Freitag, 22. Mai 2015

Gastbeitrag: Mit der Bitte um Respekt

Wenn mich ein Freund oder in diesem Fall eine Freundin bittet ihr etwas Platz in meinem Blog einzuräumen, dann mache ich das. Ich mache das gerne und fühle mich ob dieser Bitte sogar geehrt. Ob ich in allen Einzelheiten mit der Meinung des Freundes / der Freundin übereinstimme spielt dabei keine Rolle. Der Text wird eins zu eins übernommen.
Hier ist der Beitrag von Meike, die sich über Morgen Gedanken macht.



                                                           
                                            Mit der Bitte um Respekt

Nun ist es also vielleicht so weit. Während ich diese Zeilen schreibe, bestehen gute Chancen, dass wir die letzten Stunden des HSV in der Bundesliga erleben. Irgendwie bin ich sprachlos. Und ich habe Angst.
Meine Angst ist dabei allerdings weniger in der Angst um den Verein begründet, dessen Fan ich mal war. Ob ich noch ein Fan bin? Ich weiß es eigentlich gar nicht so genau.

Ich bin nicht und war nie ein geborener HSV-Fan. Das Fan-Sein schlich sich mit der Zeit so ein. Ich kann kein genaues Datum nennen und ich kann auch nicht genau sagen, wann diese Gefühlssache wieder weniger wurde. Und was wurde sie. Irgendwann nach einer Hoch-Zeit, in der ich ziemlich engagiert war, oft im Stadion und viel bloggte, wurde es weniger. Das lag an privaten Umständen (ein Pferd verschlingt immens viel Zeit...) und auch an der Leistung des HSV. An dem Führungschaos. An der Ermüdung, die damit zusammen ging. Daraus resultierte, dass ich an Samstagen (oder Sonntagen, wie auch immer), immer öfter lieber im Stall blieb, als mir ein Fußballspiel anzusehen, bei dem ich das Ergebnis vorher schon kannte. Ärger, Wut, Enttäuschung.

Trotzdem lässt mich das alles auch heute noch nicht ganz kalt. Wie könnte es auch? Ich lebe mit einem geborenen HSV-Fan zusammen. Gute Freunde von mir sind seit sie denken können, HSV-Fan. Manche mehr, mache weniger, aber die Leidenschaft teilen sie alle. Fast bedingungslos. Und das bewundere ich.
Und genau aus diesem Umstand resultiert meine Angst. Abstiegsangst ist ja ein schönes Wort, aber leider beschreibt es nicht mal annähernd alles, was dahinter steht.

Heute war in der Bild (tolle Quelle, ich weiß...) zu lesen, dass die meisten Fans dem HSV den Abstieg wünschen. Letztlich ist es mir egal, ob das so stimmt, ich kann nur sagen, dass ich diese Einschätzung teile. Es ist das, was ich täglich erlebe. All die Kommentare, dass der Abstieg so unglaublich verdient wäre und der HSV aus der Bundesliga verschwinden sollte. Haben wahrscheinlich alle HSV-Fans mittlerweile schon gehört.  Ich wage nicht mal zu sagen, dass die Aussagen komplett unrichtig sind. Herz hin oder her, der Abstieg wäre alles, aber nicht unverdient, zumindest in meinen Augen und das hat sehr viele Gründe, die ich hier nicht aufzählen werde. Darüber ist an anderer Stelle schon genug diskutiert worden.

Aber, und das ist mir wichtig, selbst wenn der Abstieg für den Verein verdient ist, ist er es nicht für die Fans. Und genau deshalb möchte ich um Respekt bitten, was auch immer passiert.
Die meisten Leser wird es nicht überraschen, manche aber vielleicht schon. Es gibt sie wirklich. Die HSV-Fans, die nicht blind sind und die trotzdem ihr Herz genau an diesen Verein verloren haben. Schon mit der Geburt, in ihren Kindertagen oder später. Echte Fans, die mit den Sorgen des Vereins einschlafen und auch damit wieder aufwachen. Die sich engagieren und die sich absolut nichts vorzuwerfen haben, ganz im Gegensatz zum Führungspersonal des Vereins. Fans wie der Zwerg.
Sollte es zum Abstieg kommen, bricht genau für diese Fans eine Welt zusammen. Nicht für die Spieler, die woanders hingehen können und auch nicht für die Vereinsbosse. Es sind die Fans, die wie die Schweine leiden werden. Und genau davor habe ich Angst.

Ich werde morgen nicht im Stadion sein. Ich werde zu Hause sein. Und neben mir wird einer dieser Fans sitzen. Und ich habe Panik. Nicht vor dem Abstieg, mit dem habe ich mich wahrscheinlich schon vor mehr als einem Jahr abgefunden. Aber für den Menschen neben mich wird bei einem Abstieg morgen die Welt auf den Kopf gestellt und ich werde hilflos sein. Es wird nichts geben, was ich sagen oder tun kann. Das macht mir unendlich Angst. Ganz ehrlich, wenn ich es könnte, würde ich morgen so lange mit einem Besenstiel hinter jedem einzelnen Spieler hinterherlaufen, bis sie den Abstieg verhindert haben (und ich mangels Kondition wohl tot umfalle...). Aber ich kann es eben nicht. Ich kann, genau wie diese tollen, langjährigen Fans, nichts mehr tun.

Ich weiß, dass Dinos irgendwann aussterben, das habe ich schon im Bio-Unterricht vor sehr vielen Jahren gelernt. Und vielleicht hätte der HSV sich stattdessen lieber ein Krokodil als Maskottchen aussuchen sollen, denn die haben die Evolution ja irgendwie überlistet... aber wenn es nach mir geht, darf es diesen Dino nicht treffen (die verdammte Uhr hingegen schon, aber das ist wieder eine andere Sache).
Wie dem auch sei, bitte denkt, wenn es morgen wirklich schief geht, an die Fans. Nicht die Fan-Boys, sondern die richtigen Fans. Denkt daran, wie es euch gegangen ist, als euer Verein mal nicht so super da stand, egal mit was ihr es verbindet, denkt an die richtigen, die echten Fans. Diese Männer (ja, es gibt auch Frauen, weiß ich, kenne aber keine sehr gut...), die Tränen in den Augen haben werden und für die es eben nicht nur ein Spiel ist, nicht nur ein Verein, sondern ein besonderer Teil ihres Lebens.
Und was ist so schwierig daran, statt einem hämischen: „Na endlich hat es sie erwischt!“ eurem Gegenüber in die Augen zu sehen und einfach nur zu sagen: „Für DICH tut es mir Leid!“?

Damit sagt ihr weder, dass ihr es schade findet, dass der HSV abgestiegen ist, noch andere Dinge, die ihr vielleicht nicht sagen wolltet. Ihr bezeugt einzig und allein Respekt gegenüber einem HSV-Fan. Und wenn ihr noch einen Schritt weiter gehen wollt und könnt, vertagt die freudige Reaktion über den Abstieg einen Raum weiter. Wenn ihr nichts Nettes sagen könnt, sagt nichts. Aber bitte, bitte werdet nicht unfair den tollen Fans gegenüber, die nichts dafür können. Sie werden schon genug Leiden.
Alternativ könnt ihr natürlich auch einfach die Daumen drücken, dass sich der Abstieg noch vermeiden lässt. Das wäre mir dann sogar noch lieber ;)
In diesem Sinne:

NUR DER HSV

Kommentare:

  1. Schön geschrieben ... jetzt macht es mir auch angst; bilde ich mir doch immer wieder gerne ein: "mich trifft das nicht so wie hart andere" oder "ich hab mich damit ja schon vor einigen Wochen abgefunden." Ich hoffe nur, es geht morgen direkt runter und nicht noch Ewigkeiten in der Relegation. Das war letztes Jahr unerträglich.

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  2. Diese Weitsicht wünscht sich wohl jeder HSV-Fan, den es persönlich trifft, gar seine Jugend mit dem Auf und Ab des Vereins verbindet. Aber so wird es nicht kommen. Der Springerverlag wird mit wehenden Fahnen voran reiten und diesen großen Moment, den sie doch selber so vehement heraufbeschworen haben, medial ausschöpfen solange es was zu berichten gibt. Andere Verlage werden auf den fahren Zug aufspringen und schon dafür sorgen, dass es die Stimmung in die einzige (Auflagen fördernde) Richtung geht. Ich habe schon letzte Woche mit Tränen in den Augen vor dem Fernseher gesessen, meinen Frust in Norddeutscher Brauereikunst ertränkt und mit Schaudern an Montag gedacht. Denn das ist mit Abstand der schlimmste Tag aller HSV Fans geworden. Der erste Wochentag nach einem Bundesligaspiel. Die Häme und die blöden Sprüche dieser Eventfans, die im Grunde doch keine Ahnung von dem Sport haben und nur auf dich eindreschen, weil es gerade so angesagt ist, den arroganten HSV (vertreten durch den gerade anwesenden Fan) in den Dreck zu ziehen. Ich für mich, werde morgen das Spiel ganz allein vor dem Fernseher sehen. Ich möchte niemanden dabei haben, wenn diese für mich so große Ära zu Ende geht. Für viele mag es nur ein Sport sein, für mich ist es ein großes Stück Jugend, Vergangenheit und Gegenwart. Und vor allem: Emotionen!

    In diesem Sinne: Nur der HSV!

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