Donnerstag, 30. Mai 2013

Erfolgsaussicht als Kündigungsgrund?

Nein, die Gründe, die unseren Aufsichtsrat bewogen haben Frank Arnesen zu entlassen kann ich immer noch nicht nachvollziehen. Von unterschiedlichen Auffassungen bei der Ausrichtung des Vereins ist die Rede, Konzeptlosigkeit in der Nachwuchsarbeit und ein schlechtes Preis-Leistungsverhältnis sind als Ursachen im Gespräch, aber einen Sinn ergibt das in meinen Augen nicht. Natürlich kann man jede handelnde Person hinterfragen und Fehler vermeidet man nur, wenn man nichts tut, daher findet man  auch bei der Tätigkeit Arnesens manch ein Haar in der Suppe, doch muss man deshalb nicht gleich die ganze Küche abreißen.

Von meinem Standpunkt aus ist der Punkt der langfristigen Ausrichtung des Vereins am schwersten zu beurteilen, da ich bei der Vorstellung eines solchen nicht dabei gewesen bin. Wenn ich aber die Vorgehensweise des Vereins in den letzten Tagen als Maßstab heranziehe, bin ich mir ziemlich sicher, dass Frank Arnesen da konzeptionell mithalten könnte.

Bei der Nachwusarbeit wäre ein Projekt fast in die Hose gegangen und es wäre auch der Sportchef nicht schuldlos gewesen, wenn die Zweite aus der Regionallige abgestiegen wäre, weil der HSV dort mit einem besseren A-Jugend Kader angetreten ist. Nachdem die Zweite vor unzufriedenen Leihspielern aus dem Bundesligakader verschont geblieben ist, haben die Jungs die Kurve noch bekommen und die Klasse gehalten. Sauer stößt einigen Kontrolleuren noch die Öztunali-Geschichte auf, weil der HSV es, im Gegensatz zur Personalie Jonathan Tah, nicht hinbekommen hat Uwes Enkel an den Verein zu binden. Ich denke, dass es sich erst in ein paar Jahren zeigen wird, ob der Verein sich auf die Forderungen von Spieler und Vater hätte einlassen sollen. Ob die Nachwuchsarbeit im Verein von einer erneuten Umstrukturierung profitieren wird und wenn ja wann das der Fall ist, steht in den Sternen, doch bislang ist der Erfolg durch die regelmäßigen Neuausrichtungen eher überschaubar.

Bleibt also noch das liebe Geld. Der teuerste Sportchef aller Zeiten ist Geschichte und sein Nachfolger soll ungefähr ein Viertel von dessen Gehalt beziehen, das liest sich doch wie der feuchte Traum eines jeden Sparschweins. Doch wenn der Sparfaspekt im Vordergrund gestanden hätte, wäre diese Entscheidung noch weniger nachvollziehbar gewesen, als sie das ohnehin schon ist, schließlich bezahlt man Arnesen auch weiterhin, das Gehalt seines Nachfolger fällt zusätzlich an und dann soll es ja auch noch eine Ablöse geben. In meinen Augen ist dies ein sehr teurer Sparvorgang.

Jetzt ich unterstelle den AR Mitgliedern mal, dass sie willens sind die Interessen des Vereins wahrzunehmen und Frage mich dann, warum es in aller Welt notwendig war diesen Wechsel derartig zu forcieren, warum hat man Arnesen nicht bis zu Vertragsende arbeiten lassen? Auch wenn es für ihn absehbar war, dass sein Vertrag nicht verlängert würde, wäre Arnesen doch nicht der Typ Mensch gewesen, der darauf hin die Beine hochgelegt und den Vertrag ausgesessen hätte. Notwendig wurde die Trennung doch erst, als die Meldungen darüber in der Presse aufgetaucht sind.

Bei der Weiterbeschäftigung Arnesens wäre der Aufsichtsrat nur ein Risiko eingegangen und das hieße Erfolg. Denn hätte die Mannschaft und der Verein in der kommenden Saison eine positive Entwicklung genommen, hätte man eine Entlassung nicht vertreten können.
Aber wäre das wirklich so schlimm gewesen?



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