Donnerstag, 12. März 2015

Total verpuckt

Manchmal ist es als hätte man einen Puck an den Kopf bekommen und nähme seine Umwelt nur noch verschwommen war. Nein ich möchte nicht auf die berechtigten Anmerkungen von Thomas Eichin und der polemischen Antwort dieses Pseudohoeneß eingehen, das machen schon genug andere und ich tue mich schon schwer genug mich auf den eigenen Verein zu konzentrieren.

In einem Kommentar auf Facbook schrieb ich vorhin:
Momentan hat man das Gefühl als würde der HSV am offenen Herzen operiert während er an einem Marathonlauf teilnimmt. Mit latentem Blutverlust ist zu rechnen...
Man will langfristig gerade im Nachwuchsbereich etwas aufbauen und hat sich dafür Kompetenz in den Verein geholt. Doch auch wenn die Ideen von Bernhard Peters eventuell irgendwann einmal Geld sparen, muss man sie während der Umsetzung erst finanzieren.
Das mag momentan wehtun, doch wenn man sich für so einen Weg entscheidet muss man hinter dessen langfristiger Umsetzung stehen. Mit aller Konsequenz.

Es soll neben einer Vereins- aber auch eine sportliche Philosophie entwickelt werden und sein wir ehrlich, momentan scheint sich die spielerische Klasse eher nach unten zu bewegen. Die Bälle werden mit einem frommen Wunsch versehen und möglichst weit nach vorne gebolzt, um dort auf die eventuellen Abpraller gehen zu können und wenn ein solcher erobert werden kann, ist er spätestens nach dem dritten Kontakt auch schon wieder verloren.
Der Zweck heiligt die Mittel und dieser heißt Abstiegskampf annehmen.

Ja, gegen Dortmund gab es Szenen in denen über das Ziel hinausgeschossen wurde, doch ist mir das tausendmal lieber, als wenn ich einem Spieler mangelnden Einsatz nachsagen müsste.
Wenn ein Markus Gisdol jetzt schon vor dem Spiel weint meint sagen zu müssen:
„Der HSV hat schon mehrmals übertreten. Ich hoffe auf einen guten Schiedsrichter, der die harte Spielweise unterbindet.“
Dann soll er das machen und ich hoffe, dass der erste seiner Spieler der hart zur Sache geht gelb bekommt. Zinnbauer ("Wir haben keine Angst, dass wegen Härte vermehrt gegen uns gepfiffen wird. Die Schiedsrichter wissen schon, was sie tun.") tut gut daran weiterhin auf diese konsequente und bisweilen destruktive Spielweise zu setzen und diese als Grundlage zu nehmen, um das Umschaltspiel zu verbessern.

Langfristig muss Joe mit Knäbel und Peters daran arbeiten eine ansehnlichere Spielweise zu etablieren und ich hoffe, dass man allen Gerüchten über eine „große Trainerlösung“ zu Trotz an Zinnbauer festhält, den ich für entwicklungsfähig halte.
Diesen Spagat zwischen langfristigen Vorhaben und kurzfristigen Notwendigkeiten meinte ich eingangs. Man gibt Geld aus, um es später zu sparen und man schraubt das spielerische Niveau herunter, um irgendwann wieder aufbauen zu können.
Ob dieses Vorgehen Erfolg haben wird weiß ich auch nicht, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass uns eine erneute Abkehr vom eingeschlagenen Weg noch weiter zurückwerfen wird.
Dies meine ich ausdrücklich auch sportlich, denn wenn man in Hoffenheim versucht mitzuspielen wird man Probleme bekommen.

Kommentare:

  1. Also der dritte Versuch. Ich stimme Dir grundsätzlich zu. Nur:
    "...sein wir ehrlich, momentan scheint sich die spielerische Klasse eher nach unten zu bewegen." - das sehe ich dann doch anders. Vergleicht man die Spiele gegen den SCP und H96 zu Beginn der Rückrunde mit den letzten Spielen und der DM-Besetzung Jiracek/Kacar, dann sehe ich langsame aber dennoch deutliche spielerische Fort- und eben nicht Rückschritte. Daran ändert auch nichts, dass wir in der letzten halben Stunde gegen den BvB wieder in das alte Muster, Befreiungsschläge/Gebolze, zurückgefallen sind, was aber auch am Druck der Borussia lag. Was tatsächlich fehlt, sind der vorletzte, bzw. der letzte Pass nebst erfolgreichem Torabschluss.

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  2. Ich fand gerade gegen Dortmund auch die Ballan- und mitnahme grausam. Und dabei taten sich gerade die technisch beschlagenen Spieler wie Stieber und Müller hervor.
    Gegen Frankfurt und Gladbach waren ein paar gefällige Spielzüge, teilweise sogar bis zum Abschluss zu sehen, da gebe ich Dir recht, doch mag ich daraus noch keine Verbesserung konstruieren. Der spielerische Rückschritt bezog sich natürlich auf die unterirdische Passquote, aber vielleicht überwogen bei mir die letzten Eindrücke zu sehr.

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  3. Ich sehe da keinen Widerspruch, Sven. Man muss doch nur den Gegner in die Bewertung einbeziehen. Beim Spiel gegen den BvB sollte man sich vergegenwärtigen, dass dessen Spiel durch extremes Gegenpressing seit Jahren gekennzeichnet ist. Sie versuch(t)en ständig, personelle Überzahl in Ballnähe herzustellen, was den Handlungsdruck für den Gegner, also hier den HSV, erhöht. Unsere haben,so gut sie es eben vermochten, dagegen gehalten. Das dabei ein Fehlpassfestival herausgekommen ist, finde ich daher gar nicht so erstaunlich. Der BvB spielt seinen Stil wie lange? Und wo stehen wir in der Entwicklung? Und dann ist da noch die im Durchschnitt unbestreitbar höhere individuelle Qualität der Borussen-Spieler, was Technik, taktisches Verständnis und vor allem Erfahrung angeht. All dies wirkte sich m.E. hier aus. Im Ansatz meine ich aber, dass der HSV auch in diesem Spiel eben nicht durchgängig den Ball nur herausgesprügelt hat, wie das noch zu Beginn der Rückrunde der Fall gewesen ist. Allerdings, das habe ich ja oben schon eingeräumt, haben wir gegen Ende der Partie zunehmend auch die Ansätze eines spielerischen Fadens dann verloren.

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  4. Ja, da steckt viel wahrheit drin.
    Wäre auch ein Thema um sich darüber im HSVTalk zu unterhalten...

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