Sonntag, 6. Mai 2018

Kurz vor Schluss

Eigentlich waren wir doch schon lange tot, ruiniert und abgestiegen.
Mehr als zehn Jahre der Misswirtschaft unter der Leitung von Pseudofachleuten haben meinen Verein zerstört. Die heutige Situation ist kein Wunder, oder Unfall sondern das Ergebnis konsequenten Missmanagements. Immer war es wichtiger Leute auf den entscheidenden Positionen zu haben, die man von außen beeinflussen konnte, als auf Kompetenz zu setzen.
Als wir Mitglieder dann die Schnauze so voll hatten, dass wir die Situation ändern mussten, kam man den Änderungswünschen pro Forma nach, verriet aber deren Inhalte und Philosophie.
Siehe dazu das NDR-Interview mit Holger Hieronymus.

Inkompetente, gängelbare Abnicker im Aufsichtsrat ließen ihrem Wunschvorstand freie Hand und ihn so Geld verbrennen, welches im Prinzip gar nicht vorhanden war. Die Folge davon ist, dass man sich nur noch von Lizenz zu Lizenz zu hangeln vermag und dabei auf Fremdkapital des Gönners oder wie zuletzt Signing fees des Vermarkters zurückgreifen muss. Der Spielraum für tatsächliche Gestaltung des Vereins bzw der AG wird dadurch und auch durch die bestehenden Verpflichtungen wie zB der Fananleihe minimiert.

Wenn es beim HSV etwas Positives aus den letzten Jahren zu vermelden gibt, ist es die Entwicklung im Nachwuchsbereich und Bernhard Peters ist nach außen hin vielleicht der einzige Glücksgriff in der trostlosen Bilanz des Dietmar Beiersdorfer.
Die des Trainers und einiger Eckpfeiler beraubte U21 verpasst (wahrscheinlich) nur knapp die Aufstiegsrunde zur dritten Liga und der U19 fehlte gestern 5 Minuten zum Erreichen der Endrunde um die deutsche Meisterschaft. An ähnliche (fast) Erfolge des Nachwuchses vermag ich mich nicht zu erinnern.
Die Beförderung von Christian Titz zum Trainer der Profis macht daher, unabhängig von seiner persönlichen Befähigung, aus unterschiedlichen Gründen Sinn.

Der HSV muss die Durchlässigkeit von der Jugend zu den Profis endlich leben, um den Talenten, seien es Trainer oder Spieler, Perspektiven aufzuzeigen. Da genügt es bei weitem nicht einen Campus und neue Trainingsplätze zu bauen, viel mehr muss jedem Talent egal ob aus den eigenen Reihen oder von außerhalb an möglichst vielen Beispielen vor Augen geführt werden, welche Möglichkeiten sie bei uns haben.

Wirtschaftlich gesehen ist dieser Weg noch alternativloser als vor vier Jahren. Um den Kopf aus der Schlinge der Handlungsunfähigkeit zu bekommen braucht man entweder die Champions League Qualifikation, oder man muss Spieler entwickeln, um diese mit Gewinn verkaufen zu können. Welche dieser Möglichkeiten mehr Aussicht auf Erfolg hat muss ich hoffentlich nicht erklären.

Auch für die Stimmung in und um den Verein herum ist dieser frisch eingeschlagene Weg unabdingbar. Erst seit sieben Spieltagen wird der HSV wieder als Fußballverein und nicht als Chaosclub wahrgenommen und alleine diese Tatsache grenzt schon an ein Wunder. Auch bin ich davon überzeugt, dass man mit einer frischen Strategie Türen zu Sponsoren öffnen kann, die in der Vergangenheit zugefallen sind. Allerdings braucht es dafür mehr als sieben Spieltage.
Hamburger Pfeffersäcke beeindruckt man halt nicht so leicht wie Fans.

Jetzt bin ich wieder wesentlich analytischer geworden, als es beabsichtigt war. Eigentlich wollte ich schreiben wie es mir in den letzten Wochen ergangen ist. Wie ich wieder mit Freude ins Stadion gegangen bin, weil ich einfach neugierig auf den HSV war. Und wie nach und nach aus dieser Neugier wieder Hoffnung erwachsen ist, nur um wieder zusammen zu fallen.
Realistisch gesehen besteht eine 40% Chance auf einen Sieg gegen Mönchengladbach und eine 20% Chance auf einen Sieg des Effzeh in Wolfsburg. Mathematisch ergibt es Wahrscheinlichkeit von 8% auf den Relegationsplatz, der zu 75% zum Klassenerhalt führen sollte. Das ergibt eine 6% Chance auf den Klassenerhalt.
Aber hey, wir sind der HSV, Wunder ist unser zweiter Vorname und die dicke Dame steht zwar auf der Bühne, geträllert hat sie aber noch nicht.
Mit welchem Gefühl ich am Sonnabend Richtung Volkspark ziehen werde vermag ich heute noch nicht einzuschätzen, sicher ist nur, dass ich laut sein werde und dass alles was passiert durch  Tanja, Kai und Tommi an meiner Seite erträglicher werden wird.

Nur der HSV!

1 Kommentar:

  1. Dem kann ich nur voll und ganz zustimmen.
    Von daher müssen wir jetzt noch 6 Tage weiter an das Wunder glauben und hoffen daß der EffZeh Wolfsburg schlägt.
    Ein Sieg(egal wie)gegen Gladbach vorrausgesetzt.
    Relegation gegen Kiel wird allerdings auch kein Selbstgänger sein,obwohl die sicherlich Muffensausen im Volkspark bekommen würden.
    Also Hiffen und Glauben heisdt die Devise.
    Nur der HSV.

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