls eine Mittäterschaft vorwerfen kann und dass vor ihm noch ganz andere zur Verantwortung gezogen werden müssten. Nur mussten sich diese nicht dieser Überflüssigen Einwechselung aussetzen.

Trainer raus, Manager raus – Alles wie immer halt und wie fast immer haben diejenigen, die sich für den Verbleib der beiden ausgesprochen haben die schlechteren Argumente. Zu eklatant war die Fehleinschätzung bei der Beurteilung der Hinserie, zu offensichtlich die Hilflosigkeit in der Rückrunde. Wieder einmal waren zwei absolute Fachleute am HSV gescheitert.

Geblieben ist Finanzchef, der einmal mehr das kleine Wunder Lizenz ohne Auflagen vollbracht hat und geblieben ist auch Bernd Hoffmann, dieser sitzt dank der Aufstockung des Aufsichtsrats auf sieben Personen und damit der Berufung seines einstigen Vizes Thomas Schulz fester denn je im Sattel, was seine Anhänger erfreut, mich aber fassungslos zurück lässt, ist der kontinuierliche Ausbau einer Hausmacht doch ganz bestimmt nicht das Zeichen einer Erneuerung im Verein. Habe ich noch Verständnis dafür, dass der zweitgrößte Anteilseigner seinen Mann im AR bekommt, kapiere ich nicht warum das auch für den Vorstandsvorsitzenden der AG so umgesetzt und vom Beirat durchgewunken wird.

Wenn Bernd Hoffmann von einer Erneuerung des HSV spricht, predigt er meiner Meinung nach Wasser, während er Wein trinkt. Wenn als Zeichen nach außen die Uhr abgebaut wird kommt es mir vor als würde Hoffmann „Mein Hamburg wie lieb ich dich“ singen.
Ich nehme ihm schlicht und ergreifend nicht ab, dass er alles dafür tut um den Verein neu aufzustellen, vor allem nicht wenn das Alles mit seinen eigenen Interessen zu kollidieren droht.
So, wie die Spitze des Vereins momentan aufgestellt ist wird es keine grundlegende Erneuerung des HSV geben. Traurig aber wahr.
-        Der HSV verpflichtet seinen Wunschkandidaten Jonas Boldt als Sportdirektor
-        Der HSV verpflichtet einen sehr geerdet wirkenden Dieter Hecking als Trainer
-        Über 21.000 HSVer haben ihre Dauerkarten verlängert
Nein, nicht alles ist schlecht beim HSV!


Bitte hört mal in das Gespräch von Daniel Jovanov mit Horst Hrubesch und Holger Hieronymus rein,
da wird vieles klar, was ich hier nur andeute.

Sonntag, 19. Mai 2019

Moin HSV

Moin HSV,
wir haben Sonntag, den 19.5.2019 10.30 Uhr und ich bereite mich gerade darauf vor in zwei Stunden in Richtung Volkspark zu fahren, um mir das Spiel gegen Duisburg anzusehen.
Du wirst mir nachsehen, dass sich meine Vorfreude auf ein Minimum reduziert hat, aber dafür hast du ja in den letzten Jahren selbst gesorgt, obwohl du das ja nicht warst, schließlich kann man der Titanic auch keinen Vorwurf machen, dass sie den Eisberg gerammt hat. Dieser Fakt ist auch der, der mich weiter in den Volkspark pilgern lässt, überhöhten Eintrittspreisen, überzogenen Erwartungen und untauglichen Leistungen zum Trotz.
Du, lieber HSV bist halt größer, als die, die dich in Richtung Eisberg steuern.

Ich frage mich seit Jahren schon wer was machen kann, damit es dir wieder besser geht, ich war sogar bereit meinen eigenen Einfluss zu begrenzen, damit du gesunden kannst. Im Nachhinein war dies eine Fehleinschätzung, da die neuen Kapitäne vielleicht ein Segelboot, oder einen Fischkutter, aber auf jeden Fall keinen Luxusliner steuern konnten.
So kollidierte man wie eh und je mit jedem Hindernis, das auf dem weiten Ozean zu finden war und holte sich Beule um Beule ab. Für viele kam der Abstieg vor einem Jahr dem Anlaufen eines Trockendocks gleich, wo es eine Grundüberholung unserer MS Dino geben könnte.
Weit gefehlt. Der Dino ist über dem Stand an dem er zu heilen gewesen ist längst hinaus und die Maßnahmen, die ergriffen wurden waren lebensverlängernd, trugen aber nichts zur Gesundung bei.

Und jetzt?
Jetzt könnten wir alle, die dich seit Jahren oder gar Jahrzehnten begleiten Trauer tragen und dich zu Grabe tragen, oder du nimmst deine letzte Kraft zusammen und schüttelst dich so kräftig, dass all das, was dich ein Dino sein ließ von dir abfällt.
Ja, ein Lotto King Karl ist ein wahrer Fan. Doch wie will man einem Verein abnehmen, dass er die zweite Liga ernst nimmt, wenn dort vor jedem Spiel davon gesungen wird, wie man den Bayern die Lederhosen ausziehen will?
Ja, Tradition ist wichtig und ein wesentlicher Teil von dir, schließlich hat man ihr zu Ehren ein Museum im Stadion eingerichtet, warum zur Raute hat man dann die vermaledeite Dinouhr nicht einfach abgebaut und eben dorthin verfrachtet? Wenn das Museum zu klein ist wird sich schon ein passender Platz finden.
Ja, das Dinodasein ist beendet und wird so lange nicht wiederkommen bis Zombies Realität werden, aber einen Zombiedino will hier doch nun wirklich auch niemand sehen.

Notgedrungen müssen neue Wege beschritten werden, um dich mein HSV (nicht den Dino) retten zu können. Jetzt ist es allerhöchste Zeit auch zu zeigen, dass man diese mit aller Konsequenz  verfolgt und zwar zeigen nach innen und nach außen!
Von mir aus kann für den Umbau des Museums noch einmal kräftig Geld in die Hand genommen werde, damit man auch wirklich alle Reliquien der Dinozeit dort unterbringen kann, denn:

Der Dino ist tot, lang lebe der HSV!

Samstag, 13. April 2019

Tschüß HSVTalk

Seit ich nicht mehr podcaste und auch kaum noch blogge hat sich mein Verhältnis zum HSV schon ziemlich verändert, oder vielleicht podcaste und blogge ich nicht mehr, weil sich mein Verhältnis zum HSV geändert hat.
Wenn ich mal ehrlich bin, wäre der Zeitaufwand für einen HSVTalk durchaus überschaubar, egal oder dieser monatlich, oder auch wöchentlich erscheinen würde und wenn es denn wirklich mal knapp würde könnte ich mir auch jemanden ins Boot holen, um mich zu entlasten.
Nein, den Zeitaufwand habe ich nur als nachvollziehbares Argument vorgeschoben, auch wenn es teilweise nicht leicht war den inneren Schweinehund zu überwinden.

Jahrelang habe ich mich auf jede Neuigkeit, jede Randnotiz und jedes Gerücht gestürzt, schließlich hielt ich es für meine Pflicht immer auf einem aktuellen Stand zu sein, wenn eine weitere Sendung aufgenommen wurde. Wurde ich während eines Talks mal von News überrascht, war es mir sehr unangenehm. Pflicht und so…
Gerade im Off, nach den Sendungen plauderten viele Gäste aus dem Nähkästchen und so erfuhr ich Dinge über den Verein, die ich als Fan eigentlich gar nicht wissen wollte. Natürlich war es auch faszinierend einen Blick in den Kaninchenbau zu riskieren, doch hat dieser Blick auch viel von der Leidenschaft und Freude den Verein als Fan zu begleiten genommen.

Ich war davon überzeugt, dass die Ausgliederung 2014 die einzige Chance zur Erneuerung des Vereins war, der Weg aus Filz, Muff und Vereinsmeierei. Auch heute noch bin ich davon überzeugt, nur weiß ich jetzt, dass sie vertan, oder besser verschleudert wurde.
Im Prinzip war es wie immer. Personen, die an chronischer Selbstüberschätzung litten fuhren den Wagen mit Vollgas Richtung Wand, nur das diesmal neben den altbekannten „vereinsnahen Kreisen“ auch noch der Geldgeber versuchte den Kurs zu beeinflussen.
Das Ergebnis ist bekannt.

Die Art und Weise, wie sich Bernd Hoffmann an die Spitze der AG manövriert hat machte bei mir den Rest Hoffnung auf Veränderung kaputt. Ich weiß nicht zu hundert Prozent, ob er vor seiner Wahl zum Präsidenten des eV das Amt des Vorstandsvorsitzenden der AG angestrebt hat, bin mir aber sicher, dass er den maximalen Einfluss auf das Profigeschäft wollte und diesen hat er jetzt.
Daher ist und bleibt er für mich auch der Lügenbernd. Der Umgang mit den Anteilen des eV und deren weiteren Veräußerung bestätigte mich in meiner Einschätzng. (Nein, ich traue Thomas Schulz keine eigene Meinung zu)
Natürlich finde ich auch richtig, dass momentan Schritte in Richtung wirtschaftlicher Vernunft bei Verträgen und Ablösen gegangen werden, nur muss mir niemand erzählen, dass dies freiwillig, oder gar aus Überzeugung getan würde. Es gibt einfach keine andere Möglichkeit mehr und es wird auch auf absehbare Zeit keine mehr geben.

Wenn die Mannschaft, wie in den letzten Ligaspielen hinter jeglichen Erwartungen zurückbleibt denke ich reflexartig an die Treuebekenntnisse von Hoffmann und Becker in Richtung Trainer, der es meiner Meinung nach in keinster Weise geschafft hat seine Spieler weiter zu entwickeln und von dieser Einschätzung bringen mich auch die guten Spiele gegen Pauli und Paderborn nicht ab.
Dieser ganze Stadtmeisterquatsch erinnert mich eh nur an die Unabsteigbarfarce.
Man sucht sich irgendetwas um dies abfeiern zu können und reduziert damit die Kraft und Fokussierung auf die anstehenden Ziele.

Lese ich wie heute in der Mopo eine Aussage von Mangala:
„Ich denke, dass wir uns zuletzt zu sehr das Spiel des Gegners haben aufdrängen lassen. Wir müssen wieder mehr unser eigenes Spiel durchdrücken, denn wir sind stark. Wir brauchen wieder eine breitere Brust.“
Denke ich, dass sich da auch der Trainer nicht aus der Verantwortung ausschließen kann, ausschließen darf. Auch wenn letztlich die Spieler liefern müssen, ist es am Trainer durch Aufstellung und Auswechselungen Einfluss auf das Geschehen auf dem Platz zu nehmen.
Damit sage ich nicht, dass es unter Christian Titz oder Markus Gisdol besser stünde, Kritik am Trainer des Rückrunden elften darf aber wohl erlaubt sein. Auch von einem Fan.

Vielleicht kann der Leser erkennen, dass mir der HSV noch lange nicht egal ist, ich gehe nach wie vor ins Stadion und bin am nächsten Tag mit angeschlagenen Stimmbändern wieder auf der Arbeit. Dies übrigens vom Unterstützen und nicht vom Meckern.
Ich befasse mich auch weiterhin gedanklich mit meinem Verein, dies allerdings nicht aus Pflichtgefühl, sondern nur noch weil und wann ich  es will. Auch war ich bei der HSV-MV und werde wahrscheinlich auch beim nächsten Mal dort sein.
Nur will ich nicht mehr darüber reden. Zumindest nicht in meinem eigenen Podcast.

Ich werde in Kürze  die HSVTalk Accounts bei Twitter und Facebook löschen und möchte mich heute noch einmal bedanken.
Bei den 70 Gästen, die die 145 HSVTalks ermöglicht haben und die mir technische Pannen und moderative Unzulänglichkeiten verziehen haben. Die Gespräche mit euch habe ich immer genossen, sie waren mein eigentlicher Antrieb und haben mir den Entschluss aufzuhören so schwer wie möglich gemacht.
Bei meinen/unseren Hörern für die Treue und auch für das Feedback, das ich bekommen habe. Ich hätte gerne mehr von euch persönlich kennengelernt.
Beim Team von meinsportpodcast.de, bei Thomas der mir das Pocasten zugetraut und ermöglicht hat, bei Robert der mir durch manchem technischen Engpass geholfen hat, bei Malte und Andreas für ihren stets geduldigen Support, bei den ganzen Podcastkollegen, die viel mehr als nur Kollegen für mich sind. Danke auch dafür, dass ihr mir die Tür so lange offen gelassen habt. Ich freue mich darauf euch hoffentlich bald einmal wieder zu sehen.
Last but not least einen herzlichen Dank an meine Familie, die mich nicht nur machen ließ, sondern mich bei meinem Tun auch immer unterstützt hat.

Tschüß und
Nur der HSV!

Samstag, 27. Oktober 2018

Ausgetitzt

Anfang dieses Jahres hatte der HSV ein ganz anderes Gesicht als heute. Jens Meier war Präsident des eV, Heribert Bruchhagen Vorstandsvorsitzender der AG, Karl Gernandt stand dem Aufsichtsrat vor, Todt war Sportchef, Peters Direktor Sport und und und. Seit dem blieb mal wieder kein Stein auf dem Anderen. Halt: Frank Wettstein ist noch Finanzvorstand. Warum auch immer.
Auf der denkwürdigen MV wählte die hauchdünne Mehrheit der anwesenden Mitglieder Bernd Hoffmann zum neuen Präsidenten des eV. Die Zerrissenheit der Mitgliedschaft drückt sich in armseligen Kundgebungen beider Lager aus und der Zustand des Vereins spiegelte sich in den uninspirierten Auftritten der Hollerbachelf auf dem Rasen wieder und auch die treuesten der Fans hatten ob der Performance von denen da oben und da unten die Schnauze voll.
Mal wieder!

Die Ablösung von Bruchhagen und Todt, die schon lange resigniert hatten und diese Resignation deutlich sichtbar mit sich herum trugen war so folgerichtig, wie die von Siebenspielebernd. Das Zeichen war klar. Bernd Hoffmann, dem der eV weitestgehend egal war und der zum neuen starken Mann im Aufsichtsrat aufgestiegen war wollte und würde handeln. Da er schon das Heft des Handelns in der Hand hielt, machte man ihn erst zum provisorischen und alsbald zum bestellten Vorstandschef der AG. Wozu er sich notgerungen auf Grund mangelnder Alternativen bereit erklärte, denn angestrebt hatte er diesen Posten ja nie.

Doch ich schweife ab. Eigentlich wollte ich doch nur die Situation schildern, in der Christian Titz die Chance bekam die Profimannschaft zu übernehmen. Ein Pulverfass, Sekunden vor der Explosion ist das Bild, welches den Zustand meines Vereins im Frühjahr am besten beschreibt.
Titz war kein Feuerwehrmann, sondern das Bombenräumkommando und ich mag mir bis heute noch nicht ausmalen, was aus dem HSV in den Folgemonaten geworden wäre, wenn Titz dem Dino nicht dieses Facelifting verpasst hätte, auf das wir Fans (oder zumindest ich) doch schon so lange gewartet haben.

Auf dem Feld eine eigene Spielidee, mutig und gegen jeglichen Trend auf Ballbesitz und nicht auf Spielzerstörung setzend, der Einsatz von jungen Spielern, nicht aus der Not geboren, sondern als bewusst gewähltes Stilmittel, Aussortierung derjenigen, die nicht mitgehen wollten ohne Rücksicht auf Namen und rasche Begnadigung derjenigen, die sich überzeugen ließen.
Neben dem Platz ein offener Umgang mit Medien und Fans, sowie ein sympathisches Auftreten in der Öffentlichkeit.
Und dann war auch noch erfolgreich. Mehrmals fragte ich mich, ob das denn noch mein HSV sei…

Es war mein HSV. Schon früh beschlich mich das Gefühl, dass Bernd Hoffmann und später auch Ralf Becker nicht von Christian Titz und seiner Art Fußball zu spielen überzeugt waren. Bernhard Peters, der große Fürsprecher von Titz hat sich mit seiner öffentlichen Bewerbung für den Posten des Sportdirektors zur Persona non grata gemacht, wobei ich der unbewiesenen Überzeugung bin, dass ganz andere Beweggründe hinter seiner Entlassung standen. Sei es wie es ist, Titz fehlte die Rückendeckung im Verein und schnell kehrt die wohlbekannte Unruhe in den Volkspark zurück.

Wenn Entscheidungsträger zu der Überzeugung gelangt sind, dass die Zusammenarbeit mit bestimmten Personen nicht länger zielführend ist haben sie die Pflicht sich von diesen zu trennen!
Ralf Becker war dieser Überzeugung und hat entsprechend gehandelt.
Ob man Bernhard Peters vorzeitig entlassen musste (jaja einvernehmliche Trennung…) und ihm das fürstliche Gehalt weiterzahlt ohne dafür eine Gegenleistung zu bekommen vermag ich nicht zu beurteilen und doch habe ich das Gefühl man hätte im Sinne des Vereins auch anders entscheiden können.
Bernhard Peters hat sich in seinen vier Jahren beim HSV oft unbeliebt gemacht, sein stringentes Auftreten hat so manchen Kollegen vor den Kopf gestoßen und zu einigen Trennungen geführt, doch hatte ich (aus großer Entfernung) immer das Gefühl, Peters würde ein Ziel verfolgen konsequent und ohne die Angst anzuecken. Und genau das war seine Aufgabe und genau die hat er erfüllt. Hätte ein Beiersdorfer nur etwas mehr von diesem Auftreten und dieser Geradlinigkeit gehabt würde es um unseren Verein ganz anders stehen.

Christian Titz hat es nicht geschafft die richtige Mischung zwischen Offensive und Defensive herzustellen. Ob er es noch hinbekommen hätte werden wir jetzt nicht mehr erfahren. Tatsache ist, dass Ralf Becker es ihm nicht mehr zugetraut hat.

Ich wollte, dass er es schafft.
Nicht in dem Sinne, dass mein Verein Erfolge feiert und aufsteigt, sondern dass mein Verein mutig bleibt, auf junge Spieler setzt, gemeinsam Krisen übersteht und etwas entwickelt das Bestand hat.
Ja, Titz hatte nach Regensburg vier Spiele Zeit die Balance zu finden, während dieser Zeit wurde Peters entlassen und mit dem Nachfolger von Titz verhandelt.
Natürlich hat die Vereinsführung die Pflicht einen Plan B in der Tasche zu haben, falls gewisse Entwicklungen ausbleiben, doch hätte Hoffmann mit der gleichen Intensität einen Nachfolger für Bruchhagen gesucht, wäre er heute noch Aufsichtsratschef und Vereinspräsident.

Ich habe gehofft, dass mich mein Gefühl trügen würde und mancher HSV-Fan sagte mir, dass Becker doch eigentlich Titz-Fan sei und diesen schon nach Kiel holen wollte.
Leider behielt ich recht. Titz hatte nur die Chance als Solist (mit dem Trainerteam) Erfolg zu haben. Eine denkbar schlechte Voraussetzung. Auch habe ich das Gefühl(!), dass unser zurückgekehrter Heiland es nicht ganz so gern hat, wenn sein Licht überstrahlt wird.

Auf jeden Fall habe ich Freitag den Siegtreffer in Magdeburg emotionslos erlebt, auch schon unter der Woche habe ich entgegen meiner sonstigen Gewohnheit Unterhaltungen über den HSV abgewürgt, bevor ich Stellung beziehen musste.
Ja, irgendwas ist in mir erloschen, wie ich damit umgehe und ob das nur vorübergehend ist weiß ich selbst noch nicht. Rückblickend denke ich, dass die Situation um Titz auch dazu geführt hat, dass es in letzter Zeit kaum einen HSVTalk gab.
Mein Vertrauen in die Führung der AG ist jedenfalls komplett erloschen und Hannes Wolf ist für mich ein guter Trainer, der vielleicht einen Tick zu oft lächelt um authentisch zu wirken, doch vor allem ist er eines: Austauschbar.

Christian Titz hingegen hat für den HSV mehr getan, als jeder Trainer, jede Einzelperson vor ihm. Er hat ihn gerettet. Nicht vor dem Abstieg, aber vor der Selbstzerfleischung und dafür werde ich ihm ewig dankbar sein!

Donnerstag, 4. Oktober 2018

Götterdämmerung?

Ich kann kaum in Worte fassen, wie dankbar ich Christian Titz dafür bin, dass er wesentlich dazu beigetragen hat den HSV in Würde absteigen zu lassen!
Bis heute mag ich mir nicht vorstellen, was im und um den Volkspark herum passiert wäre, wenn Hollerbach oder ein anderer Verwalter des Missstands die letzte Saison zu Ende trainiert hätte. So habe ich die -vorerst- letzten Erstligaspiele sogar genießen können.
Was haben wir gestaunt, wie die Mannschaft gegen Hertha in der ersten Halbzeit aufgetreten ist, wie laut haben wir „Immer wieder HSV“ und „Mein Hamburg lieb ich sehr“ gesungen, als der Abstieg dann besiegelt war. Undenkbar, dass wir dies hätten erleben dürfen, wenn die Konstellation auf der Bank eine andere gewesen wäre.

Es folgte eine Sommerpause, in der mit Augenmaß am Kader gearbeitet wurde. Soweit es möglich war wurden Spitzenverdiener abgegeben, oder blieben zu niedrigeren Bezügen, um als Stützen für die jüngste deutsche Profimannschaft zu dienen. Aufgefüllt wurde der Kader mit jungen Spielern, die bis auf Narey ablösefrei kamen, oder ausgeliehen wurden.
Und ganz wichtig: Herr Kühne konnte seine Schatulle geschlossen lassen.
Manch einer rieb sich die Augen und fragte sich: „Ist das noch mein HSV?“

Selbst nach dem gewohnt mäßigen Auftritt im Pokal und der Heimklatsche zum Auftakt blieb es ruhig und fast folgerichtig wurden vier Siege in Folge eingefahren und die Tabellenspitze erklommen.
Was dann passierte war hingegen wieder typisch HSV.
Den tabellarischen Rückenwind nutzend wurde der befristete Vertrag Bernd Hoffmanns um drei Jahre bis 2021 verlängert und somit war das was jeder außer „Lügen-Bernd“ (Kurveninfo v.30.9.18) ahnte vollzogen und Hoffmann hat den Triathlon aus Vorstand des eV, Aufsichtsratsvorsitz und schließlich Vorstandsvorsitz der AG mit Bravour hinter sich gebracht.
Wie sehr tatsächlich nach Alternativen gesucht wurde entzieht sich meiner Kenntnis.

Typisch HSV war auch der Verlust der Leichtigkeit. Schon gegen Heidenheim und Dresden hätten die Spiele andersrum ausgehen können, gegen Regensburg war es dann so weit.
Der „langersehnte“ Patzer im Torwartspiel stellte sich ein und die Mannschaft war nicht in der Lage das Spiel gegen starke Jahner bei denen (typisch, typisch) Sargis Adamyan das Spiel seines Lebens machte zu drehen. Titz zog seine Lehren aus der Niederlage, verstärkte die defensive Ordnung, was das Angriffsspiel fast zum Erliegen brachte. Zwei 0:0 gegen Fürth und die Stadtteiler waren die Folge.

Die typisch hamburgische Trainerdiskussion spaltet die HSV-Anhänger.
Dabei lautet die Frage aber nicht, ob Titz gehen oder bleiben soll, dafür genießt Christian Titz viel zu viel Anerkennung (siehe oben), die Tabellensituation ist mit Platz 4 und 14 Punkten aus 8 Spielen alles andere als dramatisch und die Rückschläge die den jungen Kader heimsuchen waren zu erwarten.
Die Frage lautet also wer ist schuld an dieser unsäglichen Diskussion? Sind es die Medien, wegen abgelehnter Exklusivinterviewanfragen, oder traut der Vorstand der AG Titz die Aufgabe Wiederaufstieg nicht zu?
Ich tendiere (natürlich ohne es beweisen zu können) zur zweiten Variante.
Es wird schon länger gemunkelt, dass Bernd Hoffmann von Titz als Cheftrainer nicht überzeugt ist und auch Bernhard Peters, des Trainer größter Fürsprecher, steht nach seiner misslungenen Bewerbung zum Sportdirektor nicht übermäßig hoch im Kurs.

Ich würde gerne den Weg mit Titz und Peters weiter gehen. Ich will einfach nicht glauben, dass unser Spielsystem nicht in die zweite Liga passt. Mit etwas mehr Variabilität im Mittelfeld, Positionswechsel, kreuzende Laufwege usw muss es doch möglich sein hinter des Gegners Linien zu kommen und wenn all die Spieler, die ihren Trainer brav loben einen Tick mehr aus ihren Freiheiten auf dem Platz machen würden, sollte es auch wieder mit dem Siegen klappen.
Auch möchte ich nicht, dass vom verordneten Spielsystem des HSV beim ersten Gegenwind wieder abgewichen wird und der Nullachtfuffzehnkram gespielt wird, der uns letztlich zum Abstieg geführt hat.
Die ohnehin knappen finanziellen Möglichkeiten des Vereins würde ich auch lieber in die Mannschaft, als in Trainer investiert wissen. Wenn man schon den Schritt zurück machen will kann man dies auch gleich mit dem Duo Gisdol/Hollerbach tun, die noch unter Vertrag stehen…

Wie wichtig wäre morgen ein Sieg in Darmstadt, um wenigstens für die Länderspielpause Dampf vom Kessel zu nehmen. Traurig, dass wir schon wieder so weit sind.
Nur der HSV!

Sonntag, 22. Juli 2018

Fehler aus der Vergangeheit

Der Sonntag macht seinem Namen alle Ehre und so sitze ich leichtbekleidet auf der Terrasse, neben mir eine Kühltasche mit einer Flasche Weißwein und auf dem Schoß den Laptop, um mir mal wieder ein paar Gedanken zum HSV von der Seele zu schreiben.
Sollte sich die geneigte Leserin jetzt fragen, ob der der Kerl denn nichts Besseres zu tun hätte, sei ihr versichert, dass dies nicht der Fall ist, da seine Familie arbeitet, um ihm diesen oben beschriebenen Luxus zu ermöglichen.

Auch beim HSV ist Sommer und so verwundert es nicht wirklich, dass ein Interview mit Klaus Michael Kühne erscheint, in dem er sein Engagement beim HSV als „Total in die Hose gegangen“ bezeichnet. Nur gut, dass sonst nichts in der Welt passiert und diese Aussage eine Meldung wert ist. Auch die Bild musste in die Tiefen des Archivs hinabsteigen, um aus Rucksackaffaire und Gehältern beim ehemaligen Dino eine Geschichte zu basteln.
Dem HSV-Fan suggerieren solche Meldungen nur, dass momentan anscheinend viel richtig gemacht wird, denn sonst würden uns diese „ollen Kamellen“ nicht wieder aufgetischt werden.

Tatsächlich macht der Verein meines Herzens momentan den Eindruck, als würden nicht nur alle Verantwortlichen rudern, sondern sogar alle den Kahn in die gleiche Richtung bewegen zu wollen. Darüber, dass manchmal jemand etwas stärker pullt und das Dinoboot(HiHi) dadurch etwas schlingert kann man getrost hinwegsehen.
Die Fans, nein sogar der Großteil der Stadt scheint mit einer positiven Grundstimmung in die erste Zweitligasaison des HSV zu gehen und nicht wie sonst üblich auf den nächsten Verriss der Lachnummer aus dem Norden zu warten.

Natürlich muss das Ziel zur kommenden Saison direkter Wiederaufstieg heißen, daran führt kein Weg  vorbei, wie will man auch weniger verkaufen? Trotzdem muss man die Spielzeit mit Ernsthaftigkeit und Demut angehen, man darf nichts als selbstverständlich, oder gottgegeben hinnehmen, wie es in den letzten Jahren so oft der Fall war. Man muss auch (gerade wenn es einmal nicht rund laufen sollte) dazu bereit sein einen Strich unter die Vergangenheit zu ziehen und lediglich dafür Sorge zu tragen, dass sich die Fehler des letzten Jahrzehnts nicht wiederholen und das ist Aufgabe genug.

Ich habe Bernd Hoffmann im Winter nicht gewählt. Mittlerweile bin ich aber davon überzeugt, dass es richtig war ihn über den Umweg Vereinsvorsitz und Aufsichtsrat zum Vorstandsvorsitzenden zu machen. Die Entlassung von Bruchhagen, Todt und auch Hollerbach war notwendig und die seit dem getroffenen Entscheidungen größtenteils richtig. Offen bleibt nur die Frage, ob und wenn ja wie Hoffmann den dauerhaften Vorsitz der AG herbeiführen will, ohne für neue Streitigkeiten im Verein zu sorgen, denn seien wir ehrlich, seine Amtszeit begann mit einer Lüge und diese sollte mit größtmöglicher Offenheit aufgearbeitet werden. Siehe Fehler aus der Vergangenheit.

Bei Ralf Becker Habe ich erstmals seit langer Zeit das Gefühl, er sei der richtige Mann auf dem Posten des „Vorstand Sport“, wie man heute den Manager nennt. Zuletzt hatte ich dieses Gefühl bei Frank Arnesen, der am HSV-Umfeld gescheitert ist. (Siehe Fehler aus der Vergangenheit)
Trotz Beckers überschaubarer Vita (oder gerade deswegen?) traue ich ihm zu die richtige Entscheidungen zu treffen und diese auch konsequent umzusetzen.
Die Worte „Gefühl“ und „traue ihm zu“ habe ich bewusst gewählt, da er zu kurz im Amt ist, um daraus eine Gewissheit zu machen.

Ganz ähnlich sieht es bei Christian Titz aus, der mich seit seiner Amtsübernahme begeistert.
Doch jetzt steht Titz vor einer ganz neuen Herausforderung. In der kommenden Saison ist der HSV der Gejagte und zwar ganz egal, wo er sich tabellarisch befindet. Tiefstehende Gegner werden auf Fehler lauern, versuchen die Taktgeber zu neutralisieren und die hochstehende Abwehrreihe zu überspielen. Das weiß ich, das weiß jeder und erst recht weiß das Christian Titz. Die Frage wird sein, ob er es schafft die Spielgestaltung auf mehrere Schultern zu verteilen, Überraschungsmomente einzubauen ohne defensive Stabilität zu verlieren.
Schafft er es an talentierten, jungen Spielern festzuhalten wenn es über drei oder vier Spiele nicht läuft? (Siehe Fehler aus der Vergangenheit)

Dem Kader traue ich zu, um den Aufstieg mitzuspielen. Sakai, Moritz, Holtby und Hunt, vielleicht auch Lasogga sollten unterstützt von Pollersbeck, Jung und Santos über genug Erfahrung  verfügen, um die Itos, Arps, Steinmanns und Wintzheimers zu führen. Auch wenn der Knorpelschaden von Gideon Jung (Komm schnell zurück! zeigt, dass das Gebilde nicht so fest steht, wie man es gerne hätte.
Die Vertragsverlängerungen von Sakai, Holtby und Hunt, sowie von Arp sind dabei wesentlich mehr als nur ein gutes Zeichen. Die drei Erstgenannten müssen den Rest führen und sich vor die jüngeren Kollegen stellen, wenn es mal haken sollte. Arp muss man auch ein Bisschen vor sich selbst schützen, auf keinen Fall darf man erwarten, dass „Uns Fiete“ den HSV im Alleingang zurück in die Bundesliga bombt. Als Zeichen für die Öffentlichkeit ist sein Vertrag bis 2020 jedoch Gold wert, auch wenn er für Fiete zur Last werden kann. Kommt der Kader über die Saison ohne der Selbstüberschätzung (siehe Fehler aus der Vergangenheit) zu verfallen, ist er in der Lage das Saisonziel zu erreichen.

Und sonst? Ja, ich habe Bock auf die kommende Saison, ich bin neugierig auf die zweite Liga und vielen geht es wie mir. Natürlich erwarte ich eine bessere Punktausbeute als zuletzt, doch bin ich mir auch bewusst, dass  der angepeilte Aufstieg schwer zu erreichen sein wird und ich bin mir sicher, dass es falsch wäre (siehe Fehler aus der Vergangenheit) jetzt schon davon zu reden.
Auf die Saisoneröffnung gegen Kiel im ausverkauften Volksparkstadion mit Tanja, Kai und Tom an meiner Seite freue ich mich zu einhundert Prozent und das ist auch gut so und bestimmt kein Fehler aus der Vergangenheit.
Nur der HSV!