Mittwoch, 7. Mai 2014

Samstag aus meiner Sicht

Ich habe in der letzten Zeit erstmals seit meiner (fernen) Jugend Bundesligafußball wieder stehend verfolgt und muss sagen, dass mir das Stadionerlebnis in den Fanblöcken wesentlich mehr zusagt, als auf den Sitztribünen. Mich stören schon seit jeher die bösen Blicke, wenn man länger als „notwendig“ nach Aktionen stehenbleibt, oder auch die Aufforderung „Steht auf für den HSV“ zu Stehexzessen ausweitet. Den Stehplätzen ferngeblieben bin ich unter anderem auch, um mich von Pyros und jeglicher Art von Gewalt zu distanzieren.

Gewalt geht nun mal gar nicht. Nicht im Stadion und sonst auch nicht. Egal von wem sie ausgeht.
Am Samstag kam es, für mich völlig überraschend zu Gewalt im Stadion. OK, schon vor dem Spiel ist mir die Polizeipräsenz aufgefallen und besonders zwei berittene Polizisten, die durch die sich aufs Stadion zubewegende Menge laut „Vorsicht“ rufend getrabt sind versetzten mich in Staunen, da man dies auch langsamer und sorgsamer hätte tun können.
Anscheinend war das eine Reaktion auf die Auseinandersetzungen mit „Fußballfans“ beider Lager, die es zu trennen galt und wobei auch Polizisten verletzt wurden. In diesem Zusammenhang kann ich auch ein entschlossenes Auftreten der Polizei nachvollziehen.

Vor dem Stadion kam es dann wohl noch einmal zu Auseinandersetzung zwischen „Fans“ und Polizei, welche die Ultraorganisationen zum Aufhängen dieser unsäglichen ACAB-Banner motivierten.
Nach meinem Kenntnisstand erfüllt das, nach welchem Paragraphen auch immer, den Tatbestand der Beleidigung. Über die verallgemeinernde Aussage als solche brauchen wir nicht zu reden, zumal ich mir nicht vorstellen mag/will, dass irgendjemand dies wörtlich meint. Genau wie bei „denen da oben“ handelt es sich auch bei Polizisten um unterschiedlichste Menschen.

Doch egal. Die Frage, die mich bewegt ist die nach der Verhältnismäßigkeit des Polizeieinsatzes im Block 22c während der Halbzeitpause. Welche Reaktion so ein Vorgehen unter den Ultras und auch den umstehenden Nichtultrafans auslöst war absolut vorhersehbar, also ist davon auszugehen, dass diese billigend in Kauf genommen wurde. Ob der Einsatz von Reizgas eine Reaktion auf Gewalt aus der Kurve, oder diese eine Reaktion auf das Gas war vermag ich nicht zu sagen, doch wäre beides bei besonnenem Vorgehen der Einsatzleitung zu vermeiden gewesen. Davon bin ich überzeugt.
So sind auch unbeteiligte, die wie ich ein Fußballspiel lieber stehend verfolgen in Mitleidenschaft gezogen worden und die Statistik Gewalt in Stadien wurde auch wieder aufgebessert, vor allem wurde aber viel Vertrauen und Toleranz ohne Not vernichtet.

Enttäuschend waren viele Berichte und Meinungen zu diesem Thema, in denen wahlweise von vermummten Chaoten oder Gewaltexzessen der Polizei zu lesen war. Man kann ja von beiden Gruppierungen halten was man will, doch sollte man Vorfälle wie den vom Samstag nicht zu Generalabrechnungen mit wem auch immer nutzen. Schon gar nicht mit Blick auf die kommende Mitgliederversammlung.
Vielleicht muss sich der Verein hinterfragen, ob die Grenzen dessen, was man mit halbgeschlossenen Augen durchwinken kann nicht teilweise so überschritten werden, dass ein Dialog mit Gruppen oder Einzelnen nicht mehr ausreicht. Aber auch bei diesen internen Vorgängen fehlen mir die Einblicke, um sie über meine Wahrnehmung hinausgehend beurteilen zu können.

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