Freitag, 21. Dezember 2012

Mein Fußballereignis 2012



Ich bin heute Morgen via Twitter auf folgenden Artikel gestossen, in dem Heinz Kamke das Verhalten der Twitterer, die ohne Ausnahme aufrichtige Betroffenheit angesichts des erneuten Kreuzbandrisses von Leon Andreasen als sein Fußballereignis 2012 bezeichnet.
Spontan dachte ich: Recht hat er. Tolle Sache, dass sich niemand zu herablassenden Bemerkungen in die Richtung von Andreasen oder Hannover 96 hat hinreißen lassen, begleitet wurde das von der Erkenntnis, dass es traurig ist, wenn man so eine Selbstverständlichkeit feiern muss.
Nicht, das ich etwas gegen das Anmerken dieses Verhaltens hätte, ich finde nur schade, dass es anscheinend etwas besonderes ist.

Als ich nun so über das Schicksal von Leon Andreasen nachdachte kam mir sofort der Fall Karsten Bäron in den Sinn, der sich immer wieder zurückkämpfte und gegen Duisburg ein wahnsinnig emotionales Comeback feierte, um dann doch  die Karriere beenden zu müssen.
Dies brachte mich zur Frage nach dem Verbleib von Romeo Castelen, dessen Vertrag beim HSV im letzten Sommer auslief und leider stellte ich fest, dass er zur Zeit vereinslos ist.
Mögen er und die Stars der Reha, die nie aufgeben die Kurve kriegen, oder eine Erfüllung in anderen Bereichen des Lebens finden.

Wie es dann so ist, wenn die Gedanken am Rennen sind, kam ich zu der Frage, was denn mein Fußballerlebnis 2012 war und surprise-surprise gerade für mich, Fan des nie abgestiegenen HSV war es der Besuch eines Zweitligaspiels.

Es war im Januar, als mich mein Freund xxlhonk anrief und fragte, ob ich Bock hätte mit ein paar coolen Typen nach London zu fahren, um ein bisschen Footbal zu gucken.
Bock?
Was ne Frage, immerhin reden wir über die NFL im Allgemeinen und das Spiel Patriots @ Rams im Besonderen, wir reden über Wembley und ein affengeiles Wochenende.
Also flugs das Grinsen aus meinem Gesicht gewischt, die beste Ehefrau der Welt (Titel nicht verhandelbar) mit einem Dackelblick auf dem falschen Fuß erwischt und der Genugtuung über ihr Nicken ein wenig Bedauern ob der tagelangen Trennung von ihr beigemischt.

Bei den coolen Typen, die Honk erwähnte handelte es sich um die mir als Spoxuser bekannten DooMiniK, hingabel und midget, wobei ich auf hirngabel gespannt war, da ich ihn noch nicht persönlich kannte, mir bei DooMiniK böses schwante, da ich ihn schon kennengelernt hatte und midget absagen musste, was mir in Wembley zu einem Sitznachbarn verhalf, der zwar genauso "groß", aber wesentlich interessanter, da er nicht so effzehgesteuert und vor allem weiblicher war. Doch das ist eine andere Geschichte.

Hier geht es um Zweitligafußball.
Da wir vier "etwas" fußballbekloppt sind, beschlossen wir back to the roots zu gehen und uns ein Spiel abseits des Londoner Mainstreams anzusehen und unsere Wahl fiel auf Millwall.
Nun hat der liebe Gott bekanntlich das Begrüßungsbier vor das Fußballspiel gesetzt und da Honk und ich schon einen Tag länger unser Londoner Luxusdomizil auf 10 qm genossen, saßen wir noch im Pub, als sich die Mannschaften von Millwall und Huddlesfield schon warmmachten.

Zu meiner Erheiterung brachte diese Tatsache meine Begleiter nicht von ihrem Vorhaben ab und so machte ich mich gut gelaunt, aber mit einem inneren Kopfschütteln pünktlich zu Spielbeginn auf in Richtung "The new Den". Mit Under- und Overground erreichten wir zum Ende der ersten Halbzeit den Bahnhof Millwall, bei dessen Verlassen wir einen 2,5 m hoch eingezäunten Pferch für die Gästefans entdeckten, der mich spontan an den Zugang zu einem Schlachthof erinnerte.

Die Halbzeit verbrachten wir mit dem Anmarsch zum Stadion, welches pünktlich zum Anpfiff der zweiten Halbzeit in unser Blickfeld geriet.


Natürlich waren alle Kassen zu und das wir keine Tickets bestellt hatten muss ich nicht extra erwähnen. Doch gelangweilte Ordnerdie, sichtlich amüsiert über die crazy Germans, die planlos um das Stadion schlichen, eine Kassiererin zurück zum Dienst baten, verhalfen uns dann doch noch zu Tickets.

Erwähnt sei, dass die Engländer noch nie etwas von der Aktion: Keinen Zwanni für nen Steher gehört haben und so zahlten wir gut 30 Euronen für handgestoppte 28 Minuten Zweitligafußball hinter dem Gäsetor.


Verrückt?
Verrückt ist, das dieses Geld mir heute gut angelegt scheint, denn in dieser halben Stunde erlebten wir die erhoffte Atmosphäre, erfreuten uns an den sachlichen Kommentaren der englischen Fans, die ich hier aus Jugendschutzgründen  nicht wiedergeben will und bekamen obendrein noch mehr Tore zu sehen, als bei meinen letzten fünf HSV-Heimspielen, nämlich drei und die direkt vor unserer Nase.
Millwall siegte 4:0 und so hatten wir noch einige angenehme Gespräche mit Millwallfans beim Bier nach dem Spiel.


Mein innerliches Kopfschütteln hatte sich mit dem Erreichen des Stadions gelegt und ich bin meinen Begleitern absolut dankbar, dass sie das Ding so konsequent durchgezogen haben, denn allein wäre ich da nicht mehr hingefahren.
Jungs Ihr seid genial!

PS: eigentlich wollte ich das Ding wie gewohnt auf Spox posten, da das aber nicht möglich war und ich schon lange "was eigenes" wollte habe ich das schnell auf dieser halbfertigen Seite gemacht.





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