Donnerstag, 4. Februar 2016

Die Schuldfrage

Der Deadlineday bei den Wintertransfers brachte wieder einmal viel Hektik mit sich und bot die eine oder andere skurril anmutende Geschichte. Dass der HSV dabei kräftig mitmischte versteht sich, wie auch die öffentliche Wahrnehmung des Alleinschuldigen, von selbst.
Ehrlich gesagt erachte ich es nicht als übermäßig wichtig, dass man einen Schuldigen benennt, mir tut lediglich der Ivorer Sekou Sanogo leid, der zurück nach Bern musste.
Gewundert hat mich, wie lange sich die Mär vom verspäteten Fax  in der Presse hielt. Selbst am Dienstag war, ungeachtet der Tatsache, dass derlei Daten Online eingereicht werden und vorab per Mail hin und her geschickt werden, noch vom Fax zu lesen. (Mehr dazu auch im aktuellen HSVTalk)

Die Schuldfrage steht meiner Meinung nach in der Fußballberichterstattung viel zu oft im Mittelpunkt. Zu oft wird nach dem gesucht der das Gegentor verschuldete anstatt den Angreifer eine gelungene Aktion zu attestieren.
So war für viele Michael Gregoritsch schuld am späten 2:1 der Stuttgarter. Dabei interessiert es niemanden, dass der Defensivverbund weit aufgerückt war und die Stuttgarter dadurch unbedrängt flanken und einnetzen konnten. Von Absicherung keine Spur. Dabei wäre an einem Punktgewinn im Topspiel des vergangenen Spieltags nur die Angriffsschwäche der Stuttgarter schuld gewesen…

Doch zurück zu den Transfers über Drmic habe ich mich ja schon geäußert und bleibe auch wenn der Schweizer häufiger hinter der Spitze oder auf den Flügeln gespielt hat als ich dachte bei der Kernaussage, dass ich die Leihe für 15 Spiele in der Situation des HSV als zu teuer betrachte.
Nabil Bahoui könnte zur kommenden Saison Ivo Ilicevic beerben und sich bis dahin zumindest an den Trainingsbetrieb der Bundesliga gewöhnen. Er wechselt ablösefrei und hat Potential, geriet zwar zuletzt in eine Sackgasse, doch ist er die Art Spieler, auf die der HSV setzen muss, weil das Stammpersonal anderer Vereine schlicht nicht bezahlbar ist.

Gestern wurde sich dann wieder auf die Suche nach dem Schuldigen für die wirtschaftliche Situation gemacht und nach wie vor sieht es nicht danach aus, als würde es DEN Schuldigen geben.
Nach dem zweiteiligen Interview von Frank Wettstein mit finance-magazin.de fühle ich mich zumindest einmal über die finanzielle Lage des HSV informiert und das ist ja schon mal was.
Der HSV wird versuchen den Stadionkredit zu strecken, auch um die Fan-Anleihe zurückzahlen zu können und flüssig zu bleiben. Das kommt nicht überraschend wurde aber erstmalig ausgesprochen. Noch kein Thema war die angestrebte Eigenvermarktung, doch auch für die sehe ich zumindest für 2020 schwarz.

In der Saison 16/17 soll sie dann endlich verwirklicht werden, die schwarze Null, „ohne außergewöhnliche Transfererlöse“. Mal sehen wie viel Handlungsspielraum die sportliche Leitung dann hat.
Es muss auch weiterhin auf private Anteilseigner gesetzt werden, da der HSV für die gewerblichen Partner nicht gut genug aufgestellt ist und  auch schon viele Partner hat. Das klang irgendwann einmal ganz anders.
Die gesamten Aussagen von Frank Wettstein konnten mich nicht überraschen (auch nicht die Höhe der gesamten Verbindlichkeiten von 90 mio €) Gut finde ich, dass er den AG-Vorstand bei der Suche nach den Schuldigen nicht außen vor lässt, wodurch seine Aussage: „Weder die Liquidität noch die Lizenz sind gefährdet.“ und sein Schlusssatz: „Warten Sie es mal ab! Wir sind auf einem guten Weg.“ an Glaubwürdigkeit gewinnen.

Wer die Schuld an der Trainingsrangelei inkl. Kopfstoss zwischen Gregoritsch und Ilicevic hatte, interessiert mich eigentlich  gar nicht und wenn Labbadia sagt das regeln zu wollen, reicht diese Aussage für mich, um die Angelegenheit für heute zu beschließen und zum Tagesgeschäft zu wechseln, denn angeblich soll am Sonntag im Volkspark wieder Fußball gespielt werden.
Köln soll vorbeischauen wie man munkelt, eine dieser Mannschaften, die besser und erfolgreicher sind, wenn es ihnen gelingt dem Gegner den Ball und die Verantwortung für das Spiel zu überlassen. Obwohl wir mit der Aufgabe der Spielgestaltung oft überfordert gibt es Anlass zur Hoffnung. Es gibt jemand beim HSV, der eine positive Heimbilanz hat, nämlich mich (2/1/1) und ich bin Sonntag endlich mal wieder im Stadion.

Und sollte es nicht mit dem dritten Heimsieg der Saison klappen, wisst ihr wenigstens wem ihr die Schuld geben könnt.

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