Samstag, 27. Oktober 2018

Ausgetitzt

Anfang dieses Jahres hatte der HSV ein ganz anderes Gesicht als heute. Jens Meier war Präsident des eV, Heribert Bruchhagen Vorstandsvorsitzender der AG, Karl Gernandt stand dem Aufsichtsrat vor, Todt war Sportchef, Peters Direktor Sport und und und. Seit dem blieb mal wieder kein Stein auf dem Anderen. Halt: Frank Wettstein ist noch Finanzvorstand. Warum auch immer.
Auf der denkwürdigen MV wählte die hauchdünne Mehrheit der anwesenden Mitglieder Bernd Hoffmann zum neuen Präsidenten des eV. Die Zerrissenheit der Mitgliedschaft drückt sich in armseligen Kundgebungen beider Lager aus und der Zustand des Vereins spiegelte sich in den uninspirierten Auftritten der Hollerbachelf auf dem Rasen wieder und auch die treuesten der Fans hatten ob der Performance von denen da oben und da unten die Schnauze voll.
Mal wieder!

Die Ablösung von Bruchhagen und Todt, die schon lange resigniert hatten und diese Resignation deutlich sichtbar mit sich herum trugen war so folgerichtig, wie die von Siebenspielebernd. Das Zeichen war klar. Bernd Hoffmann, dem der eV weitestgehend egal war und der zum neuen starken Mann im Aufsichtsrat aufgestiegen war wollte und würde handeln. Da er schon das Heft des Handelns in der Hand hielt, machte man ihn erst zum provisorischen und alsbald zum bestellten Vorstandschef der AG. Wozu er sich notgerungen auf Grund mangelnder Alternativen bereit erklärte, denn angestrebt hatte er diesen Posten ja nie.

Doch ich schweife ab. Eigentlich wollte ich doch nur die Situation schildern, in der Christian Titz die Chance bekam die Profimannschaft zu übernehmen. Ein Pulverfass, Sekunden vor der Explosion ist das Bild, welches den Zustand meines Vereins im Frühjahr am besten beschreibt.
Titz war kein Feuerwehrmann, sondern das Bombenräumkommando und ich mag mir bis heute noch nicht ausmalen, was aus dem HSV in den Folgemonaten geworden wäre, wenn Titz dem Dino nicht dieses Facelifting verpasst hätte, auf das wir Fans (oder zumindest ich) doch schon so lange gewartet haben.

Auf dem Feld eine eigene Spielidee, mutig und gegen jeglichen Trend auf Ballbesitz und nicht auf Spielzerstörung setzend, der Einsatz von jungen Spielern, nicht aus der Not geboren, sondern als bewusst gewähltes Stilmittel, Aussortierung derjenigen, die nicht mitgehen wollten ohne Rücksicht auf Namen und rasche Begnadigung derjenigen, die sich überzeugen ließen.
Neben dem Platz ein offener Umgang mit Medien und Fans, sowie ein sympathisches Auftreten in der Öffentlichkeit.
Und dann war auch noch erfolgreich. Mehrmals fragte ich mich, ob das denn noch mein HSV sei…

Es war mein HSV. Schon früh beschlich mich das Gefühl, dass Bernd Hoffmann und später auch Ralf Becker nicht von Christian Titz und seiner Art Fußball zu spielen überzeugt waren. Bernhard Peters, der große Fürsprecher von Titz hat sich mit seiner öffentlichen Bewerbung für den Posten des Sportdirektors zur Persona non grata gemacht, wobei ich der unbewiesenen Überzeugung bin, dass ganz andere Beweggründe hinter seiner Entlassung standen. Sei es wie es ist, Titz fehlte die Rückendeckung im Verein und schnell kehrt die wohlbekannte Unruhe in den Volkspark zurück.

Wenn Entscheidungsträger zu der Überzeugung gelangt sind, dass die Zusammenarbeit mit bestimmten Personen nicht länger zielführend ist haben sie die Pflicht sich von diesen zu trennen!
Ralf Becker war dieser Überzeugung und hat entsprechend gehandelt.
Ob man Bernhard Peters vorzeitig entlassen musste (jaja einvernehmliche Trennung…) und ihm das fürstliche Gehalt weiterzahlt ohne dafür eine Gegenleistung zu bekommen vermag ich nicht zu beurteilen und doch habe ich das Gefühl man hätte im Sinne des Vereins auch anders entscheiden können.
Bernhard Peters hat sich in seinen vier Jahren beim HSV oft unbeliebt gemacht, sein stringentes Auftreten hat so manchen Kollegen vor den Kopf gestoßen und zu einigen Trennungen geführt, doch hatte ich (aus großer Entfernung) immer das Gefühl, Peters würde ein Ziel verfolgen konsequent und ohne die Angst anzuecken. Und genau das war seine Aufgabe und genau die hat er erfüllt. Hätte ein Beiersdorfer nur etwas mehr von diesem Auftreten und dieser Geradlinigkeit gehabt würde es um unseren Verein ganz anders stehen.

Christian Titz hat es nicht geschafft die richtige Mischung zwischen Offensive und Defensive herzustellen. Ob er es noch hinbekommen hätte werden wir jetzt nicht mehr erfahren. Tatsache ist, dass Ralf Becker es ihm nicht mehr zugetraut hat.

Ich wollte, dass er es schafft.
Nicht in dem Sinne, dass mein Verein Erfolge feiert und aufsteigt, sondern dass mein Verein mutig bleibt, auf junge Spieler setzt, gemeinsam Krisen übersteht und etwas entwickelt das Bestand hat.
Ja, Titz hatte nach Regensburg vier Spiele Zeit die Balance zu finden, während dieser Zeit wurde Peters entlassen und mit dem Nachfolger von Titz verhandelt.
Natürlich hat die Vereinsführung die Pflicht einen Plan B in der Tasche zu haben, falls gewisse Entwicklungen ausbleiben, doch hätte Hoffmann mit der gleichen Intensität einen Nachfolger für Bruchhagen gesucht, wäre er heute noch Aufsichtsratschef und Vereinspräsident.

Ich habe gehofft, dass mich mein Gefühl trügen würde und mancher HSV-Fan sagte mir, dass Becker doch eigentlich Titz-Fan sei und diesen schon nach Kiel holen wollte.
Leider behielt ich recht. Titz hatte nur die Chance als Solist (mit dem Trainerteam) Erfolg zu haben. Eine denkbar schlechte Voraussetzung. Auch habe ich das Gefühl(!), dass unser zurückgekehrter Heiland es nicht ganz so gern hat, wenn sein Licht überstrahlt wird.

Auf jeden Fall habe ich Freitag den Siegtreffer in Magdeburg emotionslos erlebt, auch schon unter der Woche habe ich entgegen meiner sonstigen Gewohnheit Unterhaltungen über den HSV abgewürgt, bevor ich Stellung beziehen musste.
Ja, irgendwas ist in mir erloschen, wie ich damit umgehe und ob das nur vorübergehend ist weiß ich selbst noch nicht. Rückblickend denke ich, dass die Situation um Titz auch dazu geführt hat, dass es in letzter Zeit kaum einen HSVTalk gab.
Mein Vertrauen in die Führung der AG ist jedenfalls komplett erloschen und Hannes Wolf ist für mich ein guter Trainer, der vielleicht einen Tick zu oft lächelt um authentisch zu wirken, doch vor allem ist er eines: Austauschbar.

Christian Titz hingegen hat für den HSV mehr getan, als jeder Trainer, jede Einzelperson vor ihm. Er hat ihn gerettet. Nicht vor dem Abstieg, aber vor der Selbstzerfleischung und dafür werde ich ihm ewig dankbar sein!

Donnerstag, 4. Oktober 2018

Götterdämmerung?

Ich kann kaum in Worte fassen, wie dankbar ich Christian Titz dafür bin, dass er wesentlich dazu beigetragen hat den HSV in Würde absteigen zu lassen!
Bis heute mag ich mir nicht vorstellen, was im und um den Volkspark herum passiert wäre, wenn Hollerbach oder ein anderer Verwalter des Missstands die letzte Saison zu Ende trainiert hätte. So habe ich die -vorerst- letzten Erstligaspiele sogar genießen können.
Was haben wir gestaunt, wie die Mannschaft gegen Hertha in der ersten Halbzeit aufgetreten ist, wie laut haben wir „Immer wieder HSV“ und „Mein Hamburg lieb ich sehr“ gesungen, als der Abstieg dann besiegelt war. Undenkbar, dass wir dies hätten erleben dürfen, wenn die Konstellation auf der Bank eine andere gewesen wäre.

Es folgte eine Sommerpause, in der mit Augenmaß am Kader gearbeitet wurde. Soweit es möglich war wurden Spitzenverdiener abgegeben, oder blieben zu niedrigeren Bezügen, um als Stützen für die jüngste deutsche Profimannschaft zu dienen. Aufgefüllt wurde der Kader mit jungen Spielern, die bis auf Narey ablösefrei kamen, oder ausgeliehen wurden.
Und ganz wichtig: Herr Kühne konnte seine Schatulle geschlossen lassen.
Manch einer rieb sich die Augen und fragte sich: „Ist das noch mein HSV?“

Selbst nach dem gewohnt mäßigen Auftritt im Pokal und der Heimklatsche zum Auftakt blieb es ruhig und fast folgerichtig wurden vier Siege in Folge eingefahren und die Tabellenspitze erklommen.
Was dann passierte war hingegen wieder typisch HSV.
Den tabellarischen Rückenwind nutzend wurde der befristete Vertrag Bernd Hoffmanns um drei Jahre bis 2021 verlängert und somit war das was jeder außer „Lügen-Bernd“ (Kurveninfo v.30.9.18) ahnte vollzogen und Hoffmann hat den Triathlon aus Vorstand des eV, Aufsichtsratsvorsitz und schließlich Vorstandsvorsitz der AG mit Bravour hinter sich gebracht.
Wie sehr tatsächlich nach Alternativen gesucht wurde entzieht sich meiner Kenntnis.

Typisch HSV war auch der Verlust der Leichtigkeit. Schon gegen Heidenheim und Dresden hätten die Spiele andersrum ausgehen können, gegen Regensburg war es dann so weit.
Der „langersehnte“ Patzer im Torwartspiel stellte sich ein und die Mannschaft war nicht in der Lage das Spiel gegen starke Jahner bei denen (typisch, typisch) Sargis Adamyan das Spiel seines Lebens machte zu drehen. Titz zog seine Lehren aus der Niederlage, verstärkte die defensive Ordnung, was das Angriffsspiel fast zum Erliegen brachte. Zwei 0:0 gegen Fürth und die Stadtteiler waren die Folge.

Die typisch hamburgische Trainerdiskussion spaltet die HSV-Anhänger.
Dabei lautet die Frage aber nicht, ob Titz gehen oder bleiben soll, dafür genießt Christian Titz viel zu viel Anerkennung (siehe oben), die Tabellensituation ist mit Platz 4 und 14 Punkten aus 8 Spielen alles andere als dramatisch und die Rückschläge die den jungen Kader heimsuchen waren zu erwarten.
Die Frage lautet also wer ist schuld an dieser unsäglichen Diskussion? Sind es die Medien, wegen abgelehnter Exklusivinterviewanfragen, oder traut der Vorstand der AG Titz die Aufgabe Wiederaufstieg nicht zu?
Ich tendiere (natürlich ohne es beweisen zu können) zur zweiten Variante.
Es wird schon länger gemunkelt, dass Bernd Hoffmann von Titz als Cheftrainer nicht überzeugt ist und auch Bernhard Peters, des Trainer größter Fürsprecher, steht nach seiner misslungenen Bewerbung zum Sportdirektor nicht übermäßig hoch im Kurs.

Ich würde gerne den Weg mit Titz und Peters weiter gehen. Ich will einfach nicht glauben, dass unser Spielsystem nicht in die zweite Liga passt. Mit etwas mehr Variabilität im Mittelfeld, Positionswechsel, kreuzende Laufwege usw muss es doch möglich sein hinter des Gegners Linien zu kommen und wenn all die Spieler, die ihren Trainer brav loben einen Tick mehr aus ihren Freiheiten auf dem Platz machen würden, sollte es auch wieder mit dem Siegen klappen.
Auch möchte ich nicht, dass vom verordneten Spielsystem des HSV beim ersten Gegenwind wieder abgewichen wird und der Nullachtfuffzehnkram gespielt wird, der uns letztlich zum Abstieg geführt hat.
Die ohnehin knappen finanziellen Möglichkeiten des Vereins würde ich auch lieber in die Mannschaft, als in Trainer investiert wissen. Wenn man schon den Schritt zurück machen will kann man dies auch gleich mit dem Duo Gisdol/Hollerbach tun, die noch unter Vertrag stehen…

Wie wichtig wäre morgen ein Sieg in Darmstadt, um wenigstens für die Länderspielpause Dampf vom Kessel zu nehmen. Traurig, dass wir schon wieder so weit sind.
Nur der HSV!

Sonntag, 22. Juli 2018

Fehler aus der Vergangeheit

Der Sonntag macht seinem Namen alle Ehre und so sitze ich leichtbekleidet auf der Terrasse, neben mir eine Kühltasche mit einer Flasche Weißwein und auf dem Schoß den Laptop, um mir mal wieder ein paar Gedanken zum HSV von der Seele zu schreiben.
Sollte sich die geneigte Leserin jetzt fragen, ob der der Kerl denn nichts Besseres zu tun hätte, sei ihr versichert, dass dies nicht der Fall ist, da seine Familie arbeitet, um ihm diesen oben beschriebenen Luxus zu ermöglichen.

Auch beim HSV ist Sommer und so verwundert es nicht wirklich, dass ein Interview mit Klaus Michael Kühne erscheint, in dem er sein Engagement beim HSV als „Total in die Hose gegangen“ bezeichnet. Nur gut, dass sonst nichts in der Welt passiert und diese Aussage eine Meldung wert ist. Auch die Bild musste in die Tiefen des Archivs hinabsteigen, um aus Rucksackaffaire und Gehältern beim ehemaligen Dino eine Geschichte zu basteln.
Dem HSV-Fan suggerieren solche Meldungen nur, dass momentan anscheinend viel richtig gemacht wird, denn sonst würden uns diese „ollen Kamellen“ nicht wieder aufgetischt werden.

Tatsächlich macht der Verein meines Herzens momentan den Eindruck, als würden nicht nur alle Verantwortlichen rudern, sondern sogar alle den Kahn in die gleiche Richtung bewegen zu wollen. Darüber, dass manchmal jemand etwas stärker pullt und das Dinoboot(HiHi) dadurch etwas schlingert kann man getrost hinwegsehen.
Die Fans, nein sogar der Großteil der Stadt scheint mit einer positiven Grundstimmung in die erste Zweitligasaison des HSV zu gehen und nicht wie sonst üblich auf den nächsten Verriss der Lachnummer aus dem Norden zu warten.

Natürlich muss das Ziel zur kommenden Saison direkter Wiederaufstieg heißen, daran führt kein Weg  vorbei, wie will man auch weniger verkaufen? Trotzdem muss man die Spielzeit mit Ernsthaftigkeit und Demut angehen, man darf nichts als selbstverständlich, oder gottgegeben hinnehmen, wie es in den letzten Jahren so oft der Fall war. Man muss auch (gerade wenn es einmal nicht rund laufen sollte) dazu bereit sein einen Strich unter die Vergangenheit zu ziehen und lediglich dafür Sorge zu tragen, dass sich die Fehler des letzten Jahrzehnts nicht wiederholen und das ist Aufgabe genug.

Ich habe Bernd Hoffmann im Winter nicht gewählt. Mittlerweile bin ich aber davon überzeugt, dass es richtig war ihn über den Umweg Vereinsvorsitz und Aufsichtsrat zum Vorstandsvorsitzenden zu machen. Die Entlassung von Bruchhagen, Todt und auch Hollerbach war notwendig und die seit dem getroffenen Entscheidungen größtenteils richtig. Offen bleibt nur die Frage, ob und wenn ja wie Hoffmann den dauerhaften Vorsitz der AG herbeiführen will, ohne für neue Streitigkeiten im Verein zu sorgen, denn seien wir ehrlich, seine Amtszeit begann mit einer Lüge und diese sollte mit größtmöglicher Offenheit aufgearbeitet werden. Siehe Fehler aus der Vergangenheit.

Bei Ralf Becker Habe ich erstmals seit langer Zeit das Gefühl, er sei der richtige Mann auf dem Posten des „Vorstand Sport“, wie man heute den Manager nennt. Zuletzt hatte ich dieses Gefühl bei Frank Arnesen, der am HSV-Umfeld gescheitert ist. (Siehe Fehler aus der Vergangenheit)
Trotz Beckers überschaubarer Vita (oder gerade deswegen?) traue ich ihm zu die richtige Entscheidungen zu treffen und diese auch konsequent umzusetzen.
Die Worte „Gefühl“ und „traue ihm zu“ habe ich bewusst gewählt, da er zu kurz im Amt ist, um daraus eine Gewissheit zu machen.

Ganz ähnlich sieht es bei Christian Titz aus, der mich seit seiner Amtsübernahme begeistert.
Doch jetzt steht Titz vor einer ganz neuen Herausforderung. In der kommenden Saison ist der HSV der Gejagte und zwar ganz egal, wo er sich tabellarisch befindet. Tiefstehende Gegner werden auf Fehler lauern, versuchen die Taktgeber zu neutralisieren und die hochstehende Abwehrreihe zu überspielen. Das weiß ich, das weiß jeder und erst recht weiß das Christian Titz. Die Frage wird sein, ob er es schafft die Spielgestaltung auf mehrere Schultern zu verteilen, Überraschungsmomente einzubauen ohne defensive Stabilität zu verlieren.
Schafft er es an talentierten, jungen Spielern festzuhalten wenn es über drei oder vier Spiele nicht läuft? (Siehe Fehler aus der Vergangenheit)

Dem Kader traue ich zu, um den Aufstieg mitzuspielen. Sakai, Moritz, Holtby und Hunt, vielleicht auch Lasogga sollten unterstützt von Pollersbeck, Jung und Santos über genug Erfahrung  verfügen, um die Itos, Arps, Steinmanns und Wintzheimers zu führen. Auch wenn der Knorpelschaden von Gideon Jung (Komm schnell zurück! zeigt, dass das Gebilde nicht so fest steht, wie man es gerne hätte.
Die Vertragsverlängerungen von Sakai, Holtby und Hunt, sowie von Arp sind dabei wesentlich mehr als nur ein gutes Zeichen. Die drei Erstgenannten müssen den Rest führen und sich vor die jüngeren Kollegen stellen, wenn es mal haken sollte. Arp muss man auch ein Bisschen vor sich selbst schützen, auf keinen Fall darf man erwarten, dass „Uns Fiete“ den HSV im Alleingang zurück in die Bundesliga bombt. Als Zeichen für die Öffentlichkeit ist sein Vertrag bis 2020 jedoch Gold wert, auch wenn er für Fiete zur Last werden kann. Kommt der Kader über die Saison ohne der Selbstüberschätzung (siehe Fehler aus der Vergangenheit) zu verfallen, ist er in der Lage das Saisonziel zu erreichen.

Und sonst? Ja, ich habe Bock auf die kommende Saison, ich bin neugierig auf die zweite Liga und vielen geht es wie mir. Natürlich erwarte ich eine bessere Punktausbeute als zuletzt, doch bin ich mir auch bewusst, dass  der angepeilte Aufstieg schwer zu erreichen sein wird und ich bin mir sicher, dass es falsch wäre (siehe Fehler aus der Vergangenheit) jetzt schon davon zu reden.
Auf die Saisoneröffnung gegen Kiel im ausverkauften Volksparkstadion mit Tanja, Kai und Tom an meiner Seite freue ich mich zu einhundert Prozent und das ist auch gut so und bestimmt kein Fehler aus der Vergangenheit.
Nur der HSV!

Sonntag, 27. Mai 2018

Hoffmann, Holtby und der HSV

Selbst der Abstieg kann der Aufbruchsstimmung beim HSV nichts anhaben. Unvergessen ist der Tag an dem der Abstieg endgültig Realität wurde, unvergessen die Reaktion der Fans, die Unterstützung der Mannschaft, die Liebe zum Verein.
Mehr als 4.000 Menschen haben sich dazu entschlossen Mitglied beim HSV zu werden, um ihren Verein gerade jetzt zu unterstützen, aber auch um ein Zeichen zu setzen:
Wir mögen abgestiegen sein, aber wir leben noch!

Mit dieser Reaktion Hamburgs war zwei Monate vor dem letzten Spieltag nicht zu rechnen. Seit Monaten brodelt es bei Heimspielen, man hörte schon bei den ersten Fehlern im Spiel Pfiffe und als sich der HSV, begleitet von medialer Häme, die obligatorische Klatsche in München abgeholt hat tauchte auf dem Trainingsplatz das unsägliche Plakat: „Eure Zeit ist abgelaufen, wir kriegen euch alle!“ auf und die elf Kreuze wurden aufgestellt.
Die Enttäuschung wurde zur Wut und bei einigen Verblendeten gar zum Hass. Ich mag mir gar nicht vorstellen, wozu es noch gekommen wäre, wenn sich das Spiel der Mannschaft nicht grundlegend geändert hätte.

Dafür, dass ich die erwartete Selbstzerfleischung meines Vereins nicht erleben musste, hat vor allen anderen Christian Titz gesorgt. Mit dem veränderten Auftreten der Mannschaft unter seiner Führung, dem konsequenten Einbau junger Spieler, denen auch mal ein schlechter Auftritt (zB. Steinmann in Hoffenheim) verziehen wurde, ohne sie aus der Startelf zu verbannen, wandelte sich auch die Stimmung im Verein. Wenn es einen Beleg bräuchte, dass Fans ein Gespür für Leistungen ihres Vereins haben, muss man sich nur die Bilder von Frankfurt vor Augen führen, als nach der 0:3 Niederlage mit Tränen in den Augen applaudiert wurde.

Drei Wochen vor dem Auftritt in München wurde Bernd Hoffmann mit 51,09% der anwesenden Mitglieder zum Präsidenten des HSV eV gewählt. Es wurde "Gebuht, gebrüllt, gewählt" und hätten ein paar Mannschaften die Versammlung nicht vor der Wahl verlassen müssen…
Hätte, hätte Fahrradkette.
Am 18.Februar wurde Hoffmann gewählt, am 7.März übernahm er den Vorsitz des Aufsichtsrates um am Tag darauf Heribert Bruchhagen freizustellen und auch Jens Todt (via Wettstein) zu entlassen. Vier Tage und ein Auswärtsspiel in München später folgte die Trennung von Bernd Hollerbach.

Unter Christian Titz, der von Bernhard Peters, Johannes Spors und Frank Wettstein als Trainer installiert wurde bekam der HSV erstmals seit langer Zeit so etwas wie Glaubwürdigkeit im Handeln zurück. Nicht nur ich rieb mir ob des Auftritts gegen die Hertha verwundert die Augen. Kaum zu glauben, dass die Spieler, die vor Wochenfrist kaum einen Ball stoppen konnten auf einmal Fußball spielten. Ja spielten und nicht nur arbeiteten. Stützen der Nachwuchsmannschaft funktionierten auch bei den Profis und als Fan mochte man sich wieder mit dem was da auf dem Platz passierte identifizieren. Man glaubte ein Konzept erkennen zu können. Man ging wieder wegen und nicht trotz des Fußballs ins Stadion.

Hinter den Kulissen arbeitete der Aufsichtsrat daran die Lücken in der Vorstandsetage zu schließen. Während Frank Wettstein dadurch punktete, dass die Lizenzen für beide Ligen ohne Auflagen erteilt wurden, geisterten erste Namen von Sportvorständen durch die Medien. Die Suche nach einem/ einer Vorstandsvorsitzenden verlief wesentlich ruhiger. Gegen Ende der Saison kristallisierte sich heraus, dass der neue Sportchef wohl noch unter Vertrag stehen müsse und die Namen Becker und Krösche wurden, oder  besser werden als heißeste Eisen gehandelt.

Die Suche nach einem Vorstandsvorsitzenden wurde gestern bis auf weiteres unterbrochen, oder gar eingestellt. Bernd „Ich strebe kein Amt im Vorstand an“ Hoffmann hat jetzt seinen dritten leitenden Posten beim HSV inne. Mehr davon sind meines Wissens nach auch nicht zu vergeben.
Nüchtern betrachtet hat der Aufsichtsrat keinen besser geeigneten Kandidaten gefunden und die Position intern besetzt. An der fachlichen Eignung Hoffmanns besteht wohl selbst bei dessen Kritikern kein Zweifel, doch was wird aus der gerade eingekehrten Glaubwürdigkeit im Handeln, was mit der einheitlichen Unterstützung?

„Momentan macht der HSV vieles richtig“ war eine sehr gebräuchliche Redewendung in den letzten Wochen, die Hoffmannentscheidung ist zumindest als unglücklich zu bezeichnen.
Einige unterstellen Hoffmann, dass er ganz gezielt auf den gestrigen Tag hingearbeitet hat und bezichtigen ihn der Lüge, da er sein neuestes Amt im Vorwege ausgeschlossen hat. Andere sehen in Hoffmann den Heilsbringer, da sich seit seiner Rückkehr doch so vieles im Verein gebessert hat. Manche mögen in ihm auch ein momentan notwendiges Übel sehen, da halt kein besserer Kandidat zur Verfügung stand.

Mir selbst missfällt die gestrige Entscheidung aus mehreren Gründen.
Ohne Hoffmann etwas unterstellen zu wollen mag ich auch nicht ausschließen, dass eine Rückkehr ins operative Geschäft sein Wunsch oder gar Ziel war. Ich habe ihn nie für den Typ Vereinspräsident gehalten und habe seine Wahl stets als Mittel zum Zweck empfunden. Das hat er ja auch selbst so gesagt. Selbstverständlich wird sein Amt als Vereinspräsident von seinen Vertretern übernommen werden, doch waren diese bei der Wahl im Februar bestenfalls Beiwerk zu Hoffmann.
Thomas „So wahr mir Gott helfe“ Schulz steigt in den AR auf und wird selbstverständlich grundkritisch verfolgen, was sein ehemaliger Kollege so anstellt.
Am meisten stört mich aber der Verlust der Glaubwürdigkeit. Hoffmanns Ernennung ist zweifelsfrei legitim, doch sie geschieht halt durch die Hintertür. Derjenige, der niemanden für den Posten gefunden hat besetzt ihn eben selbst. Ein Schelm der Böses dabei denkt.
Auch die positive öffentliche Wahrnehmung wird durch diese Entscheidung torpediert und der HSV gibt nach außen hin mal wieder das Bild des Karnickelzüchtervereins ab.

Wie intensiv die Suche nach einem Vorstandsvorsitzenden gewesen ist vermag ich nicht zu beurteilen und auch ob mein Kandidat (Holger Hieronymus) überhaupt gefragt wurde weiß ich nicht. Auf keinem Fall möchte ich Bernd Hoffmann die Qualifikation absprechen, doch wenn ich nur überlege, dass er gestern am Tisch saß als über den neuen Sportchef/vorstand gesprochen wurde drängt sich mir das Bild der Einmannkapelle auf. Ein Model aus vergangenen Zeiten.

Zum Abschluss sei mir noch ein Wort zu Lewis Holtby und dessen Vertragsverlängerung gestattet.
Hört doch bitte mit dem Stuss auf  den Spielern ihren Gehaltscheck vorzuwerfen. Da verzichtet ein Spieler auf Geld um mit unserem Verein in die zweite Liga zu gehen und die Konsequenzen seines Scheiterns mit zu tragen und ihm wird vorgeworfen nicht in die Systeme mehrerer Trainer gepasst zu haben und zu viel zu verdienen. Das leuchtet mir nicht ein.
Noch absurder wird es, wenn ich überlege, dass Titz von allen gefeiert wird und Holtby einer seiner Eckpfeiler sein soll. Ja was denn nun, vertrauen wir Titz oder nicht.
Wenn ich dann noch überlege, was ein Ersatz für Holtby mit Ablöse, Beraterkosten usw. kosten würde fehlt mir jegliches Verständnis für die Kritiker dieser Vertragsverlängerung.
Und ja, auch eine Vertragsverlängerung von Hunt würde ich befürworten. (Er muss ja nicht jeden Standard schießen).
Nur der HSV!

Sonntag, 13. Mai 2018

Erhobenen Hauptes

Irgendwie wollte die gestrige Szenerie rund um den Volkspark so gar nicht zu einem Abstieg passen. Pfiffe und Schmähungen gegen die Mannschaft? Fehlanzeige.
Im Gegenteil. Als so um die 70. Minute durchgedrungen ist, dass Wolfsburg die Kölner schlagen würde raffte sich das gesamte Stadion auf und bescherte mir das vielleicht eindrucksvollste Stadionerlebnis, das ich je genießen durfte.

Der Capo sagte, dass jeder mit dem Abstieg umgehen müsse, wie er es für richtig hielte und stimmte als letzten Gesang „Mein Hamburg lieb ich sehr“ an, jenen Abschlach Song, der die Verbundenheit zu Stadt und Verein so einzigartig auszudrücken vermag.
Es wurde laut gesungen und das gesamte Stadion sang mit. Ich hätte heulen können vor Freude und Stolz ein Teil dieser Fangemeinde zu sein, die den sportlichen Tiefpunkt der Vereinsgeschichte zu so einem großartigen Erlebnis machte und mich den Gang in die zweite Liga erhobenen Hauptes antreten lässt.

Jeder wie er es für richtig hält beinhaltet leider auch, dass einige Sylvester vorverlegten.
Mit Pyrotechnik war ja zu rechnen, die Rauchtöpfe sind mir schon zu viel und die Böllerei geht halt gar nicht. Die Ultras hatten gestern die Chance auf Grund der Leistung der Mannschaft und der Stimmung im Stadion einfach wieder unter ihrer schwarzen Plane vor zu kommen und auf den Einsatz von Pyrotechnik zu verzichten, um damit ein Zeichen zu setzen. Doch wie so viele Chancen im Verein wurde auch diese vertan. Vor dem Spiel spendete ich (wie so oft) noch etwas Geld für Choreos, am Ende des Spiels ging das dann in Rauch auf…
Die Reaktion der restlichen 56.800 Zuschauer war eindeutig und sollte im Mittelpunkt der Berichterstattungen stehen, auch wenn die Bilder vielleicht nicht ganz so spektakulär sind!

„Ich hab nen harten Tag gehabt“ diese ersten Worte von „Mein Hamburg lieb ich sehr“ sagen schon viel über meinen Gemütszustand aus.
Ich vermag noch nicht so recht einzuschätzen, was uns in der zweiten Liga erwartet und ob wir dem gewachsen sein werden. Für viele unserer kommenden Gegner werden die Spiele gegen uns die Highlights der Saison sein und entsprechend engagiert werden sie diese angehen.
Andersrum bin ich total gespannt darauf, wie sich der HSV entwickeln wird und bin happy, dass Christian Titz der Trainer bleibt, hoffe aber auch, dass Strukturen geschaffen werden, die eine Grundphilosophie auch unabhängig vom Trainer ermöglichen.
Mich haben gestern sehr viele persönliche, aufmunternde Nachrichten erreicht, über die ich mich sehr gefreut habe. Dabei hält sich meine Niedergeschlagenheit merkwürdiger Weise in erträglichen Grenzen.
Aber natürlich habe ich auch viele Posts gelesen, die ihre Freude über unseren Abstieg ausdrückten, all jenen möchte ich zurufen: „ Habt Spaß mit den Wolfsburgs und Hoffenheims dieses Landes, mit leeren Gästebereichen und überschaubaren Fanszenen!“
Als gestern die Gladbachfans ungeachtet dessen, was ihre Fohlen da auf dem Platz gezeigt haben ihre Schmähgesänge auspackten, wurden sie von uns HSV-Fans niedergesungen und verstummten völlig.
In diesem Sinne:
Mein Hamburg lieb ich sehr, sind die Zeiten auch oft schwer,
weiß ich doch hier gehör ich her.
Hier wo ich geboren bin, wo ich spielte schon als Kind,
in den Straßen, die mein Zuhause sind!

Sonntag, 6. Mai 2018

Kurz vor Schluss

Eigentlich waren wir doch schon lange tot, ruiniert und abgestiegen.
Mehr als zehn Jahre der Misswirtschaft unter der Leitung von Pseudofachleuten haben meinen Verein zerstört. Die heutige Situation ist kein Wunder, oder Unfall sondern das Ergebnis konsequenten Missmanagements. Immer war es wichtiger Leute auf den entscheidenden Positionen zu haben, die man von außen beeinflussen konnte, als auf Kompetenz zu setzen.
Als wir Mitglieder dann die Schnauze so voll hatten, dass wir die Situation ändern mussten, kam man den Änderungswünschen pro Forma nach, verriet aber deren Inhalte und Philosophie.
Siehe dazu das NDR-Interview mit Holger Hieronymus.

Inkompetente, gängelbare Abnicker im Aufsichtsrat ließen ihrem Wunschvorstand freie Hand und ihn so Geld verbrennen, welches im Prinzip gar nicht vorhanden war. Die Folge davon ist, dass man sich nur noch von Lizenz zu Lizenz zu hangeln vermag und dabei auf Fremdkapital des Gönners oder wie zuletzt Signing fees des Vermarkters zurückgreifen muss. Der Spielraum für tatsächliche Gestaltung des Vereins bzw der AG wird dadurch und auch durch die bestehenden Verpflichtungen wie zB der Fananleihe minimiert.

Wenn es beim HSV etwas Positives aus den letzten Jahren zu vermelden gibt, ist es die Entwicklung im Nachwuchsbereich und Bernhard Peters ist nach außen hin vielleicht der einzige Glücksgriff in der trostlosen Bilanz des Dietmar Beiersdorfer.
Die des Trainers und einiger Eckpfeiler beraubte U21 verpasst (wahrscheinlich) nur knapp die Aufstiegsrunde zur dritten Liga und der U19 fehlte gestern 5 Minuten zum Erreichen der Endrunde um die deutsche Meisterschaft. An ähnliche (fast) Erfolge des Nachwuchses vermag ich mich nicht zu erinnern.
Die Beförderung von Christian Titz zum Trainer der Profis macht daher, unabhängig von seiner persönlichen Befähigung, aus unterschiedlichen Gründen Sinn.

Der HSV muss die Durchlässigkeit von der Jugend zu den Profis endlich leben, um den Talenten, seien es Trainer oder Spieler, Perspektiven aufzuzeigen. Da genügt es bei weitem nicht einen Campus und neue Trainingsplätze zu bauen, viel mehr muss jedem Talent egal ob aus den eigenen Reihen oder von außerhalb an möglichst vielen Beispielen vor Augen geführt werden, welche Möglichkeiten sie bei uns haben.

Wirtschaftlich gesehen ist dieser Weg noch alternativloser als vor vier Jahren. Um den Kopf aus der Schlinge der Handlungsunfähigkeit zu bekommen braucht man entweder die Champions League Qualifikation, oder man muss Spieler entwickeln, um diese mit Gewinn verkaufen zu können. Welche dieser Möglichkeiten mehr Aussicht auf Erfolg hat muss ich hoffentlich nicht erklären.

Auch für die Stimmung in und um den Verein herum ist dieser frisch eingeschlagene Weg unabdingbar. Erst seit sieben Spieltagen wird der HSV wieder als Fußballverein und nicht als Chaosclub wahrgenommen und alleine diese Tatsache grenzt schon an ein Wunder. Auch bin ich davon überzeugt, dass man mit einer frischen Strategie Türen zu Sponsoren öffnen kann, die in der Vergangenheit zugefallen sind. Allerdings braucht es dafür mehr als sieben Spieltage.
Hamburger Pfeffersäcke beeindruckt man halt nicht so leicht wie Fans.

Jetzt bin ich wieder wesentlich analytischer geworden, als es beabsichtigt war. Eigentlich wollte ich schreiben wie es mir in den letzten Wochen ergangen ist. Wie ich wieder mit Freude ins Stadion gegangen bin, weil ich einfach neugierig auf den HSV war. Und wie nach und nach aus dieser Neugier wieder Hoffnung erwachsen ist, nur um wieder zusammen zu fallen.
Realistisch gesehen besteht eine 40% Chance auf einen Sieg gegen Mönchengladbach und eine 20% Chance auf einen Sieg des Effzeh in Wolfsburg. Mathematisch ergibt es Wahrscheinlichkeit von 8% auf den Relegationsplatz, der zu 75% zum Klassenerhalt führen sollte. Das ergibt eine 6% Chance auf den Klassenerhalt.
Aber hey, wir sind der HSV, Wunder ist unser zweiter Vorname und die dicke Dame steht zwar auf der Bühne, geträllert hat sie aber noch nicht.
Mit welchem Gefühl ich am Sonnabend Richtung Volkspark ziehen werde vermag ich heute noch nicht einzuschätzen, sicher ist nur, dass ich laut sein werde und dass alles was passiert durch  Tanja, Kai und Tommi an meiner Seite erträglicher werden wird.

Nur der HSV!

Sonntag, 11. März 2018

Meine HSV-Woche

Ein 0:6 in München ist ja eigentlich nichts, was einen eingefleischten HSV-Fan erschüttern könnte und so ist es auch in diesem Jahr bei mir gewesen. Ein Kopfschütteln über die dargebotene Leistung meines Vereins und ein paar dumme Sprüche über Twitter aus Selbstschutz, das wäre die normale Reaktion, wenn in der vergangenen Woche nicht so viel passiert wäre, über das es sich meiner Meinung nach zu reden lohnt.

Wie im letzten Blogbeitrag geschrieben ist der HSV für mich seit der Niederlage von der Weser abgestiegen. Das Engagement vom Heimspiel gegen Mainz, gepaart mit der Unfähigkeit das Runde ins Eckige zu bugsieren war dann schon fast eine Erleichterung, hätte ein Sieg doch neue Hoffnung gebracht und so das Leiden verlängert. So entschloss ich mich mir Gäste in den HSVTalk zu holen, die noch hoffen.
Die Reaktionen auf diesen Talk waren interessant, vielfältig, aber durchweg positiv.

HSVTalk Hoffnung

Zwei Tage später wurden Bruchhagen und Todt entlassen.
Bernd Hoffmann machte das wahr, was er während seines Wahlkampfs angedeutet hat, ohne es auszusprechen. In seiner zweiten Aufsichtsratssitzung ließ er sich zum Vorsitzenden des Gremiums wählen und löste Michael Krall nach nur einem Monat Amtszeit ab. Selbstverständlich wurde diese Entscheidung, wie auch die zur Demission Bruchhagens einstimmig getroffen. Dann wurde Bruchhagen freigestellt und Frank Wettstein, jetzt alleiniger Vorstand entließ Jens Todt. Positiv ist, dass die Diskussionen zur Mehrheitsfindung komplett dort blieben wo sie hingehören, nämlich im Aufsichtsrat. Beim HSV beileibe keine Selbstverständlichkeit.

Meine Einschätzung auf meinsportradio.de vom Donnerstag

Und noch ein Positivum möchte ich nicht unbemerkt lassen. In Krisenzeiten kann man darauf wetten, dass die Granden glorreicher Zeiten aus den Löchern gekrochen kommen, sich vor die Mikrofone und Notizblöcke stellen und kritisieren was das Zeug hält. Umso bemerkenswerter ist es, dass sich Marcell Jansen gerade in diesen, vielleicht dunkelsten Tagen der Vereinsgeschichte in ein Amt berufen lässt und versucht im Rahmen seiner Möglichkeiten etwas für den HSV zu bewirken. Hut ab Cello!

Zurück zum Donnerstag. Schnell war wieder vom Chaos in Hamburg zu lesen, doch ebenso schnell schwenkte dieses Gerede in Verständnis um. Wann außer sofort sollte man eine Neuausrichtung des Vereins in die Wege leiten? In der Sommerpause wäre es wohl zu spät gewesen.
Natürlich wäre es schön, wenn der neue starke sportliche Leiter schon installiert wäre, oder der Abschluss mit einem solchen wenigstens kurz bevor stehen würde, denn obwohl der Verein pro forma handlungsfähig ist und sich das verbliebene Vortstandsmitglied Frank Wettstein in sportlichen Dingen bei Bernhard Peters und Johannes Spors Rat holen kann, verbleibt der Eindruck eines Vakuums.
Für mich wäre ein fließender Übergang von Bruchhagen/Todt zu Mister X oder X/Y sinnvoller gewesen und ich kann mir vorstellen, dass beide Entscheidungsträger dazu bereit gewesen wären, doch kann ich mich da natürlich auch irren.


Mich beschleicht auch immer mehr das Gefühl, dass wir auch ein Motivationsvakuum auf der Bank sitzen haben. Bernd Hollerbach ist ein Mann der Tat und nicht des Wortes, doch war ich ob seiner Mimik während der donnerstäglichen Spieltags-PK entsetzt.
Würde ich jetzt den (mir) fehlenden Funken in den Augen des Trainers eins zu eins mit der ausgebliebenen Leistung der Mannschaft in München in Verbindung bringen, wäre das zu eindimensional gedacht und auch unter Labbadia und Gisdol gab es während der Aufholjagden Auftritte dieser Art, doch war gestern nichts von einem Wirgefühl auf dem Platz zu bemerken.

Wenn sich dann nach dem Spiel ein Papadopoulos hinstellt und über ausgebliebene Verstärkungen im Winter jammert klingt das schon sehr nach der Suche nach Ausreden. Wenn sich ein Schipplock über die Einstellung seiner Kollegen beschwert möchte in bester Trappatonimanier fragen: „Was erlaube Schipplock? Drei Jahre gespielt wie Flasche leer, keine Tor getroffen und jetzt reden über Einstellung von Mitspieler“ Mit anderen Worten, der Zusammenhalt im Team, der dem HSV mehrmals die Klasse gehalten hat scheint in diesem Jahr nicht vorhanden zu sein. Die Spieler wirken genauso zermürbt wie Medien und Fans.

Das bringt mich zum nächsten Thema.
Wenn Teile von uns Fans meinen die Spieler mit Plakaten und Kreuzen bedrohen zu müssen so ist das eine Straftat und mit nichts zu rechtfertigen!
Trotzdem sehe ich in dieser absolut überzogenen Reaktion nur den Wunsch sich Gehör zu verschaffen. Die gängigen Floskeln wie „Scheiß Millionäre“ und so weiter werden doch schon vom Boulevard in der Suche um Aufmerksamkeit verwendet. Wer die Luschenkampagne der Bild gesehen hat kann sich nur noch angeekelt abwenden, wer die Spielerbewertung des Abendblatts in der Ursprungsfassung gelesen hat kann deutlich erkennen, dass eine Steigerung dessen was da stand nur noch in diesem unsäglichen verachtungswürdigen Plakataktionen zu finden ist.
Dazu war der Liveberichterstattung auf Sky angefangen mit diesem von Volksmusik untermalten Torzusammenschnitt, über dem unsachlichen und vor Häme triefenden Kommentar von Frank Buschmann, bis zu den eingespielten Kommentaren eines Lothar Matthäus anzumerken mit welchen Genuss der Spielverlauf begleitet wurde.

Als kurz nach dem Abpfiff Bilder des oben genannten Plakats im Netz erschienen sind waren gerade diese Medien die ersten, die dies verurteilten, selbstverständlich ohne sich selbst zu hinterfragen.

Im letzten Blogbeitrag endete ich mit der schwachen Hoffnung, dass wir mit etwas Restwürde und Anstand absteigen würden, diese Hoffnung möchte ich wider besseren Wissens erneuern und mit einem Appell an die die begleitenden Medien ergänzen ein Mindestmaß an Sachlichkeit walten zu lassen, oder wenigstens darauf zu verzichten weiteres Öl ins Feuer zu gießen. An die Teile der Fans zu appellieren, die Gewalt androhen halte ich für sinnlos, da kann man nur versuchen dem Pöbel so wenig Plattform wie möglich zu geben.
Nur der HSV!