Sonntag, 2. November 2014

Heimsieg erkämpft

Und wieder einmal heißt es ganz tief durchatmen. In der Nachspielzeit spielte der Neunationalspieler Karim Bellarabi den Ball an Drobny vorbei gegen den Innenpfosten, von wo das Spielgerät zurück ins Feld sprang und Sekunden danach war der erste Heimsieg eingetütet. Natürlich war gestern ein Spiel mit vielen Geschichten, doch am Ende bleibt die Feststellung, dass der HSV den Heimsieg ausgerechnet gegen den Gegner einfuhr, den er auch vor fast sieben Monaten zuletzt im Volkspark besiegte.

Es war ein umkämpftes, ein hartes Spiel in dem letztlich 50 Fouls (27:23) und etliche Handspiele zu Buche standen. Schön anzusehen war es bestimmt nicht, dafür aber höchst spannend. Gar nicht mehr ansehen bzw anhören mochte ich mir die Kommentare von Rudi Völler, der vor dem Spiel zum wiederholten Male meinte total unreflektiert über den Calhanogluwechsel sprechen zu müssen und danach die weinerliche Tante Käthe gab, deren Spieler doch ein schützenswertes Gut seien und der böse, böse Schiedsrichter sei seiner Aufgabe eben dieses Gut zu schützen nicht nachgekommen.
Auch Roger Schmidt hat den Schuldigen für die Niederlage schnell gefunden, denn der HSV hätte jedes Aufbauspiel seiner Elf mit einem Foul unterbunden und der Schiedsrichter hat diese nicht gepfiffen.
Aber warum sollte auch auf einem Mal guter Stil unter dem Bayerkreuz Einzug halten?

Ja, der HSV war bissig und nahm jeden Zweikampf an. Das eine oder andere Foul war vielleicht etwas heftiger als unbedingt notwendig, so überzogen wie das Foul von Donati kurz vor der Pause war allerdings keins.
Egal. Lasst sie jammern. Nicht gejammert hat Hakan Calhanoglu über die Pfiffe (von denen er mMn jeden einzelnen verdient hat) und auch nicht über das sehr harte Einsteigen Rafael van der Vaarts, für das dieser folgerichtig Gelb gesehen hat. Nicht schön waren die Gegenstände, die in seine Richtung flogen, als er vor der Nord einen Freistoß ausführen wollte. Zum Glück wurde er nicht getroffen und hat auch nicht so getan als ob.

Taktisch versuchte es der HSV mit einem 4-1-4-1-System, in dem Behrami auf der 6 zeigte, wie unverzichtbar er mittlerweile für das Team ist. Zentral davor spielten Holtby und van der Vaart nebeneinander, und konnten sich so beim Gegenpressing abwechseln. Ob diese Aufstellung auch die spielerischen Möglichkeiten erhöht, ist nach diesem Kampfspiel nicht zu beurteilen.
Hervorheben möchte ich aber die Leistung der Innenverteidiger, die fehlerfrei spielten, einen Großteil der Zweikämpfe gewannen und so dem Team Sicherheit gaben.

Wenn Du einem Gegner spielerisch nicht auf Augenhöhe begegnen kannst, musst Du ihn auf Dein Niveau bringen. Dies ist der Mannschaft gestern sowohl taktisch als auch kämpferisch hervorragend gelungen. Allerdings ging es ja auch wieder gegen einen „Großen“ der Liga, einer Mannschaft, die über das spielerische Moment kommt, daher wäre es grundfalsch, von einer Wende zum Besseren zu sprechen. Die Mannschaft zeigt ein ums andere Mal, dass sie will. Schon im nächsten Heimspiel muss sie auch zeigen was sie kann. Doch davor gibt es noch den Trip nach Wolfsburg, wo ähnliche Tugenden, wie gestern gesehenen gefragt sein werden. Vielleicht gelingt es dann ja auch, sich ein paar Chancen herauszuspielen und diese im Idealfall auch zu verwerten.

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