Donnerstag, 3. Dezember 2015

Klotz am Bein

Nein, überraschend kam das erneute Minus in der Bilanz des HSV nicht mehr. Dass es am Ende gar 16,9 Millionen Euro geworden sind ist aber schon alarmierend.
Die Ursachen für dieses Minus liegen auf der Hand und wurden seit Monaten auch hier immer wieder angesprochen. Ein Zusammenspiel von Altlasten und Neuschulden hat den HSV in eine Situation gebracht, in der jetzt der Anker geworfen werden muss.
„Grundsätzlich gilt, dass der HSV in Zukunft - anders als in der Vergangenheit - seine Transfertätigkeiten konsequent an seinen wirtschaftlichen Möglichkeiten ausrichten muss.“
So Finanzvorstand Wettstein auf HSV.de

Dabei sollte jedem klar sein, dass mit Vergangenheit nicht nur die eV-Zeiten, sondern auch und gerade die ersten Transferphasen als AG gemeint sind. 12,65 mio€ betrug das reine Transferminus der Saison 14/15. Dazu kam das Anheben des Gehaltsvolumen um ca 10 mio€. In der laufenden Saison wurden bei den Transfers 9,45 mio€ minus gemacht und die Spielergehälter wieder ungefähr auf das Maß von 13/14 zurückgeführt. (Quelle Transfermarkt.de)

Beiersdorfer begründet die Investitionen vor der Saison 14/15 damit, dass er nach der 27 Punkte Saison und der Relegation gegen Fürth neue Reizpunkte setzen und die Mannschaft stabilisieren wollte, dass dieses Vorhaben durch die eklatante Fehleinschätzung in der Trainerfrage scheiterte ist auch keine Neuheit.
Natürlich kann man jetzt sagen, dass man ohne den einen oder anderen Transfer nicht schlechter dastehen würde, allerdings kann man das nur schwer belegen. Lediglich der Fall Olic fällt leider ohne Zweifel in diese Kategorie. Betrachtet man die Transfers aus der heutigen Sicht, mit den Entwicklungen die Spieler wie Holtby, Lasogga und Müller in einem stabilen sportlichen Umfeld genommen haben, bleiben am Ende nicht viele Flops. Die aber, wurden teuer.

Die Mannschaft scheint derzeit so gefestigt, dass man sie zur kommenden Saison nur punktuell verändern müssen wird. Fraglich ist aber, ob man es sich leisten kann, die auslaufenden Verträge von Djourou, Spahic, Diekmeier, Kacar und Ilicevic inklusive der normaler Weise fälligen Handgelder zu verlängern und ob man bei entsprechenden Angeboten alle Leistungsträger wird halten können.
Allein durch diese Fragestellung sieht man wie groß der Klotz am Bein des Dinosauriers ist, den er sich durch sein Handeln in den letzten Jahren selbst umgebunden hat.
Ich hoffe, dass wir in naher Zukunft präzisere Angaben bekommen, wie der HSV gedenkt sich dieses Klotzes zu entledigen. Für eine genauere Einschätzung der Situation scheinen mir die Angaben des Vereins doch noch zu schwammig zu sein und der Ausblick auf die nahe Zukunft fehlt mir sowohl bei den bisherigen Aussagen von Wettstein, als auch bei denen von Beiersdorfer.

„Alles was uns fehlt ist der Erfolg“ sagte Carl Edgar Jarchow vor gut zwei Jahren in der Analyse der Situation, eine Aussage die ihm auch von mir Spott einbrachte.
Manchmal frage ich mich, ob wir seit dem viel weiter gekommen sind.
Andersrum will ich noch nicht auf die Vereinsführung (AG-Leitung) eindreschen, da sich zumindest sportlich einiges verbessert hat. Der Zeitpunkt eine Reißleine zu ziehen ist noch nicht gekommen, die Herausforderung den Spagat zwischen finanzieller und sportlicher Gesundung zu meistern wird allerdings auch nicht geringer.

Kommentare:

  1. zu Olic: Der Transfer war aus damaliger Sicht richtig. Lasogga hatte bis dato nur 2 Tore, Rudi nur 1 Tor gemacht. Müller fand quasi nicht statt und auch sonst wollte niemand Tore schiessen. Ausserdem war abzusehen, daß Lasogga länger fehlen würde, weil er verletzt war. Olic hatte in Wob durchaus gezeigt, daß er noch wusste, wo das Tor steht und ist dazu noch mit seinem bedingungslosen Einsatzwillen ein Vorbild für alle jungen Spieler. Daß er nicht Fuß fasst, war zu dem Zeitpunkt nicht abzusehen..

    Der Abschluß 14/15, der ja grad veröffentlicht wurde, ist ja nur ein Spiegelbild der Vergangenheit. Es ist der erste Abschluß nach der Ausgliederung. Daß Beiersdorfer auch gravierende Fehler gemacht hat, wurde schon thematisiert. Aber wenn man sich das Gesamtkonzept jetzt so ansieht, sehe ich ein schlüssiges Handeln, vor allem im sportlichen Bereich, das ist seit der Hoffmann/Beiersdorferzeit beim HSV nicht mehr erlebt hab. Von daher sehe ich die Entwicklung positiv. Wenn auch der Start beschissen war
    Fiete

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    1. zu Olic: Der Transfer war nachvollziehbar, aber nicht richtig. Wobei sich die Richtigkeit erst im Nachhinein zeigt. Unter dem Strich bleibt dieser Transfer ein sehr, sehr teures Missverständnis, welches durch die Nachzahlung für 10 Minuten gegen Wolfsburg noch die krone aufgesetzt bekam.

      Beiersdorfer hatte durchaus die Möglichkeit auf den einen oder anderen Transfer zu verzichten und dafür auf vorhandenes Personal zu setzen (zB. Tah statt Cleber) Bei seinen Entscheidungen im Sommer 2014 fehlte ihm das finanzielle Augenmaß.
      Die Ausgangsposition durch die übernommenen Altlasten sind wirklich jedem bekannt, dürfen allerdings über die Mängel der neuen Vereinsführung nicht hinwegtäuschen und schon gar nicht als Ausrede dienen.

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    2. Auf Olic bin ich deshalb eingegangen, weil er zwar ein Fehlkauf ist, das aber zum Zeitpunkt der Verpflichtung nicht abzusehen war.

      Ich möchte auch nicht die Fehler von Didi kleinreden, sondern nur klarstellen, daß es nicht die Fehler Didis allein sind, die zu dem Verlust geführt haben. Ich hab ja schliesslich in "Fietes Saisonrückblick" bei den Blogperlen schon recht deutlich angesprochen, daß da ne Menge falsch gelaufen ist.
      Aber ich bin zB mit der letzten Transferperiode recht zufrieden. Dort hat man sich strickt an das vom AR vorgegebene Budget gehalten, sich auf der einen Seite durch Abgänge Luft verschafft, um sich im Gegenzug auf der anderen Seite ganz gezielt zu verstärken.
      Fiete

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    3. Da sind wir uns doch wieder einig. Allein das angemerkte Transferdefizit des vergangenen Sommers ist negativ anzumerken

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    4. Ich möchte noch die Trainerfrage im letzten Jahr anmerken. Slomka hätte nicht Trainer bleiben dürfen, Bruno war nach der Entlassung Slomkas auch schon zu haben, Peter Knäbel als Trainer zu installieren, wo der HSV schon am Abgrund war ... Nur weil man unbedingt Tuchel haben wollte. Ich mag gar nicht daran denken, was passiert wäre, hätte sich Tuchel erst 14 Tage später mit Dortmund geeinigt. All das ist gravierend mitverantwortlich für das dicke Minus

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    5. "dass dieses Vorhaben durch die eklatante Fehleinschätzung in der Trainerfrage scheiterte ist auch keine Neuheit."
      Schrieb ich oben dazu.
      Und in diversen Einträgen auch mehr.

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  2. Wer sich zwei erstklassige und sehr teurer Torhüter leistet, hat definitiv kein Finanzproblem...
    Und wer sich mehrere Trainerentlassungen leistet, auch nicht.
    Was du leicht übersehen hast: Der HSV dürfte in den letzten Jahren auch einiges an TV Geldern verloren haben, denn die hängen mit den Platzierungen zusammen. Auch hier kann man schnell ein paar Mio Miese machen. Man steckt in einem Teufelskreis (Werder erlebt das auch gerade). Um dem sportlichen Misserfolg entgegenzuwirken, hat man Spieler und Trainer verpflichtet, die "besser" als die vorhandenen sein sollten. Die kosten Geld. Das man dann bei Transfers miese macht, scheint logisch, haben sich die zu verkaufenden Spieler nicht gerade durch sportliche Leistungen empfohlen. Es gibt scheinbar in HH nur den einen Weg und man geht "All in". Weil man gezwungen ist, mehr Risiko zu gehen. Meint man. Also ist in Hamburg alles wie es eigentlich die letzten Jahre immer war.

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    1. Natürlich verliert der Verein durch die schlechten Platzierungen an TV-Einnahmen und auch sonst ist ein erfolgreicher Verein (oh Wunder) leichter zu vermarkten.
      Einigen wir uns darauf: Misserfolg macht nicht nur keinen Spaß, er ist auch noch teuer und der Weg zurück auf die Erfolgsspur kann sogar noch teurer werden.
      Es wurde ja in den letzten Jahren des eV durchaus versucht zu sparen, doch das leider wie auch das Investieren danach ohne Augenmaß und die unstete Vereinspolitik des letzten Jahrzehnts schreckt nicht nur Sponsoren und Investoren ab, sie auch noch teuer.
      Beiersdorfer hat sich für das Risiko entschieden, ging wie du sagst "All In" um dieser Spirale zu entkommen. Das kann aber nicht so weiter gehen und die folgende Entwicklung gilt es in den kommenden 18 Monaten zu betrachten, um dann endgültig urteilen zu können.

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    2. Naja, sagen wir es mal so: Entweder geht der Plan auf oder man braucht sich keine Sorgen mehr machen, ob man den Relegationstitel verteidigen kann. Ich bin inzwischen viel zu weit weg, um einschätzen zu können, was man bei den von dir genannten Spielern an Gehältern einsparen kann. Aber eines ist klar: Gehen die, verliert der Verein viel Geld, weil man keine Ablöse erzielt. Ob die für einen Spahic noch gezahlt werden würde sei mal dahingestellt. Und ob man wirklich etwas an Gehältern spart ist mehr als fragwürdig, würde man doch mindestens gleichwertigen Ersatz holen. Und der dürfte nicht viel weniger Gehalt haben wollen.
      Aber wie gesagt, ich bin da viel zu weit weg.

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    3. Auch das ist so eine Spirale und auch ich kann nur spekulieren.
      Beiersdorfer beschreibt seinen Weg als unumgänglich, hoffen wir, dass es nicht unser letzter wird.

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